Führung: Die unterschätzte Kraft
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Nico Rose | | von Nico Rose

Führung: Die unterschätzte Kraft

In meinen Vorträgen über Positive Psychologie schneide ich des Öfteren auch das Thema Führung an. Es gibt da ein Chart, welches regelmäßig für Lacher – aber auch Einsicht sorgt:

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Bitte beachten Sie zu dem Thema auch den Link am Ende dieses Textes.

Damit will ich keinesfalls ausdrücken, dass es keine gute Führung (oder erstklassige Führungskräfte) gäbe – ich selbst arbeite in meinem Hauptjob seit rund fünf Jahren mit einem hervorragenden Chef. Mir geht es um den folgenden Gedanken: Führung hat ein, wie ich finde, ziemlich paradoxes Imageproblem. Einerseits ist Führung der heilige Gral der Managementliteratur – da wird gerne kolportiert, es sei das höchste der Gefühle, zur Führungskraft aufzusteigen, am besten gleich bis ganz nach oben. Die Regale quellen über von solchen Titeln.

Im gelebten Alltag zeigt sich dann allerdings: Führung kommt oft nicht an. Traut man wiederkehrenden Studien wie dem "Gallup Engagement Index", dann sind in den meisten Ländern nicht mehr als 25 Prozent der Mitarbeiter mit Herzblut bei der Sache. Der Rest der Belegschaften macht Dienst nach Vorschrift oder hat bereits innerlich gekündigt. Die Schuldigen für die Misere sind zumeist auch schnell ausgemacht: "Menschen verlassen ihre Führungskraft, nicht das Unternehmen", so lautet regelmäßig ein Fazit.

Meine Überzeugung: letztlich handelt es sich (auch) um ein Wahrnehmungsproblem. Wenn Führung misslingt, wird sie bemerkt und eingehend (negativ) verarbeitet, wenn sie gedeiht, dann wird sie stillschweigend hingenommen – denn "es läuft" ja.

Meine Erfahrung als Führungskraft

Ich habe erst relativ spät begonnen, direkte Führungsverantwortung zu übernehmen, mit Ende 35. Im Grunde habe ich (mir) recht lange gesagt: "Ich will gar nicht führen." Ich habe nicht dieses klassische Gemüt, um zu sagen: "Hier bin ich, ich weiß, wo's lang geht – und jetzt folgt mir." Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich weiterhin nebenbei mit einem Teil meiner Zeit als Coach arbeite: In beratenden und begleitenden Rollen bin ich ein Stück weit näher an meinem Naturell. So ein Ansatz in der Führung passt vermutlich auch besser in unsere Zeit, aber vielerorts gibt es doch noch recht archaische Vorstellungen davon, welches Bild eine "tolle Führungskraft" abgeben sollte. 

Auch vor meiner aktuellen Rolle habe ich bereits größere Gruppen von bis zu 30 Menschen in Projekten geführt (oder sollte ich sagen: koordiniert?), zumeist in mehrstufigen Outsourcing-Konstellationen. Aber ich war nie disziplinarisch verantwortlich, wie es im HR-Jargon so schön heißt. Jetzt, da ich direkte Führungsverantwortung habe, frage ich mich natürlich ab und zu: Trage ich jetzt auch dazu bei, dass Menschen mein Unternehmen verlassen wollen? Falls dem so ist, werden sie es mir vermutlich nicht sagen – oder wenn, dann dermaßen indirekt, dass ich höllisch aufpassen muss, um es überhaupt mitzubekommen und zu verstehen.

Schon lange bevor ich ein "Mitarbeiter mit Leitungsfunktion" wurde, hatte ich unzählige Bücher zu dem Thema gelesen. Als dann klar wurde, dass ich die jetzige Rolle übernehmen würde, habe ich einiges nochmal hervorgekramt. Da gibt es dann so schöne Sachen wie "Deine ersten 100 Tage als Führungskraft" – mit einem Drei- oder Zehn-Punkte-Plan. Ich denke, es ist nützlich, so etwas durchzuarbeiten, weil es einem ein rudimentäres Gefühl von Sicherheit, ein Konzept vermittelt. Was man davon tatsächlich in den Führungsalltag retten kann, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

Meine wichtigste Einsicht, seitdem ich führe (auch wenn das für mich als Psychologen wahrlich keine neue Erkenntnis sein sollte): Paul Watzlawicks "Man kann nicht nicht kommunizieren." Wenn dem so ist, dann gilt als Führungskraft auch: Man kann nicht nicht führen. Selbst, wenn man (in bestimmten Momenten) gar nicht die Absicht hat zu führen, so tut man es faktisch doch – im Guten wie im Schlechten. Zumindest besteht immer eine große Wahrscheinlichkeit, dass etwas als Führungshandlung verstanden wird, selbst wenn es gar nicht als solche verstanden werden sollte.

Man kann sich nicht mehr verstecken, selbst wenn man es ab und zu wirklich gerne möchte. Man steht im Fokus. Eigentlich immer. Alles! Alles was wir als Führungskräfte sagen oder nicht sagen, alles was wir tun oder unterlassen, kann und wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bedeutung, eine Wirkung haben. Ob wir wollen oder nicht. Das kostet Energie, vor allem, wenn man – wie ich – tendenziell auf der introvertierten Seite zuhause ist und im Prinzip gerne "seine Ruhe hat".

Wie nehmen Sie die Führungsqualitäten Ihrer Vorgesetzten wahr?

Weil mich das "Phänomen Führung" derzeit so umtreibt, habe ich beschlossen, es noch besser verstehen zu wollen. Aus diesem Grund habe ich eine Studie aufgesetzt. Wenn wir über Führung nachdenken, fallen uns meist "große Namen und große Geschichten" ein: Visionäre Firmenlenker, die ein Unternehmen aufbauen oder vor dem sicheren Untergang bewahren, Trainer, die eine Sportmannschaft zu außergewöhnlichen Erfolgen führen, oder auch Politiker, die ihr Land mit großem Geschick durch unsicheres Fahrwasser leiten. Was darüber manchmal ein wenig verloren geht, ist der Blick auf alltägliche Führung: jene Abermillionen Team- und Abteilungsleiter (so wie ich einer bin), die am Ende des Tages das Bindeglied zwischen den großen Kapitänen (m/w) und ihren Mannschaften darstellen. Diese Menschen sind es, die letztlich die "Visionen herunterbrechen" müssen, um daraus konkrete Aufgaben und Ziele abzuleiten. Sie sind es, die "die Leute mitnehmen" müssen.

Im Rahmen meiner Studie möchte ich besser verstehen, wie das gelingen kann: Gute, alltägliche Führung, direkt "am Mann" (und natürlich der Frau). Falls Sie sieben bis acht Minuten Ihrer Zeit erübrigen können, würden ich mich freuen, wenn Sie mitmachen. Teilnehmen kann jeder, der derzeit:

  • einer bezahlten Arbeit nachgeht (egal ob Vollzeit- oder Teilzeit);
  • und in dieser Rolle von jemandem geführt wird.

Das heißt, Freiberufler, Selbständige und Firmeninhaber, die selbst nicht (mehr) geführt werden, können leider nicht teilnehmen. Unter allen Teilnehmenden werden 10 Amazon-Gutschein à 20€ verlost. Zur Studie gelangen Sie über diesen Link: https://de.surveymonkey.com/r/fuehrungsstudie.

Herzlichen Dank!

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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