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Google fasziniert junge Talente. Hier ein Einblick in das Büro in Sydney - mit Firmenrollern. © Foto:Google

Trendence-Studie | | von Annette Mattgey

Der Mediennachwuchs ist bereit zum Absprung

In keiner Branche ist die Wechselwilligkeit der jungen Mitarbeiter so hoch wie bei Medien und Werbung. Die meisten schreckt der miese  Führungsstil ab. Das zeigt die aktuelle Young-Professional-Studie von Trendence. "Unternehmen, die ihre Mitarbeiter langfristig halten wollen, müssen die Unzufriedenheit im Unternehmen bekämpfen und dafür vor allem in die Führungskompetenz ihrer Führungskräfte investieren“, erklärt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch. Denn unzufrieden sind Young Professionals in erster Linie mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten, erst mit deutlichem Abstand folgen ein nicht ansprechendes Gehalt und mangelnde Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. 

Wer hat an der Studie teilgenommen?

Insgesamt rund 10.000 Teilnehmer. Befragt wurden Young Professionals aller Branchen mit einer Berufserfahrung von bis zu zehn Jahren. Die  Auswertungen für die Branche Medien und Werbung beziehen sich auf Antworten von rund 320 Young Professionals, die aktuell in der Medien- und Werbe-Branche arbeiten.

Wie schneidet die Branche im Vergleich ab? 

Sie landet im unteren Drittel der beliebtesten Branchen der Young Professionals - auf Rang 12 von 15 betrachteten Branchen. Nur 15,1 Prozent aller Young Professionals würden sich auf jeden Fall in der Branche bewerben. 26,7 Prozent der Befragten würden sich hingegen auf keinen Fall in Medien und Werbung bewerben.

Doch wie sehen das die Mitarbeiter der Branche selbst? Von denjenigen, die aktuell bei Medien oder in der Werbung arbeiten, würden sich zwei Drittel auf jeden Fall auch wieder in der Branche bewerben. 1,9 Prozent hingegen würden sich auf keinen Fall wieder in der Branche bewerben. Das gehört wiederum zu den niedrigsten Werten im Branchenvergleich.

Das Risiko eines Brain Drains - also des Abwanderns zu einem anderen Arbeitgeber -  ist enorm hoch. In keiner Branche ist das Brain-Drain-Risiko höher. Nirgendwo sind die Young Professionals aktiver auf Jobsuche.

Die Mitarbeiter der Medien- und Werbe-Branche sind nur in äußerst geringem Maße (22,2 Prozent) mit ihrem aktuellen Arbeitgeber "sehr zufrieden" sind. In der Automobilbranche liegt dieser Wert mit 36 Prozent am höchsten.

Der Gender-Pay-Gap ist in der Branche enorm hoch –  Rang 2 im Negativranking.

Wer sind die Top-15-Arbeitgeber der Branche?

  Medien und Werbung    
  Rang 2016 Top-Arbeitgeber % 2016    
  1 Google 52,8%    
  2 ProSiebenSat.1 Media 30,2%    
  3 ARD 21,4%    
  4 Bertelsmann 20,2%    
  5 ZDF 19,0%    
  6 Axel Springer 16,4%    
  7 Hubert Burda Media 10,1%    
  8 GfK 9,8%    
  9 Cornelsen Schulverlag 8,3%    
  10 Scholz&Friends 6,9%    
  11 Yahoo! Deutschland 6,2%    
  12 Bauer Media Group 3,6%    
  13 BBDO 3,4%    
  13 Verlagsgruppe Weltbild 3,4%    
  15 Serviceplan 3,2%    

Wie hoch ist die Brain-Drain-Gefahr?

Das Trendence-Institut hat in diesem Jahr einen Brain-Drain-Index errechnet, um herauszufinden, in welchen Branchen die Unternehmen am ehesten Gefahr laufen, Mitarbeiter zu verlieren. Dabei haben die Experten Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt gegenübergestellt: zum einen die Wechselwilligkeit der Young Professionals, zum anderen die Jobangebote, die sie bekommen.

Für die Medien- und Werbe-Branche besteht ein enorm hohes Brain-Drain-Risiko. In keiner anderen Branche ist das Risiko so hoch. Es sind überdurchschnittlich viele Young Professionals aktiv auf der Suche nach einem neuen Job und überdurchschnittliche viele Young Professionals erhalten Jobangebote.

In konkreten Zahlen: 95,3 Prozent der Young Professionals der Branche sind offen für einen neuen Job. 27,1 Prozent suchen sogar aktiv nach einem neuen Arbeitgeber – damit sind die Young Professionals in Medien und Werbung die Mitarbeiter mit der höchsten Wechselbereitschaft in Deutschland. 69,5 Prozent der Professionals der Branche haben in den vergangen zwölf Monaten ein Jobangebot von einem anderen Unternehmen erhalten – und zwar im Schnitt 3,5 Angebote. Damit gehören die Mitarbeiter der Branche zu den begehrteren Young Professionals in Deutschland.

Warum wollen die Jungen weg? 

Das Risiko des Brain Drains wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.

o   Es ist – zeitlich betrachtet – am höchsten bei Mitarbeitern mit drei bzw. fünf Jahren Berufserfahrung. Das sind die Momente in der Karriere der Young Professionals, an dem der Wunsch nach einem Jobwechsel besonders hoch ist.

o   Zudem fördert die Unzufriedenheit der Mitarbeiter den Wunsch nach einem Jobwechsel. Young Professionals (insgesamt), die sehr unzufrieden sind, sind fast 7 Mal häufiger aktiv auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber als sehr zufriedene Mitarbeiter. Unzufriedenheit erhöht das Risiko, dass sie sich auf die Suche begeben. Die Young Professionals der Medien- und Werbe-Branche (wie die Professionals der meisten Branchen auch) sind in erster Linie mit ihrem Chef unzufrieden (35,6 %), erst mit etwas Abstand folgen das Gehalt (27,6 %) und wenig attraktive Arbeitsaufgaben (22,1 %). In der Branche gibt es sehr wenige Mitarbeiter, die von sich behaupten, dass sie sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind.

o  Die ausschlaggebenden Gründe für einen Wechsel sind schlussendlich nicht allein die Chefs, sondern der Wunsch nach einem Karriereschub und neuen Perspektiven. Das äußern 24,3 % der Befragten).

Wie könnte man sie halten?

An erster Stelle, was Young Professionals der Branche an ihren Arbeitgebern schätzen, steht die ausgewogene Work-Life-Balance. Attraktive Arbeitsaufgaben und die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung sind ihnen ebenfalls wichtig.

Die wichtigsten Faktoren für die Arbeitgeber-Wahl:

Erwartungen an Arbeitgeber: WICHTIG Total Medien und Werbung
Gute Work-Life-Balance 19,2% 21,7%
Attraktive Arbeitsaufgaben 17,5% 19,7%
Persönliche Entwicklung 12,6% 11,7%
Gute Karriereperspektiven 11,7% 8,7%
Hohes Gehalt 9,2% 8,8%
Wertschätzung der Mitarbeiter 5,8% 6,5%
Sicherheit der Anstellung 3,6% 3,9%
Hohes Maß an Eigenverantwortung 3,4% 3,9%
Kollegialität 3,0% 3,6%
Guter Führungsstil 2,8% 1,4%
Attraktiver Standort 2,3% 2,4%

Wie geht die Branche mit Frauen um?

Schlecht. Männer in der Medien- und Werbe-Branche erhalten ein deutlich höheres Gehalt als Frauen (53.300 Euro vs. 36.500 Euro). Das entspricht einer Lücke von 31,5 %. Die Medien- und Werbebranche ist damit die Branche mit dem zweitgrößten Gender Pay Gap nach der Konsumgüterindustrie (32,4 %). Am egalitärsten geht es in der Baubranche, bei Ingenieuren und in der Jurisprudenz zu. Da liegt der Gender-Pay-Gap unter zehn Prozent.

Wie attraktiv ist die Selbstständigkeit?

6,2 Prozent der Young Professionals der Medien- und Werbe-Branche wollen sich in den kommenden zwölf Monaten selbstständig machen. Damit liegen sie ganz leicht über dem Durchschnitt von 6,0 Prozent.

84,5 Prozent von ihnen haben bereits eine Idee, womit sie sich selbstständig machen wollen – das wiederum ist im Branchenvergleich enorm hoch. Für 80,4 Prozent ist der Grund, dass sie sich von Unternehmenszwängen freimachen wollen. 60,2 Prozent könnten sich aber dennoch vorstellen, ihre Idee auch in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu verwirklichen, wenn sie ihre Idee so umzusetzen können, wie sie es für richtig halten.

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