Hand drauf: Wie beiläufige Berührungen Ihre Überzeugungskraft stärken
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Nico Rose | | von Nico Rose

Hand drauf: Wie beiläufige Berührungen Ihre Überzeugungskraft stärken

Wenn wir versuchen, Mitmenschen von etwas zu überzeugen, greifen wir meist auf die klassischen Mittel der Rhetorik zurück (wenn auch nicht zwingend bewusst). Laut Aristoteles zeichnen sich überzeugende Redner – je nach Anlass – durch die Anwendung einer passenden Mixtur aus Pathos (emotionale Appelle), Logos (sachliche Argumente) und Ethos (Integrität und Autorität des Sprechers) aus, um ein Publikum für ihre Sache zu gewinnen.

Auch wenn Worte gewaltig und im wahrsten Sinne des Wortes berührend sein können – es gibt etwas, was Menschen noch nachhaltiger beeinflussen kann:

Öfter mal Hand auflegen

Forscher haben im Rahmen einer Vielzahl von Studien feststellen können, dass kurze beiläufige Berührungen, z.B. an der Schulter oder an der Hand, Menschen spürbar "folgsamer" machen können.

Einige Beispiele (die Links führen zu den Studienberichten):

Bisher ist noch nicht abschließend geklärt, warum diese kurzen Berührungen eine solche Wirkung entfalten. Der interessante Aspekt ist nämlich: der Effekt stellt sich auch dann ein, wenn wir gar nicht mitbekommen, dass wir berührt wurden (oder uns zumindest im Anschluss nicht erinnern können). Hypothesen reichen dabei von der Wirkung positiver Kindheitserinnerungen bis hin zur Annahme, dass wir jenen Menschen, von denen wir uns berühren lassen, implizit einen besonderen Status zuweisen (wer mich berühren darf, den mag ich; bzw. wer mich berühren darf, ist "wichtig/mächtig").

Bevor Sie jetzt aber losrennen und wie wild ihre Mitmenschen betatschen, hier ein paar Worte der Warnung bzw. Einordnung:

  • Wo: Nur Berührungen an eher neutralen Stellen wie Hand und Schulter führten zum gewünschten Ergebnis. Alle anderen Zonen sind tabu.
  • Kultur: Wer wen wann berühren darf, ist stark kulturabhängig. Tendenziell nimmt z.B. die Häufigkeit, mit der sich Menschen in der Öffentlichkeit berühren, von Süd- nach Nordeuropa ab. In gänzlich anderen Kulturen, z.B. Japan, sind Berührungen unter Fremden nahezu verpönt. In wiederum anderen Kulturen, z.B. in vielen arabischen Ländern, ist es untersagt, dass sich Männer und Frauen in der Öffentlichkeit berühren, während sich Männer untereinander durchaus sehr nahe kommen dürfen. Die oben zitierten Studien stammen zumeist aus dem nordamerikanischen bzw. westeuropäischen Raum. Es sei also angeraten, auch nur in einer entsprechenden Kultur die beschriebenen positiven Effekte zu erwarten.
  • Geschlecht: Über viele Studien lässt sich zeigen: Frauen lassen sich eher berühren, als Männer – und sie lassen sich auch stärker davon beeinflussen, egal, ob die berührende Person männlich oder weiblich ist.

In diesem Sinne: Überlegen Sie vorher gut, wann und bei wem Sie Hand anlegen. Zudem gilt: das Ganze funktioniert nur dann, wenn es beiläufig und "ganz natürlich" geschieht. Wenn Sie sich selbst unwohl mit dieser Überzeugungstaktik fühlen, rate ich Ihnen, es lieber sein zu lassen. Allen anderen: Viel Freude beim Experimentieren!

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

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