Michael Hüther leitet das IW in Köln.
Michael Hüther leitet das IW in Köln. © Foto:IW Köln

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Digitalisierung: Deutsche Firmen knausern bei Investitionen

Die positiven Effekte der Digitalen Revolution für die Wirtschaft sind zurzeit noch kaum sichtbar. Insbesondere die gesamtwirtschaftliche Produktivität steckt in einer historischen Krise. Das könnte sich durch eine stärkere Nutzung von Industrie-4.0-Technologien ändern – vor allem deutsche Unternehmen müssen hier aufholen, so die Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Neue Technologien revolutionieren den Arbeitsalltag. Viele deutsche Unternehmen sind bei der Digitalisierung aber noch zurückhaltend.

Die Arbeitswelt wird digitaler, schneller, effizienter – statistisch gesehen wächst die Produktivität in vielen Industrieländern trotzdem langsamer. Darauf weist eine noch unveröffentlichte Studie des IW hin. Die Digitalisierung erhöht die Produktivität demnach erst nach einigen Jahren.

In der Anfangsphase technologischer Revolutionen ist eine schwache Produktivitätsentwicklung nicht ungewöhnlich. Unternehmen müssen zunächst viel Geld ausgeben, um Mitarbeiter auszubilden und neue Arbeitsstrukturen zu schaffen. Das sind Investitionen, die sich erst in Zukunft auszahlen. Dennoch ist es für Unternehmen der richtige Weg, die Wertschöpfungskette zu digitalisieren.

Deutsche Firmen müssen allerdings noch mehr Geld in die Hand nehmen, um international mithalten zu können. Bislang haben sie bezüglich der Digitalisierung noch einiges an Potenzial. Ein Großteil der deutschen Unternehmen setzt in seiner Kommunikation mit anderen Konzernen immer noch auf den persönlichen Kontakt.

In Großbritannien nutzen längst zwei Drittel eine automatisierte Informationsverarbeitung. Wie groß der Vorsprung Großbritanniens inzwischen im Bereich der Digitalisierung ist, zeigt auch eine aktuelle Studie des Conference Board, einem US-amerikanischen Think Tank in New York: Demnach konsumierten die Deutschen im Jahr 2012 digitale Dienstleistungen im Wert von 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist zwar mehr als in dem Bereich investiert wurde, der Abstand zu Großbritannien ist aber weiterhin groß. Hier machen digitale Dienstleistungen bereits drei Prozent des BIP aus. Vieles deutet darauf hin, dass die vierte industrielle Revolution in eine neue Phase übergeht – in die Phase, in der sich die Investitionen langsam auch lohnen.

Warum dauert es diesmal so lange, bis sich die Investitionen auch rentieren? Das Conference Board hat darauf zwei Antworten: zum einen ist das geringe Wirtschaftswachstum dafür verantwortlich, dass die Effekte nicht schneller sichtbar sind. Zum anderen ist die digitale Transformation ein komplexer Prozess, der bis zur vollständigen Umsetzung sehr langwierig ist und viele Produktionsstufen, Lieferanten und Menschen miteinbeziehen muss. Mit ein paar IT-Anschaffungen ist es eben nicht getan. 

Die Experten haben deshalb ein paar Tipps in ihrem Blog zusammengestellt:

  • Profitieren Sie von sinkenden Preisen für Informations- und Telekommunikationstechnologien  und -Services
  • Verlagern Sie den Schwerpunkt von Hardware-Anschaffungen zu digitalen Services. Damit erhöhen Sie Ihre Flexibilität und können Produkte schneller auf den Markt bringen. 
  • Bündeln Sie Ihr Knowhow in Schwerpunktabteilungen wie Produkt- und Service-Design, Mitarbeitertraining und Organisationsentwicklung
  • Erkennen Sie, wo und welche Qualifikationen Ihrem Unternehmen fehlen und versuchen Sie, gegen diesen Fachkräftemangel vorzugehen
  • Nutzen Sie lokale Business-Netzwerke, um Personal zu finden, Partnerschaften zu knüpfen und gemeinsame Dienstleistungen zu nutzen.
  • Schaffen Sie agile Prozesse und trainieren Sie Ihre Widerstandsfähigkeit, um schnell auf den disruptiven Effekt neuer Technologien reagieren zu können.
Digitalisierung: Deutsche Firmen knausern bei Investitionen

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