Lesetipp | | von Annette Mattgey

Diese Firma verzichtet auf (fast) alle Titel und Positionen

Sind Sie scharf auf eine wohlklingende Job-Bezeichnung? Dann sollten Sie sich nicht bei Mayflower bewerben. Diese Digi-Agentur hat alle pompösen Titel abgeschafft - allerdings nicht von jetzt auf gleich. Warum und wie das gelang, erklärt CTO Johann-Peter Hartmann im Mayflower-Blog. CTO steht in diesem Falle für Chief Tailwind Officer. Hartmann bezeichnet sich selbst als "Entwickler mit Hackerherz".

Grundlage der Umgestaltung, für die Hartmann mindestens drei Jahre veranschlagt, ist die Veränderung der Arbeitsprozesse: Wo Scrum Einzug hält und damit die Selbstbestimmung der Teams steigt, sind feste Funktionen überflüssig. Stattdessen legt das Team für jeden Prozess neu die verschiedenen Rollen fest. Scrum, eine Management-Methode, die sich vor allem im IT-Umfeld bewährt hat, findet mittlerweile auch in anderen Agenturen Anhänger. Worauf es dabei ankommt, beschreibt etwa LEAD digital-Blogger Thorben Fasching, Director Marketing & User Experience der Bremer Agentur Hmmh.

Hartmann sieht die Abschaffung der Posten und Pöstchen als konsequente Weiterentwicklung des Scrum-Gedankens: "Alles darf angepasst werden, nur die Titel und Positionen nicht? Das Team darf entscheiden und ist verantwortlich, außer da ist ein Technical Lead, ein Architect oder ein Team Lead?" In herkömmlichen Organisationen entwickele sich daraus meist eine Matrix-Organisation, bei der formelle und tatsächliche Verantwortlichkeiten auseinanderdriften. "Jeder von uns kennt Juniors, die dem Senior Dinge erklären, Architekten, bei denen man dankbar ist, dass die Developer etwas anderes implementierten als sie planten, und Teamleiter, die sich Aufgaben außerhalb des Teams suchen, um dessen agile Arbeit nicht zu stören."

In der neuen Arbeitswelt gibt es nach wie vor Regeln, nur eben keine hierarchischen Zuschreibungen mehr. Sie sollen nur das dokumentieren, was die Wirklichkeit vorlebt. Als Beispiele zählt Hartmann etwa auf:

  • es gibt keine Positionen mehr, nur noch Talente und temporäre Rollen
  • die Rollen bestimmt das Team gemeinsam, und sie ergeben sich aus den realen Anforderungen und den Talenten
  • die Zuordnung eines Kollegen zu einer Rolle ist Sache des Teams – sie treffen im Kontext die optimale Zuordnung.

Personalentwicklung wird dann nicht zur von oben aufgepfropften Veranstaltung, sondern vom Team initiiert: "Wenn der aktuelle Scrum-Master und das Team in Deine Erfahrung als Scrum-Master investieren, dann glauben Sie, dass sich dieses Investment in rentieren wird."

Und was wird aus dem Platz auf den Visitenkarten? Auch dafür hat Hartmann eine Lösung parat. "Und auf einmal gibt es Titel, die passend und glaubwürdig sind und neugierig machen" wie etwa Werkzeugschmiede, Unruhestifter und Moneypennys.

Den Kommentaren, die bisher eingegangen sind, widmet sich Hartmann gründlich und klärt so auch über die Gehaltsfindung auf.

Die meisten pflichten Hartmann bei. So sieht Don Bosco van Hoi, Geschäftsführer bei der Magento-Agentur Mothership, insbesondere zwei Vorteile: Selbstverwirklichung und Mitarbeitermotivation. "Wenn der Arbeitgeber das richtige Klima schafft, und agile Arbeitsweise und der Verzicht auf Positionen sind imho mehr als eine gute Basis, so dürfte die langfristige Mitarbeitermotivation auch gegeben sein. Der heutiger Arbeitnehmer ist nicht mehr Teil einer Abteilung oder eine Nummer innerhalb einer Linien- oder Matrixorganisation sondern strebt immer mehr nach Selbstverwirklichung und das heißt eben auch, dass man öfter mal was Neues ausprobieren möchte."

Den kompletten, sehr lesenswerten Blog-Artikel von Johann-Peter Hartmann lesen Sie hier im Blog der Agentur Mayflower.

Diese Firma verzichtet auf (fast) alle Titel und Positionen

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht