Studie | | von Susanne Herrmann

Home Office: Arbeitgeber sind wenig flexibel

Die Arbeitsmodelle verändern sich derzeit gravierend - schneller offenbar, als es die Menschen tun, die Einfluss nehmen auf die Arbeitsbedingungen, vor allem Zeit und Ort. Der Fragestellung "Arbeiten in der Zukunft: Wie viel Flexibilität ist drin?" ist eine Studienreihe des Jobportals Monster nachgegangen. "Recruiting Trends 2015", "Recruiting Trends im Mittelstand 2015" und "Bewerbungspraxis 2015" werden jährlich in Kooperation mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg durchgeführt. Ergebnis dieses Jahr: Nur knapp die Hälfte der größten Unternehmen und nur zwei von zehn mittelständischen Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern Home Office an.

Für die 
Arbeitnehmer dagegen ist räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten ein wichtiges Kriterium für die Annahme eines Jobangebots - obwohl es nicht nur Vorteile hat. Mehr als acht von zehn der befragten Stellen- und Karriereinteressierten würden am liebsten bei einem Unternehmen arbeiten, das eben diese Form der Arbeit ermöglicht. Knapp jeder zweite Teilnehmer stellt, wenn es darum geht einen Job anzunehmen, als nötige Bedingung von zu Hause aus arbeiten zu können. "Dank technischer Entwicklungen, aber auch durch den kulturellen Wandel und das Bedürfnis nach Individualisierung verändern sich die Ansprüche an die Organisation und Definition von Arbeit", sagt Bernd Kraft, Vice President General Manager bei Monster.

Das bringt einige Vorteile für die Arbeitnehmer, etwa das Entfallen von Pendelzeit (sagen 84 Prozent der Befragten), räumliche Unabhängigkeit (78 Prozent), eine verbesserte Work-Life-Balance (69 Prozent) und mehr Eigenverantwortung (68 Prozent). Doch selbst die Arbeitnehmer sehen einige Nachteile, die das Arbeiten von zu Hause mit sich bringt. Dazu zählen das Verschwimmen der Grenze zwischen Arbeit und Familie (53 Prozent), die Verringerung sozialer Kontakte (44 Prozent), das Nicht- Vorhandensein technischer Unterstützung (32 Prozent) sowie sinkende Karrierechancen (25 Prozent).

"Wir leben in einer Arbeitnehmerkultur, in der nicht mehr die investierte Arbeitszeit, sondern das Ergebnis zählt", sagt Professor Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg. "Es sollte also nicht mehr darum gehen, wer abends am längsten seinen Schreibtisch hütet. Produktivität und Effektivität stehen im Vordergrund der Arbeit."

Was so selbstverständlich klingt, ist aber in der Realität auf Arbeitgeberseite noch nicht angekommen. Nur knapp die Hälfte der befragten Top-1.000-Unternehmen bieten das Arbeiten zu den gängigen Bürozeiten von zu Hause aus an. Immerhin aber ermöglichen acht von zehn befragten Unternehmen flexible Arbeitszeiten. Räumlich und zeitlich verteiltes Arbeiten hingegen wird aktuell in nur rund einem Viertel der Fälle ermöglicht.

Der Wille sei da, sagt Bernd Kraft: "Die Gründe für den bislang zaghaften Umgang mit der Home-Office-Regelung liegen vor allem in den Herausforderungen für die Zusammenarbeit, die das Arbeiten von zu Hause aus im Unternehmen erzeugt." So haben viele Mitarbeiter im Büro die Vermutung, mehr arbeiten zu müssen als der Kollege oder die Kollegin im Home Office. Weniger als drei von zehn der antwortenden Großunternehmen sind zudem der Meinung, dass ihre Mitarbeiter im Home Office produktiver sind als im Büro. Noch problematischer ist die Flexibilität für mittelständische Unternehmen: Rund 19 Prozent bieten die Möglichkeit, Arbeit zu Hause zu erledigen. Immerhin knapp 22 Prozent wollen dieses Angebot zukünftig ausweiten.

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