Nico Rose | | von Nico Rose

Generation Y? Sorry, die gibt's gar nicht! Oder?

Zunächst bitte ich den geneigten Leser um Entschuldigung für diese um Aufmerksamkeit heischende Überschrift – die noch dazu Quatsch ist. Natürlich gibt es die Generation Y. Faktisch gibt es weltweit einige hundert Millionen Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, und somit zu jener Kohorte von Personen gehören, die gemeinhin als Generation Y bezeichnet werden (in der Nachfolge zur Generation X; ca. 1965-1979). Aber sind die Mitglieder dieser Geburtenjahrgänge tatsächlich so anders, wie es in der seit (gefühlt) nun drei Jahre andauernde Debatte häufig kolportiert wird?

Die Herausforderung ist: die Datenlage ist in etwa so wuselig, wie die Primark-Filiale am Kölner Neumarkt samstagsmorgens um 10:02 im Schlussverkauf. Schauen wir uns nur einmal Deutschland an – die internationale Perspektive würde nochmal ein ganz anderes Fass aufmachen: Da gab es z.B. schon mehr als zwei Jahren eine von Audi initiierte Studie: Ergebnis. Ja, die Generation Y ist anders. Aber dann doch nicht sooo doll anders. Trotzdem müsse man sich also Unternehmen auf sie einstellen, lautete damals ein Fazit. Da war die Welt noch in Ordnung – und einfach. Ich selbst habe selbst ein Stück weit zur Legendenbildung beigetragen, u.a. mit diesem Artikel in der Zeitschrift managerSeminare. In den "Leitmedien", z.B. der Zeit, tobt seit vielen Monaten eine begleitende Debatte, in der abwechselnd Gen-Y-Validierer und -Negierer, sowie Gen-Y-Gutfinder und -Schlechtfinder um die Deutungshoheit in dieser Frage ringen.

Den Gen-Y-Studien-Kaffee hatte ich dann im Sommer endgültig auf, als innerhalb von wenigen Tagen mehrere Studien mit zum Teil völlig konträren Aussagen veröffentlicht wurden. Die Beratung EY fand heraus, dass es die Mehrheit der Youngsters auf den Beamtensessel ziehe. Nur wenig später veröffentlichte McKinsey gemeinsam mit e-fellows.net eine Studie, die belegen soll, dass die (im Prinzip) gleichen Leute eigentlich doch voll auf Karriere setzen und ihnen Freizeit und Work-Life-Balance gar nicht wichtig seien. Und wenige Wochen vorher stellte eine Studie der Medienfabrik in Gütersloh fest, dass es keinen Sinn mache, die heutige Studentengeneration über einen Kamm zu scheren. Die Initiatoren erstellten auf Basis ihrer Daten vielmehr eine differenzierte Typologie von Karrieretypen, von denen einige verdächtig nach Generation Y aussehen, einige aber naturgemäß auch ganz anders.

Sollte man die vielen Studien nun einfach in die Tonne kloppen und den Deckel drauf lassen? Sollte man akzeptieren, dass es einfach wie eh und je solche und solche gibt? Sollte man das Fazit ziehen, dass die ganze Debatte einfach nur heiße Luft war? Ich hielte das für falsch. Wir sollten auf jeden Fall weiter reden über Phänomene wie "Führung auf Augenhöhe", "Work-Life-Integration" und "flexibles Arbeiten". Denn sie sind essentiell wichtig.

Wahrscheinlich haben wir in der Gen Y-Debatte – wie so häufig – Korrelation und Kausalität verwechselt. Vielleicht haben wir die Mitglieder der Generation Y als Treiber einer Veränderung gesehen, deren Zeit einfach gekommen ist? Vielleicht haben wir sie als Initiatoren einer Bewegung in Arbeitswelt und Gesellschaft erkannt, obwohl sie auch nur auf dem Beifahrersitz Platz genommen haben? Vielleicht haben viele Menschen ihren Wunsch nach Wandel auf diese Gruppe junger Menschen projiziert, weil das einfacher ist, als die gewünschten Veränderungen selbst einzufordern oder gar zu ins Rollen bringen?                

Ich lasse mich überraschen. Möglicherweise wird irgendwann in den Geschichtsbüchern stehen, dass die "sagenumwobene Generation Y" einige sehr wichtige Veränderungen in unseren Unternehmen und der Gesellschaft an sich angestoßen hat – so wie das heute über die 68er gesagt wird. Mir wird das dann vermutlich wurscht sein. Hauptsache, es ist passiert…

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Generation Y? Sorry, die gibt's gar nicht! Oder?

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(6) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht