Start-ups in der Digitalwirtschaft | | von Tobias Weidemann

Gründer auf dem Weg zur "Dare-Economy"

Mit den Chancen für Start-up-Unternehmen der Medien- und Digitalbranche befasste sich das Symposium "Digitale Wirtschaft in Bayern". Insgesamt wurde an vielen Stellen der eintägigen Veranstaltung der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien deutlich, dass zwischen Politikern, Investoren und Venture Capitalists sowie Gründern und Vertretern der Wirtschaft in den wichtigen Punkten Einigkeit besteht. Es sei immer noch mit einem hohen Risiko des Scheiterns verbunden, wenn man ein Unternehmen gründe, bemängelte etwa Avner Warner, Director Economic Development der Initiative Tel Aviv Global City, der interessante Einblicke in die Start-up-Szene von Tel Aviv bot. Er machte deutlich, dass es Rahmenbedingungen wie schnelles Internet, gute Vernetzung unter den Mitarbeitern der Firmen und ein gutes wirtschaftliches und politisches Umfeld sind, die eine Region erfolgreich und attraktiv für Gründer machen. Zudem sei ein umfangreiches Angebot an günstigen Büroflächen und Coworking-Spaces hilfreich.

Auch Andy Goldstein, Executive Director des LMU Enterpreneurship Center München, der bereits in den 80er Jahren sein erstes Unternehmen gründete, zeigte auf, dass innerhalb der deutschen Arbeitswelt eine gescheiterte Gründung immer noch ein Makel sei. In den USA und insbesondere im Silicon Valley sei dagegen eine "Dare-Economy" und das Recht zum Scheitern und Umdenken deutlich ausgeprägter. Deutlich wurde, dass die Gründungsphase junger Unternehmen finanziell gar nicht mal so problematisch ist. "Schwieriger ist die spätere Phase, in der Unternehmen oft noch keine oder sehr geringe Gewinne erwirtschaften, der eigentlichen Start-up-Phase mit diversen Unterstützungsangeboten aber bereits entwachsen sind", erklärte Rainer Maerkle, Partner bei Holtzbrinck Ventures Advisor.

Mit den Venturekapitalisten ging dagegen Alexander Henschel, Managing Director und Leiter Industriegruppe bei goetzpartners, ins Gericht: "Man kann jeden Businessplan zerreden", erklärte Henschel und ermunterte dazu, nicht nur die reinen Zahlen, sondern eher das Potenzial der Gründer zu bewerten. Man tue sich leicht, erst in Unternehmen zu investieren, wenn sie schon schwarze Zahlen schreiben. Auch dauere es, darin waren sich die Diskutanten einig, oft zu lange, bis aus einer Idee und einem Businessplan ein Produkt werde, für das sich Investoren fänden. Gerade im technologischen Bereich vergingen aufgrund von Patentanmeldungen oft mehrere Jahre, bis ein Produkt zur Marktreife gelange. Hier verfügen Internetunternehmen aufgrund kürzerer Entwicklungszyklen über handfeste Vorteile.

Durch die gesamte Veranstaltung zog sich der Vergleich mit und die Abgrenzung zum Start-up-Standort Berlin. So betonte beispielsweise der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil, München sei an Position 2 der europäischen Gründerregionen für Internetunternehmen, hinter London und noch vor Berlin – und konnte sich den Seitenhieb "und das sogar mit eigenem Geld und aus eigener Kraft" nicht verkneifen. Andererseits wurde insbesondere in den Podiumsdiskussionen deutlich, dass es gar nicht den idealen Standort für jedes Unternehmen geben kann. München sei beispielsweise insbesondere im Medienbereich empfehlenswert, während Berlin gerade in der Startphase aufgrund niedrigerer Kosten für Büroräume und aufgrund des großen Angebots an Arbeitskräften erste Wahl sein könne. So urteilt Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG: "Die wirklich technikaffinen Mitarbeiter sind in Berlin leichter zu gewinnen als im Raum München". Man versuche daher zusammen mit Burda und ProSiebenSat1, das passende Umfeld auch für kleinere Unternehmen zu schaffen.

Monty Metzger, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ahead of Time, stellte darüber hinaus fest, dass es in Deutschland immer noch an den Gründerhelden fehle. Einen Richard Branson oder Mark Zuckerberg suche man in Deutschland immer noch vergebens – auch, weil an den Hochschulen in vielen Fällen die Skills, die man zum Gründen und Führen von Unternehmen brauche, nicht ausreichend vermittelt würden.

Gründer auf dem Weg zur "Dare-Economy"

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