Svenja Teichmann | | von Svenja Teichmann

Ein Chief Digital Officer ist zu wenig

Die Digitalisierung ist nicht mehr nur ein Thema in der digitalen Blase sondern mittlerweile auch in der Old Economy angekommen. Das beweist die steigende Berichterstattung in Medien wie Handelsblatt & Co. - auch auf der diesjährigen Cebit war die Digitalisierung eines der Kernthemen - insbesondere für den Mittelstand. Die wichtigste Frage dahinter: Wie werden wir überlegen und wo fangen wir an?

Die aktuell erschienene Studie "Survival through Digital Leadership" von Heads! und Deloitte Digital hat sich dem Thema ebenfalls angenommen und präsentiert Lösungsansätze für das Überleben:

4 Phasen der Digitalen Transformation

Beschrieben wird die Digitale Transformation als Prozess, in dem es für Unternehmen hilfreich ist, sich folgende Fragen zu stellen und daraus ableitend die nächsten Schritte zu definieren.

  1. Bewusstsein: Wo steht meine eigene Industrie? (Wie stark wird meine Branche von disruptiven Entwicklungen angegriffen?)
  2. Realisierung: Welche Bedrohungen entstehen durch die Digitalisierung für mein Geschäftsmodell?
  3. Transformation: Ist die Organisation imstande die Transformation erfolgreich zu durchlaufen?
  4. Ständige Innovation: Wie können wir ständige Veränderung und Innovation gewährleisten?

Die wichtigste Erkenntnis sollte meines Erachtens in der Fragestellung Nr. 4 liegen mit Betonung auf ständig. Der Begriff der Transformation ist auf Dauer auch nicht der geeignetste, denn es wird suggeriert, dass nach erfolgreichem Durchlaufen der Prozess abgeschlossen ist. Alain Veuve schreibt in seinem Blog „Warum wir den Begriff der Transformation ersetzen müssen“.

Da liegt für mich der Kernerfolgsfaktor für Unternehmen in der Digitalisierung. Es werden die Unternehmen überleben und dauerhaft erfolgreich sein, die es schaffen ihre Organisation und Mitarbeiter, dahin zu entwickeln sich permanent zu hinterfragen und an den Bedingungen des Marktes auszurichten. Kurzum: Agilität mit einer ordentlichen Portion Innovationsfähigkeit. Das hört sich erstmal simpel an.

Neue Arbeitsweisen und Management Tools, individuelle Anwendung

Die Herausforderung liegt darin, dass es noch keinen Masterplan für dieses Vorgehen gibt. Sicherlich helfen erste Ansätze wie Lean-Startup zur  Erabeitung von Businessmodellen oder Design Thinking mit Rapid Prototyping als agile Arbeitsweise für die Innovationsfindung. Und eine SWOT-Analyse ist sicherlich auch nie verkehrt.

Doch diese Ansätze, Studien und Best Practices suggerieren Unternehmenslenkern ebenfalls, dass es einen 10-Punkte-Plan gibt, den man nur befolgen muss. Dass sich aber jedes Unternehmen dieses Vorgehen erarbeiten muss anhand von unbekannten Arbeitsweisen, das ist mit die größte Herausforderung.

WHO - Ist ein Chief Digital Officer (CDO) die Lösung aller Fragen?

Die Studie von Head! und Deloite Digital macht deutlich, wie wichtig es ist, jemanden in der Unternehmungsführung zu haben oder zu etablieren, der die Digitalisierung verantwortet und vorantreibt. Nichtsdestotrotz ist eine gewisse digitale Reife zunehmend von allen Unternehmenslenkern zu erwarten. Zu seinen Fähigkeiten und Aufgaben gehörten u.a. traditionelle Silos einreißen und neue Strukturen zu etablieren, alles Gegebene (Strategie, Prozesse) zu hinterfragen, Neuausrichtung des Führungsverständnisses der internen Stakeholder uvm.

Es ist sicherlich wichtig, hier einen Top-down Ansatz zu verfolgen, aber dieser ist nur eine Seite der Medaille. Ich beobachte, dass in vielen Unternehmen die Digitalisierung mit Fokus auf IT-Prozesse gesehen wird, dabei wird der Faktor Mensch (=Mitarbeiter) kaum beachtet. In der Studie werden die wichtigsten Fragen aufgeworfen und auch das Tätigkeitsfeld eines CDO weiter thematisiert. Der Erfolg eines CDOs wird allerdings nicht nur davon abhängig sein, ob er ausreichend Präsenz im Vorstand und Aufsichtsrat hat, was als Erfolgsfaktor genannt wird.

Digital Leadership  - Der „Erfolgsfaktor“ Mensch im digitalen Wandel

Der Einfluss der Digitalisierung auf Zusammenarbeit und Führung ist ein noch viel zu wenig thematisierter Erfolgsfaktor, aber eng mit dem Erfolg der Digitalisierung von Unternehmen verknüpft. Wir leben und arbeiten schneller und transparenter; wir lassen mehr Nähe zu, sind veränderungsbereiter und agiler. Sogar Fehler machen ist toleriert oder sogar erwünscht. Alle merken, dass die alten Erfolgsprinzipien wie Hierarchie und Linienorganisation nicht mehr funktionieren und sind unsicher, wie es weitergeht.

Das ist eine besondere Herausforderung an die Chefs,  die Anforderungen an die Führungskräfte in einer digitalen Welt sind immens. Diese neue Führungskultur wird heute vielfach unterschätzt und in Unternehmen zu wenig gefördert. Die Unternehmen, die begreifen, dass die eigene digitale Transformation von den Menschen im Unternehmen abhängig ist und genau darin investieren, werden zukünftig erfolgreicher sein. Agilität und Innovation muss Teil der DNA eines jeden Unternehmens werden. Das etablieren von angedockten Innovationsteams und Inkubatoren kann da nur ein erster Schritt sein, denn das Abenteuer Digitalisierung geht gerade erst los!

Weiterführender Lese-Tipp zum Thema Arbeit im Wandel und Arbeit der Zukunft:
Homo Digitalis: Vernetzt, flexibel, mobil – so geht Arbeit heute

Svenja Teichmann ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

 

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