Vodafone Institute Survey | | von Annette Mattgey

Deutsche schrecken vor Startups zurück

Nur 13 Prozent der jungen Deutschen strebt einen Arbeitsplatz im digitalen Sektor an. Außerdem mangelt es ihnen an Pioniergeist. Ein Job in einem Startup ist ihnen nicht geheuer - selbst gründen wollen sie erst recht nicht. Insgesamt sehen sie die Digitalisierung jedoch positiv.

33 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wollen auf keinen Fall eine Karriere in der digitalen Wirtschaft beginnen. Nur 13 Prozent der Befragten beantworten die Frage nach einem möglichen Berufseinstieg im digitalen Sektor mit einem eindeutigen Ja. Eine Mehrheit der ‚Digital Natives‘ in Deutschland kann sich zudem nicht vorstellen, für ein Start-Up zu arbeiten (70 Prozent) oder ein Unternehmen der digitalen Wirtschaft zu gründen (77 Prozent). In den krisengeschüttelten Ländern Spanien und Italien ist die Bereitschaft wesentlich höher, wie eine Umfrage des Vodafone Instituts und des Meinungsforschungsinstitut YouGov ergab.

Frage: Wie stark streben Sie einen Beruf in der Informations- und Kommunikationstechnik an?

 

Laut der Studie könnten sich 24 Prozent der Befragten in Deutschland vorstellen, ein Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) zu gründen. Generell in die Selbstständigkeit zu gehen wünschten sich hierzulande 53 Prozent der befragten jungen Leute voll oder teilweise. In Italien sind es dagegen 80 Prozent, in Spanien 79 Prozent, in den Niederlanden 62 Prozent, in Großbritannien 58 Prozent und in Tschechien 63 Prozent.

Etwa ein Drittel der Befragten in Italien, Spanien und Tschechien gaben an, dass die schwierige Arbeitsmarktsituation ein Grund für einen möglichen Schritt in die Selbstständigkeit sei. Der Experte vom Vodafone Institut, Mark Speich, vermutet, dass in Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht geht, ein Gründergeist entstehe. Das werde als "Ausweg aus einer Misere" gesehen.

Wenn junge Deutsche ein eigenes Unternehmen gründen wollen, dann steht Selbstverwirklichung an erster Stelle. Die Realisierung eigener Ideen (44 Prozent), der eigene Chef zu sein (38 Prozent) sowie bessere Verdienstmöglichkeiten (29 Prozent) sind die drei wichtigsten Gründe. Folgende drei Erklärungen liefern junge Deutsche dafür, kein eigenes Unternehmen gründen zu wollen: Es ist ihnen zu viel Arbeit (46 Prozent), sie sehen die Balance zwischen Arbeit und Privatleben in Gefahr (43 Prozent) oder fürchten, nicht genügend Arbeitserfahrung mitzubringen (40 Prozent).

Grundlegende digitale Fähigkeiten werden in der Zukunft eine noch größere Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen. Dieser Aussage stimmen alle jungen Europäer zu, insbesondere die Briten. Allerdings werden nicht alle Ausbildungswege gleichermaßen gut bewertet. Spezialisierte Institute schneiden am besten ab, ebenso wie die Hochschulen, berufliche Bildungsträger und die unternehmensinterne Fortbildung.

 

Verbesserungsbedarf melden Befragte aus allen Ländern an. Die jungen Europäer fordern eine engere Kooperation zwischen Unternehmen, Schulen und Universitäten. Für die Frage, welche Institution die Hauptverantwortung für die digitale Bildung tragen soll, gibt es keinen Konsens. So halten junge Briten vor allem die allgemeinbildenden Schulen für verantwortlich (49 Prozent, in anderen Ländern zwischen 17 und 26 Prozent). Dass Unternehmen mit ihren Ausbildungsangeboten die Vermittlung digitaler Kenntnisse federführend übernehmen sollen, findet die geringste Zustimmung in Großbritannien (3 Prozent, sonst zwischen 14 bis 26 Prozent) und die größte in Deutschland (26 Prozent).

Frage: Welche 3 Veränderungen wünschen Sie sich im Schul- und Ausbildungssystem?

 

"Die Vodafone Institute Survey zeigt deutlich, dass Europa mehr tun muss, damit jungen Menschen die beruflichen Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung erkennen und ergreifen. Wir brauchen mehr pragmatischen Optimismus und Innovationsfreude an Schulen und Universitäten. Zudem müssen Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber, Gründer und digitale Innovatoren enger kooperieren", sagt David Deissner, Leiter Strategie und Programme des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation. "Die Ergebnisse für Deutschland erwecken den Eindruck, die Generation der 18- bis 30-Jährigen ist sich nicht bewusst, dass die digitale Revolution noch überhaupt nicht richtig Fahrt aufgenommen hat. Digitaler Unternehmergeist ist lange nicht so verbreitet wie es den Anschein hat. Unternehmertum als Bildungsinhalt und besserer Zugang zu Fördermitteln und Wagniskapital können hier helfen."

Insgesamt wurden für die nach Angaben von Vodafone repräsentative Umfrage 6000 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren in sechs europäischen Ländern (Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Niederlande und Tschechien) befragt.

Die individuellen Länderreports zu allen sechs Ländern mit detaillierten Zahlen sowie eine vergleichende Zusammenfassung aller Studienergebnisse finden Sie hier (PDFs zum Download).

Deutsche schrecken vor Startups zurück

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht