Recruiting | | von Annette Mattgey

Entlarvendes Experiment: Personaler diskriminieren ausländische Bewerber

Bereits bei der Frage, welcher Bewerber zum Job-Interview eingeladen wird, spielen die Facebook-Profile eine Rolle. Und im Zweifel bekommt der inländische Bewerber den Vorzug. Das bestätigt ein Experiment französischer Wissenschaftler. Matthieu Manant, Serge Pajak und Nicolas Soulié stellten ihre Ergebnisse dieser Tage bei der Konferenz der European Economic Association in Mannheim vor. Über ein Jahr lang testeten die jungen Wissenschaftler, wie Unternehmen aus der Region Paris auf ihre Bewerbungen und ihr Facebook-Profil reagieren.

Dazu gestalteten sie zwei fiktive Bewerber-Profile. Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse sind identisch, nur eine Kleinigkeit unterscheidet sie. Der Geburtsort des einen - ersichtlich nur aus den Facebook-Daten - ist Marokko. Der "Standard"-Kandidat wurde in 21,3 Prozent der Fälle zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Der "Minderheiten"-Kandidat erhielt nur von 13,4 Prozent der Unternehmen die Chance auf ein persönliches Kennenlernen. 

Im Laufe des Jahres änderte Facebook seine Profilseiten. Der Herkunftsort erschien nicht mehr auf den ersten Blick, sondern lag auf einer Unterseite, die nur über den Klick auf den entsprechenden Reiter sichtbar ist. Daraufhin schrumpfte der Abstand zwischen den beiden Kandidaten - sie erhalten nun in etwa gleich viele Einladungen.

Das Experiment zeigt, dass sich Personaler schon sehr früh im Bewerbungsprozess mit den sozialen Netzwerken beschäftigen und dass sie allerdings bei ihren Recherchen kaum über die erste Seite hinausgehen. 

Den Job-Kandidaten sollte bewusst sein, dass ihre Facebook-Präsenz als Teil der Bewerbungsunterlagen angesehen wird und sich dementsprechend sorgfältig darauf vorbereiten. Als Lösungen schlagen die Wissenschaftler verschiedene Wege vor: sein Profil komplett sperren, es während Bewerbungsphasen "reinigen", mehrere Profile anlegen (eines öffentlich auffindbar, eines privat) bis hin zum Einsatz eines Avatars.

Entlarvendes Experiment: Personaler diskriminieren ausländische Bewerber

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