Nico Rose | | von Nico Rose

Führen wie ein Honigkuchenpferd

Denken Sie bitte einmal für einen Moment über einen Chef (m/w) nach, für die Sie richtig gerne gearbeitet haben. Wie lässt sich diese Person beschreiben, welche Persönlichkeit hat sie vermittelt? War sie eher ein Miesepeter oder doch eher Typ Strahlemann? Wenn es Ihnen so wie mir geht, arbeiten Sie vermutlich lieber für gut gelaunte Menschen.

Doch möglicherweise geht an dieser Stelle um viel mehr als nur Sympathie. Eine druckfrische psychologische Studie zeigt, dass (meistens) positiv gestimmte Führungskräfte auch die besseren Chefs sind.

Mittels einer Metaanalyse,*die in der Zeitschrift "The Leadership Quarterly" veröffentlicht wurde, konnten die Professorin Dana L. Joseph von der University of Central Florida und ihre Kollegen zeigen, dass – vereinfacht gesagt – Führungskräfte, die ein hohes Maß an positiven Emotionen an den Tag legen, auch die effektiveren Leitungspersonen sind. In den Worten von Joseph und Kollegen:

"Our analyses show that leader trait affectivity, particularly leader trait positive affect, plays a significant role in predicting leadership criteria."

Glückliche Chefs führen anders

Interessanterweise können die Forscher auch nachweisen, dass dieser Effekt nur zu einem geringen Teil auf der guten Laune an sich beruht. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Honigkuchenpferde unter den Chefs im Mittel ein anderes Führungsverhalten an den Tag legen – was ihnen wiederum zu einem besseren Führungsergebnis gereicht. Konkret neigen positiv gestimmte Chefs zu einem Bündel von Verhaltensweisen, das als transformationale Führung bezeichnet wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Führungstechniken ("Command & Control", "Management by Objectives" etc.), zeichnet sich transformationale Führung durch die folgenden Merkmale aus:

  • Idealized Influence: die Führungskraft tritt selbstbewusst und vorbildhaft auf, wird dafür von den Mitarbeitern geachtet und geschätzt;
  • Inspirational Motivation: die Führungskraft motiviert die Mitarbeiter durch attraktive Sinnangebote und zeigt den Weg in eine wünschenswerte Zukunft auf;
  • Intellectual Stimulation: die Führungskraft hinterfragt häufig den Status Quo und regt so die Neugier und Kreativität der Mitarbeiter an;
  • Individualized Consideration: die Führungskraft geht immer wieder auch auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter ein, versteht sich als in dieser Funktion als Mentor oder Coach.

Klingt das wie ein Chef, für die sie gerne arbeiten würden? Meine Antwort lautet auf jeden Fall: ja! Und es beginnt offenbar mit den positiven Emotionen dieser Person.

Was aber können Sie tun, wenn Sie als Führungskraft selbst eher zur Familie der Grantigen gehören? 

Katzenvideos als Stimmungsaufheller?

Zunächst einmal: wenn Ihnen Ihre Mitmenschen bisweilen mitteilen, dass Sie nicht gerade ein Sonnenscheinchen sind, dann sind Sie zum Teil entschuldigt. Wie wir an den meisten Tagen gelaunt sind (im Mittel), wird zu einem nicht unwesentlichen Teil von unseren Genen mitbestimmt. In Zwillings- und Adoptionsstudien konnte gezeigt werden, dass unser subjektives Wohlbefinden fast so etwas wie eine Charaktereigenschaft ist, das heißt, zeitstabil und auch nur schwer zu ändern.

Nichtsdestotrotz empfehle ich gerade Führungskräften, im Job ganz bewusst Emotionsmanagement zu betreiben, sich also anlassbezogen in positive Stimmung zu versetzen. Ein schier unerschöpfliches Reservoir hierfür bietet die Videoplattform Youtube. Ob es nun ein lustig-süßes Tiervideo, eine Flachwitz-Challenge, oder doch ein heiterer Ausschnitt aus einem Lieblingsfilm ist: es lohnt sich, die fünf Minuten, die man häufig nur zwischen zwei Meetings hat, in die Verbesserung der eigenen Laune zu investieren. In jedem Fall ist es nützlicher und gesünder, als die Zigarette oder der siebte Kaffee. Positive Gefühle sind ansteckend. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen.

*Eine Meta-Analyse ist eine spezielle Studienart, die statistisch die Ergebnisse früherer Forschungsarbeiten zu einem Themenfeld aggregiert und somit eine vereinheitlichte, recht valide Aussage zu einem Themenfeld machen kann.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet.Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

Führen wie ein Honigkuchenpferd

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