Jobsuche 2.0 | | von Annette Mattgey

Falk Hedemann: Rekordzugriffe für sein Stellengesuch

Zur Selbstvermarktung tragen heute ganz wesentlich Social Media-Kanäle bei. Besonders eifrig sind diejenigen, die selbst in dem Bereich arbeiten und nach neuen Herausforderungen suchen. In diesem Jahr gingen etwa t3n-Autor Falk Hedemann, Punktefrau Christine Heller, BVDW-Sprecher Mike Schnoor und Nico Lumma, COO für Digital Pioneers, mit ihrer Jobsuche in die Social Media-Offensive. In loser Folge berichten sie exklusiv für LEAD digital über ihre Erfahrungen.

Heute ist der Journalist und Social Media-Berater Falk Hedemann im LEAD digital-Interview:

Erst mal die Frage: Warum steht für Sie jetzt ein Jobwechsel an?

Zum Thema Jobsuche 2.0 gehören für mich auch die Rahmenbedingungen unserer heutigen Arbeitswelt, beispielsweise die Bereitschaft zum Jobwechsel. War es früher eher die Regel, dass man einen festen Arbeitsplatz nur selten aufgab, so hat sich das heute grundlegend geändert. Zwar hängt das auch sehr von der Branche ab, doch für das Ökosystem Internet hat sich die Wechselbereitschaft schon sehr etabliert. Gerade wenn es um kreative Tätigkeiten geht, halte ich persönlich das auch für sehr sinnvoll.

Journalistisches Schreiben gehört für mich definitiv zu den kreativen Tätigkeiten und so stellte sich für mich nach fünf Jahren beim t3n Magazin die Frage, ob ich dort meine Kreativität und meinen Wissensdrang voll ausschöpfen kann. Als Ressortleiter Social Media und Stellvertretender Redaktionsleiter Online ist man naturgemäß auch mit organisatorischen Aufgaben beschäftigt, so dass mir im Laufe der Jahre immer weniger Zeit für eigene Artikel blieb. Das ist auch gar nicht negativ gemeint – die Arbeit mit jungen Redakteuren und die Mitarbeit an der thematischen Ausrichtung sind sehr schöne Aufgaben, die mir sehr viel Spaß gemacht haben. Doch nach fünf Jahren wiederholt sich vieles, anderes gerät dafür etwas ins Hintertreffen.

Das ist aber nur einer von zwei Gründen. Der zweite Grund liegt in meinem Themenfokus Social Media. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich nun schon mit der digitalen Kommunikation im Internet und lebe das Social Web selbst recht intensiv. Dabei stoße ich immer wieder auf sehr interessante Themen, die mal für die Seite der Nutzer und mal für die Seite der Unternehmen wichtig sind. Gerade von den Unternehmen und deren Agenturen habe ich in den letzten Monaten vermehrt Feedback und Anfragen bekommen. Das waren mal konkrete Fragen zu Problemstellungen oder auch Anfragen für Mitarbeit in bestimmten Projekten. Auf der Agenda  hatte ich das ja schon länger, doch mir fehlte einfach die Zeit. Nach einem 8-Stunden-Tag war meine Kreativität schlicht aufgebraucht.

Ich finde Social-Media-Projekte aber sehr, sehr spannend, so blieb mir nur die Aufgabe meiner Tätigkeit bei t3n. Aus vielen Gesprächen auf Konferenzen, im Social Web oder am Telefon weiß ich, dass eine journalistische Sichtweise eine Social-Web-Präsenz sehr positiv beeinflussen kann. Ich spüre da gerade in Deutschland eine Aufbruchstimmung und eine entsprechende Lücke, die ich gerne füllen möchte. Nachdem die Frage entschieden ist, ob ein Unternehmen im Social Web präsent sein muss, geht es im nächsten Schritt um die Optimierung der Auftritte. Hier gibt es beispielsweise im Bereich der Content Strategie noch sehr viel Potenzial. Beispiele wie das von Coca-Cola sind leider bislang die große Ausnahme.

Warum ausschließlich Social Media?

Für mich war der Einsatz von Social Media schlicht logisch. Ich beschäftige mich seit Jahren mit diesem Thema und lebe es auch entsprechend. Was liegt da näher, als meine sorgsam und mit viel Ausdauer aufgebauten Kanäle für die Jobsuche zu nutzen?

Dazu kommt bei mir auch noch der Umstand, dass ich keine Festanstellung anstrebe und neben den Social Media Projekten auch gerne weiterhin journalistisch tätig sein möchte. Das kann man in einem Blogpost wunderbar erklären, doch wie hätte das in ein klassisches Stellengesuch gepasst?

Wie stark hat Ihr Netzwerk für weitere Verbreitung gesorgt?

Ich war schon froh, dass mein Blog den Tag der Verkündung des Neustarts ohne nennenswerte Probleme überstanden hat. Ich habe den Post bei Facebook, Twitter  und Google+  verteilt, und allein meine eigene Reichweite von über 10.000 Personen in allen drei Netzwerken hat für eine große Resonanz gesorgt. Über die Retweets und Shares entstand dann eine noch größere zweite Welle, so dass mein Blog einen Traffic-Rekord hinlegte, den ich wohl nie wieder erreichen werde. Genaue Zahlen verrate ich nicht, aber die Besucherzahl konnte locker mit einigen meiner gutbesuchten über 3.000 t3n-Artikel  mithalten.

Interessant fand ich zudem, dass sich meine eigene Reichweite in den ersten Tagen der Neustart-Ankündigung nochmals deutlich erhöht hat. Neue Twitter-Follower, Facebook-Freunde, Kontakte bei Google+, und auch über die Businessnetzwerke Xing und LinkedIn kamen neue Kontakte zustande. Eine gewisse Resonanz hatte ich zwar erwartet – sonst hätte es auch keinen Sinn gemacht – aber nicht diese Vielzahl. Etwas überraschend fand ich auch die Zahl der Angebote von mir bislang unbekannten Personen, die mir plötzlich eine Nachricht schrieben.

Besonders gefreut habe ich mich über die Art der Reaktionen aus meinem Netzwerk. Nicht einer hat meinen Plan nicht verstanden oder meinen Plan kritisiert. Dabei bin ich ja doch aus meiner Komfortzone ausgebrochen und habe eine tolle Stellung aufgegeben. Kommentare wie: „Viel Erfolg, das klingt alles sehr gut und richtig“ haben mich in meinem Handeln nachhaltig bestärkt.

Wo stehen Sie derzeit?

Seit der Ankündigung sind nun einige Wochen vergangen und ich hatte bereits meinen letzten offiziellen Arbeitstag bei t3n. Verändert hat sich einiges, aber doch nicht alles. Meine To-Do-Liste ist noch randvoll mit kleinen und größeren Dingen, die ich nun in den nächsten Tagen abarbeiten werde. Danach rufen auch schon die nächsten Projekte.

Eine Herzensangelegenheit ist für mich die Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland, die nach einer ersten umfangreichen Besprechung noch konkretisiert werden muss. Dazu kommt noch ein Projekt im Bereich Corporate Communication und eine Beschäftigung als freier Redakteur für ein Printmagazin. Auch ein Workshop zum Thema „Bloggen/Corporate Blogs“ wartet in den nächsten Wochen auf mich. Was mir noch fehlt, ist ein Verlag für das Social-Media-Buch, das ich gerne in den nächsten Monaten schreiben würde.

Ich langweile mich also nicht gerade, habe aber auch noch freie Kapazitäten. Das ermöglicht mir dann auch die Teilnahme an der Re:publica 2013 Anfang Mai in Berlin. Dort werde ich sicherlich auch noch das eine oder andere Gespräch führen.

Hat sich Ihrer Meinung nach diese Art der Jobsuche bewährt?

Ja, definitiv! Für mich war das so perfekt und ich würde es jederzeit wieder machen. Allerdings kann man das nun nicht auf alle Jobsuchen übertragen, denn die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

IhreTipps für die Jobsuche 2.0:

Wer Social Media für die Jobsuche nutzen möchte, sollte früh an den Aufbau des eigenen Netzwerks denken.

Ein eigenes Blog ist ideal als Plattform für das Jobgesuch.

Im Blogbeitrag sollte stehen, warum man eine neue Stelle sucht und was genau man sucht. Natürlich sollten auch die eigenen Fähigkeiten überzeugend dargestellt werden.

Der Grundtenor sollte positiv sein. Kein Unternehmen wünscht sich frustrierte Mitarbeiter, die über den Ex-Arbeitgeber herziehen.

Auf eine lesbare Länge achten und Romane vermeiden.

Fehlt eine ausreichende Reichweite, so können virale Elemente wie ein gut gemachtes Bewerbungsvideo oder ein ausgefallenes Design für eine gute Verbreitung sorgen.

Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit meiner Jobsuche 2.0 und habe keinerlei negative Aspekte erfahren. Natürlich muss das nicht die Regel sein – auch auf Kritik sollten man sich einstellen und angemessen reagieren. Für die Zukunft bin ich sehr gespannt, wie sich dieses Thema weiter entwickelt und wohin es mich persönlich noch bringt.

Falk Hedemann ist freiberuflicher Journalist und Social Media Consultant. Seit 2008 arbeitete er als Online-Redakteur beim t3n Magazin, zuletzt als stellvertretender Redaktionsleiter Online und Ressortleiter Social Media. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Social Media, Social Web, Startups, Netzwelten und vernetztes Arbeiten.

Die erste Folge der LEAD digital-Serie zur Jobsuche 2.0 hat Nico Lumma bestritten. Lesen Sie hier, warum er sich manchmal schwer vermittelbar vorkommt.

Falk Hedemann: Rekordzugriffe für sein Stellengesuch

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