Ana-Cristina Grohnert, EY, plädiert für einen Paradigmenwechel.
Ana-Cristina Grohnert, EY, plädiert für einen Paradigmenwechel. © Foto:EY

EY | | von Annette Mattgey

Diversity-Studie: Warum bunt besser ist

"Zwei Drittel der Unternehmen haben mit Diversity-Maßnahmen noch gar nicht angefangen!", sagt Ana-Cristina Grohnert, Vorstandsvorsitzende des Vereins Charta der Vielfalt und Personalchefin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Dabei ist sich zugleich eine große Mehrheit von 65 Prozent der Tatsache bewusst, dass die Einbindung unterschiedlicher Lebensmodelle, kultureller Perspektiven und Erfahrungen dem eigenen Unternehmen Vorteile bringt. Und drei Viertel der Unternehmen erkennen, dass eine vielfältig zusammengesetzte Belegschaft die Offenheit und Lernfähigkeit, und damit auch die Zukunftsfähigkeit sicherstellt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von EY in Zusammenarbeit mit dem Verein Charta der Vielfalt.

Infobox: Diversity Management

Diversity Management entstand in den 90er Jahren in den USA als Reaktion auf den demografischen Wandel der Gesellschaft. Die Ausgrenzung oder Benachteiligung in der Arbeitswelt aufgrund des Alters, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der sexuellen Orientierung und Identität oder einer Behinderung sollten abgebaut werden. In der Praxis der Unternehmen stehen beim Diversity Management die Förderung von Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Flexibilisierung der Arbeitsmöglichkeiten im Vordergrund. Das strategische Ziel liegt jedoch in einem umfassenden Kulturwandel. Diversity Management strebt eine offene, vielfältige und an Wertschätzung orientierte Arbeitswelt an, die jedem Individuum vollständige Teilnahme am Wertschöpfungsprozess ermöglich.

"Bei Diversity geht es für die meisten Organisationen um einen Kulturwandel, um einen Paradigmenwechsel bezogen auf die Art und Weise der Zusammenarbeit", erklärt Grohnert und vergleicht das Thema mit einem anderen: der Digitalisierung. "Digitalisierung mag eine wichtige technische Veränderung sein, aber die Diversifizierung im Denken ist als Grundlage viel wichtiger. Vielfalt im Denken ist die Basis dafür, diese Digitalisierungswelle, und auch den folgenden Innovationszyklus – vielleicht aus der Bio- und Gentechnologie – erfolgreich als Unternehmen zu gestalten."

Für Grohnert sind die aktuellen Zahlen ein Alarmsignal für viele Unternehmen in Deutschland. Sie warnt: "Der Wettbewerbsfaktor Vielfalt wird unterschätzt. Wer nicht in der Lage ist, eine vielfältige Belegschaft aufzubauen, der wird den Kontakt zu gesellschaftlichen und technologischen Trends und somit Kundenbedürfnissen an den Märkten verlieren."

Dabei sind den Befragten die positiven Auswirkungen durchaus bewusst. Diversity hilft, die Offenheit und Lernfähigkeit
der Organisation sicherzustellen. Darin sind sich alle einig.

Das sind die weiteren Vorteile bunter Unternehmen:

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Gelber Balken: Bundesdurchschnitt; weiße Balken: Durchschnitt der Unterzeichner der "Charta der Vielfalt".

Die Studie zeigt, dass bei dem Drittel der Unternehmen und Institutionen, die aktives Diversity Management betreiben, vor allem Maßnahmen der Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort, sowie Maßnahmen der Personalgewinnung und Personalentwicklung im Vordergrund stehen. Für die Studienmacher ein Indiz dafür, dass die Organisationen vor allem aus kurzfristiger Perspektive auf Personalmangel reagieren.

Kritisch bewertet diese Herangehensweise Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin des Charta der Vielfalt e.V. "Diversity Management ist nicht einfach ein Projekt, das irgendwann endet, sondern ein Prozess, der immer neu herausfordert", betont die erfahrene Diversity-Managerin. Sie fordert, dass Organisationen Diversity Management zum festen Bestandteil der Strategie machen. "Diversity Management steht in Deutschland immer noch am Anfang, es wird aber für die Zukunft des Standorts massiv an Bedeutung gewinnen", so von Hardenberg. Sie stellt weiter fest: "Diversity Management ist kein Minderheiten-Programm, sondern eine Denkumstellung. Es geht nicht darum, Defizite zu identifizieren. Stattdessen  muss sichtbar gemacht werden, was jedes Individuum beitragen kann."

Anders als vermutet ist Diversity ein Top-down-Thema, das hauptsächlich vom Top-Management angeschoben wird. Auf die Führungsebene - insbesondere das mittlere Management - kommen nun auch neue Aufgaben zu, die andere Qualitäten  verlangen:

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Gelber Balken: Bundesdurchschnitt; weiße Balken: Durchschnitt der Unterzeichner der "Charta der Vielfalt".

Im Auftrag von EY und Charta der Vielfalt hat das Darmstädter Marktforschungsinstitut Reimund Research im Zeitraum von Juli bis September 349 Organisationen befragt, welche die Selbstverpflichtung "Charta der Vielfalt" unterzeichnet haben. Zugleich wurden Personalverantwortliche in 250 zufällig ausgewählten Unternehmen befragt, welche die Selbstverpflichtung nicht unterzeichnet haben. Die Studie, die zahlreiche Interviews mit Personalverantwortlichen quer durch die Industrie enthält,  ist kostenfrei unter www.Charta-der-Vielfalt.de und auf der Internetseite von Ernst & Young (EY) unter http://www.ey.com/de/de/home erhältlich.

Diversity-Studie: Warum bunt besser ist

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