K&A BrandResearch | | von Annette Mattgey

Deshalb scheitert Brainstorming

Im Kreativbereich gelten Brainstormings nach wie vor als Nonplusultra. Marktforscher Ralph Ohnemus, CEO von K&A BrandResearch, erklärt dagegen, warum Brainstorming keine gute Idee ist und auch nicht zu solchen führt.

Text: Ralph Ohnemus

Suchen Manager nach neuen Ideen, fällt den meisten als erstes eine Brainstorming Session ein. Haben Sie schon mal von Alex Osborn gehört? Er war einer der wilden Werber der Nachkriegszeit in New York, Gründer von BDO, später BBDO. Er gilt als Begründer des Brainstormings. Nach seiner Meinung zerstört das Herumnörgeln jede Kreativität. Er sagte: „Kreativität ist eine zarte Blume, die nur unter Lob erblüht. Entmutigung erstickt sie schon im Keim.“ Osborne selbst hat übrigens nie einen Nachweis für die tatsächliche Überlegenheit seiner Brainstorm-Technik geliefert.

In späteren Jahren hat vielfältige akademische Forschung unzweifelhaft bewiesen, dass Brainstorming anderen Verfahren quantitativ und qualitativ deutlich unterlegen ist. Brainstorming in der Gruppe funktioniert nicht besonders gut und umso schwächer, je mehr Teilnehmer die Gruppe hat. Einzelkämpfer liefern mehr und bessere Ideen. Bestenfalls kreative Dyaden (Zweierteams) können mithalten.

Woran liegt es, dass die Gruppe schlechtere Ergebnisse liefert?

Der Sozialpsychologe Stroebe von der Universität Utrecht hat herausgefunden, dass es drei Effekte gibt, die das Leistungspotenzial der Brainstorming Session begrenzen.

1. Die Teilnehmer blockieren sich, weil immer nur einer reden kann. Die anderen vergessen dabei ihre eigenen Einfälle oder verwerfen diese in der Zeit.

2. Die Bewertungsangst lebt doch, man will sich trotz aller angeblichen Freiräume vor den anderen nicht blamieren.

3. Wenn nur die Gruppenleistung zählt, sinkt bei vielen die Motivation zur Leistung, man ruht sich als Trittbrettfahrer aus.

Mehr Kritik, bessere Ideen

Die Psychologin Nemeth von der University California hat die Osborn-These der Kritikfreiheit überprüft. Sie fand heraus, dass Gruppen, in denen Kritik geäußert werden durfte, 20 Prozent mehr Ideen produzierten – und die Teilnehmer selbst danach noch motivierter waren und weitere Ideen nachlieferten. Kurz formuliert: Kein Widerspruch, geringere Kreativität in der Gruppe. Ein weiteres Experiment von Nemeth zeigte sogar, dass die Kreativität nochmals steigt, wenn der Widerspruch offenkundig falsch ist. Nemeth: „Meinungsverschiedenheiten können unangenehm sein. Aber sie sind immer belebend."

Deshalb scheitert Brainstorming

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