Nico Rose | | von Nico Rose

Du bist, was Du trägst: Wie die Kleidung uns beeinflusst

Es heißt, Kleider machen Leute. Unsere Alltagserfahrung wie auch die Wissenschaft sagen uns, dass wir ein und derselben Person unterschiedliche Eigenschaften zuschreiben in Abhängigkeit von ihrer Kleidung (bzw. dem Aussehen allgemein, also auch Haarschnitt etc.). In einer Studie konnte beispielweise gezeigt werden, dass Menschen Frauen umso mehr Management-Fähigkeiten zuschreiben, je maskuliner deren Kleidungsstil ist. In einer ähnlichen Studie fand man heraus, dass Kleidung die Einstellungschancen in einem Jobinterview massiv beeinflussen kann. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen sich professionelle Unterstützung bei Farb- und Stilberatern suchen, um sich im Job besser in Szene setzen zu können.

Weitaus überraschender ist hingegen die Tatsache, dass Kleidung auch unsere Selbst-Wahrnehmung beeinflusst, möglicherweise sogar die Art und Weise, wie wir denken. In einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2012 („Enclothed Cognition“) konnten die Forscher Hajo Adam und Adam Galinsky in einer Reihe von Experimenten demonstrieren, dass Menschen aufmerksamer sind, wenn sie einen Laborkittel tragen. Sie finden dann mehr bzw. schneller Fehler in Suchbildern. Der Effekt wurde sogar noch stärker, wenn das Kleidungsstück explizit als Arztkittel tituliert wurde. Interessanterweise reichte es nicht, den Arztkittel einfach nur zu sehen – es handelt sich also nicht um einen einfachen psychologischen Priming-Effekt. Die Wirkung stellte sich erst ein, wenn die Arbeitskleidung auch tatsächlich übergezogen wurde. Nur in dieser Kombination wurden offenbar jene Stereotypen über Ärzte aktiviert (z.B. Intelligenz, hohe Wahrnehmungsfähigkeit), die dazu führten, dass die kognitive Leistung tatsächlich spürbar anstieg.

Hat diese Untersuchung auch Implikation für die Business-Welt? Vielleicht ja. Dieser Forschungszweig ist noch recht jung und es gibt bisher wenig empirische Evidenz. Sollte sich die derzeitige Datenlage jedoch in Zukunft erhärten, so könnten Firmen das Thema Dresscode noch einmal ganz grundsätzlich überdenken. Ich bin nicht sicher, wofür dunkelblaue Anzüge und Streifenkrawatten stehen oder schwarze Hose und weiße Bluse – Kreativität und Innovationsfähigkeit sind es aber vermutlich nicht.

Nico Rose  ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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