Eye-Tracking | | von Annette Mattgey

Frauen nehmen Stellenanzeigen zu ernst

Frauen lesen Stellenanzeigen aufmerksamer als Männer - allerdings nicht zu ihrem Vorteil. Sie nehmen Anforderungsprofile ernster und lassen sich daher leichter abschrecken von einer Bewerbung. Das zeigt die aktuelle Eye-Tracking-Studie von Jobware in Kooperation mit Useye. Frauen beschäftigen sich weitaus intensiver als Männer mit dem Anforderungsprofil (2,34 Sekunden) von Stellenanzeigen in der Erstkontaktphase (5 Sekunden) als Männer. Diese schauten im Durchschnitt schon nach 1,17 Sekunden weg.

Dass Frauen akribisch Stellenprofile vergleichen, während Männer eine schnelle und selbstbewusste Auswahl treffen, bestätigte sich auch im Klickverhalten auf eine typische Job-Trefferliste. 19 Jobs klickten die Bewerberinnen im Durchschnitt an und verglichen sie miteinander. Dahingegen hatten sich Männer schon nach 13 Betrachtungen für einen Job entschieden.

Zudem lassen sich Frauen stark von einer eher „männlichen Wortwahl” in Stellenanzeigen beeinflussen. So steht zu vermuten, dass sich Frauen auf Jobs seltener bewerben, die typisch „männliche” Jobbezeichnungen wie „Senior Manager (m/w)” haben. Die Bezeichnung „m/w” ist anscheinend nicht geeignet, den „männlichen” Eindruck, den der Begriff „Senior Manager” auf Frauen ausübt, zu revidieren. Eine mögliche Folge: Frauen lassen sich durch solche Titel abschrecken.

Die Studie zeigt: Frauen setzen sich bei der Lektüre von Stellenanzeigen weitaus kritischer mit den Anforderungen an die eigenen Fähigkeiten auseinander. Und sie weichen Stellentiteln aus, die besonders männlich, respekteinflößend oder antiquiert wirken. Umgekehrt überschätzen Männer gerne ihre eigenen Fähigkeiten. Ihnen fällt es deutlich leichter, Anforderungen, die sie nicht erfüllen, auszublenden und schnelle Entscheidungen zu treffen. „Wer hoch qualifizierte Frauen gewinnen will, sollte die Stellenanzeigen sorgfältig formulieren”, rät Wolfgang Achilles, Geschäftsführer Jobware. „Recruiter sollten deutlich machen, welche Anforderungen optional sind, und sich den Jobtitel genau überlegen.”

Auch in anderen Belangen kann die Eye-Tracking-Studie nützliche Hinweise geben: Zweispaltige Anordnungen von Aufgaben und Anforderungen im
ausgeschriebenen Job werden häufiger betrachtet und besser im Gedächtnis gespeichert. Aufzählungen dürfen nicht zu lang sein, schon nach dem dritten Punkt lässt die Konzentration nach. Starke Kontraste, gut platziertes Logo und der Unternehmensname im sichtbaren Bereich: Das sind weitere Tipps, die sich aus der Studie ergeben. 

Verweilen Bewerber lange auf einem Textelement, kehren sie immer wieder dorthin zurück oder betrachten sie es anderenfalls nur flüchtig, so weist dies häufig auf ein Verständnisproblem hin. Ins Grübeln bringen die Leser vor allem Anglizismen und Begriffe, die nicht allgemein verständlich sind, sondern aus dem Firmenjargon stammen.

Querlesen ist die Strategie der meisten Jobsuchenden, insbesondere bei Berufserfahrenen und Ingenieuren. Sie sollten mit kleinen Häppchen, mit aussagekräftigen Bildern und Hervorhebungen auf die wichtigsten Informationen gelenkt werden. Obwohl die Probanden alle auf Stellensuche und somit hoch motiviert und interessiert waren, können sie sich nicht alles merken, was ihnen vor Augen flimmert: So waren nur 23 Prozent der Ingenieure in der Lage, das Unternehmen zu benennen. Ähnlich schlecht schnitten die drei anderen Berufsgruppen ab. Nur 39 Prozent der BWL‘er, 27 Prozent der IT‘ler sowie 23 Prozent aller anderen Probanden merkten sich den Unternehmensnamen.

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