Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Drama-Queens aufgepasst: Ihr könnt auch lachen

In den letzten Tagen wurde abwechselnd geschrien und geweint. Richard Gutjahr hat damit angefagen. In einem Interview mit der Überschrift "Ich könnte schreien" malte der Netzjournalist Journalisten eine rosarote Zukunft aus. Nur den Besten der Besten, eh klar, die einen großen Namen tragen. Gutjahr spricht da auch von sich selbst: "Das Produkt, das wird mir jetzt immer mehr bewusst, bin ich."

Medienmarken dagegen müssten sich warm anziehen. Schließlich droht ihnen auch als Verbreitungsplattform seitens Facebook Ungemach. Menschen würden ihm nicht folgen, weil er der beste Filmemacher  oder Schreiber auf der Welt sei - es läge vielmehr an seiner Person selbst. "Ich bin für sie als Person eine interessante Bezugsgröße und deshalb lassen sie sich gerne von mir auf ein Thema stoßen, das sie sonst nicht wahrgenommen hätten."

Gutjahr schrie das so in die Welt hinaus - worauf Christian Faltin, Geschäftsführer Cocodibu, prompt in Tränen ausbrach. Zumindest fast. "Ich könnte weinen", hieß sein Konter, in dem er die Weltöffentlichkeit warnte: "Liebe Journalisten, liebe Blogger, liebe Web-Publizisten, die Ihr überlegt, Euch als Marke und Ich AG in naher Zukunft aus bestehenden Arbeitsverträgen mit diesen langweiligen "klassischen" Medienhäusern zu lösen: Überlegt es Euch gut! Denn 98 Prozent von Euch würden diesen Schritt wirtschaftlich sehr bedauern."

Schreien, weinen, bedauern zu 98 Prozent? Ihr lieben Drama-Queens der Welt: Wie wäre es mal mit einem hundertprozentigen echten Lachen? Lächeln? Schmunzeln, wenigstens?

Etwa über die Adblocker, die den Bemühungen der Werbungtreibenden einen Strich durch die Rechnung machen. Wie der Online-Vermarkterkreis im BVDW diese Woche vermeldet hat, werden auf durchschnittlich 21,49 Prozent der Page-Impressions Online-Werbung geblockt. Diese Adblocker-Rate will man nun in regelmäßigen Abständen ausweisen. Mittlerweile entstehen immer mehr Startups, die wiederum die Adblocker in ihrem Vorhaben abblocken wollen. Dazu gehört etwa Pagefair: Eine Software, die die Herkunft der Ads tarnen, verschlüsseln oder es auf andere Weise hart für Adblocker machen, klassische Banner-Ads bis nervige Popups mundtot zu machen. Die Redaktion des Wall Street Journal mokiert sich über diese Praxis als Katz und Maus-Spiel. Recht hat sie.

Zu schmunzeln gab es dann beim Interview mit Angela Merkel: geführt von Florian Mundt, der sich den YouTube-Künstlernamen LeFloid verpasst hat. LeFloid stellte vielleicht nicht genug investigative Fragen und kam etwas unerfahren rüber. Manche wollten da schon wieder heulen und taten es auch. Schluss mit den Tränen, denn ist es nicht vermessen Le Floid mit der journalistischen Messlatte zu messen, womöglich noch mit den Besten der Besten zu vergleichen?  Digital Leaderin Christina Hütten schreibt in einem Beitrag für LEAD digital: "Es geht nicht darum, wie die Generation Ü40 das Interview bewertet." Doch habe er den Sorgen und Fragen der Jugend eine Plattform gegeben. "Damit erreicht er das, was den Medien schon seit Jahren nicht mehr gelingt."

Die machen heute ihre eigenen Medien, werden somit zur Medienmarke. Irgendwie hat Richard Gutjahr also doch recht. Tavi Gevinson zum Beispiel hat schon als Elfjährige ihren eigenen Modeblog thestylerookie.com ins Netz gestellt. Ein paar Jahre später schob sie rookie.com nach, ein  Onlinemagazin von Teenagern für Teenager. Zu den Gastautoren zählen unter anderem Lena Dunham ("Girls") oder Jon Hamm ("Mad Men"). 2014 wählte sie das "Time Magazine" unter die 25 einflussreichsten Teenager. Kosmetikmarke Clinique hat sich Gevinson nun als Testimonial für die neue internationale Online- und Printkampagne "Face Forward" geschnappt. Dort ist die heute 19-Jährige zu sehen, wie sie mit ihrer babyglatten Haut für die Pflegeprodukte von Clinique wirbt. Wie bitte?! Pflege für noch fast unverbrauchte Teenagerhaut? Manche mögen das zum Lachen finden. Ein gutes Influencer-Marketing ist es allemal.

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