Informatik als Pflichtfach | | von Thuy Linh Nguyen

Gesche Joost: Warum das Programmieren lernen so wichtig ist

Ende vergangener Woche veröffentlichte die "Berliner Morgenpost" ein Interview mit Gesche Joost, in dem es vor allem um die Einführung des Faches "Digitalkunde" an Schulen geht. Denn die Professorin für Designforschung an der Universität der Künste in Berlin sieht das Erlernen das Programmierens als Notwendigkeit, um nicht gänzlich der digitalen Welt ausgeliefert zu sein und diese dadurch auch mitgestalten zu können. Ein weiterer essentieller Grund laut Joost: Sich selbst und seine Daten im Internet schützen. Auch würde das Programmieren in alltäglichen Bereichen wie der Arbeitswelt immer wichtiger werden. So sei ein gewisses Basiswissen bereits notwendig, um beispielsweise eine Website umgestalten zu können.

Daher spricht sich die SPD-Politikerin für die Einführung von Informatik als Pflichtfach aus. Allerdings müsse in diesem Fall geklärt werden, ab welcher Klasse und in welcher Form das Fach sinnvoll wäre. Doch gehe es ohnehin nicht nur um das Programmieren, sondern vor allem darum den Schülerinnen und Schülern möglichst früh den Umgang mit Technik beizubringen. Besonders den Mädchen soll dadurch vermittelt werden, dass Informatik eigentlich Spaß mache und gar nicht so kompliziert sei. Eine umfassende digitale Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen sieht Joost als notwendig an.

Ihr Vorschlag sei daher, die Medienkompetenz oder auch Digitalkunde in alle Fächer zu integrieren. So können man den Schülern beibringen, wie digitales Recherchieren und Mediengestaltung funktioniert, wie sie mit Quellen aus dem Internet umgehen müssen. In Erdkunde könnte der Lehrern seinen Schützlingen zeigen, wie sie selbst eine Grafik erstellen können. Die seit März 2014 ernannte Internetbotschafterin der Bundesregierung ist der Meinung, Deutschland hinke was die Möglichkeiten zur Integration von Informatik im Unterricht angehe, anderen Ländern hinterher. So integriert Estland das Unterrichtsfach bereits seit zehn Jahren in seine Lehrpläne, Großbritannien nahm Informatik erst kürzlich in den Unterricht mit auf.

Für Deutschland gilt also, sich ranzuhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gab bereits den Anstoß, dass Bund und Länder gemeinsam eine digitale Lernstrategie entwickeln sollten, da es bereits jetzt viele leicht umsetzbare Lernmaterialien gibt, die frei im Netz verfügbar sind. Denn ein Umschreiben der gesamten Studienpläne sei sehr aufwendig, wenn es vor allem darum gehe ausgebildete Lehrer für Digitalkunde einzusetzen. Dort sieht Joost die Möglichkeit Externe mit den Workshops zu beauftragen, bis die Weiterbildung der Lehrkräfte soweit sei.

Ein weiterer Punkt, den die deutsche Designforscherin im Blick hat ist das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in dieser Thematik. So engagieren sich SAP und Microsoft seit Jahren mit ihren Worksops an Schulen. Dabei sieht Joost aber auch Telekommunikationsunternehmen in der Möglichkeit, sich für integrierten Informatikunterricht an Schule einzusetzen. Der Wille sei da, doch würde der Großteil der Lehrer und Eltern lieber auf das Analoge setzen, was in den Augen von Joost nicht mehr zeitgemäß sei.

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