Usability | | von Annette Mattgey

Das sind die Mängel des neuen Xing-Profils

Seit kurzem hat Xing ein neues Design für die Mitgliederseiten eingeführt. Das Unternehmen selbst hebt vor allem die besseren Selbstdarstellungsmöglichkeiten hervor. Doch was bringt es dem User? Romy Mlinzk, Social Media-Expertin und Bloggerin, hat das neue Profil für LEAD digital auf Herz und Nieren geprüft. Ihr Fazit: Moderner, aber dafür sind nun wichtige Funktionen schwerer zu finden. 

Text: Romy Mlinzk

Xing hat ein neues Layout. So weit, so gut. Wurde auch mal Zeit, schoss es mir als erstes durch den Kopf. Aus meiner berufsbedingten natürlichen Neugierde für Neuerungen im Social Web heraus beantragte ich daher direkt das neue Profil und wurde auch ein bis zweiTage später freigeschaltet. Seit zwei Wochen teste und taste ich mich nun durch das neue Profil. (Mehr Informationen und Link zur Anmeldung für das neue Profil: https://profile.xing.com/de/)

Der erste Eindruck: moderner, aufgeräumter, aber auch alles etwas größer und bunter. Wenn man wie ich schon ein sehr umfangreiches Profil besaß, so braucht man doch gefühlt im ersten Moment länger, um an die gesuchten Informationen zu gelangen. Der Übersichtlichkeit soll daher eine Navigation an der linken Seite des Profils (Bild links) dienen, um schnell Zugriff auf bestimmte Bereiche zu erhalten. Doch gerade dies benötigt mehr Zeit als eine einfache Profilseite zum Scrollen.

Auf der eigentlichen Profilseite (Bild unten) findet sich neben dem Profilfoto mittlerweile nur noch die kurze Übersicht zu Position, Unternehmen, Anzahl der Kontakte sowie Gemeinsamkeiten mit dem Gegenüber sowie die Aktivität des Profils. Kontaktdaten finden sich nur noch über einen Extrabutton daneben und unterhalb des Nachrichtenbuttons. Gerade das für die meisten User wichtige „Wie erreiche ich den Kontakt schnell?“ ist unter einem Button als Pop-up versteckt.

Prominent dafür ist dann unter „Profildetails“ „Ich biete“ und „Ich suche“ sowie Berufserfahrung, Ausbildung, Sprachen, Qualifikationen, mögliche Auszeichnungen, Organisationen, Referenzen und Interessen ebenso auch Persönliches (Geburtstag und Geburtsname) dargestellt.

 

 

Schon an dieser Stelle frage ich mich, auf welchen Zweck und Zielgruppe das neue Profil ausgerichtet ist. Die Kontaktdaten versteckt, die aufschlussreichen Notizen (enthält bei einer erfolgten Kontaktanfrage den Anfragetext und gibt so Aufschluss, woher man die entsprechende Person kennt oder kannte, kann mit eigenen Notizen ergänzt werden) und die eventuell vergebenen Kategorien sind nur durch Aufklappen der entsprechenden Funktionalität sichtbar. Für Recruiter und Headhunter ist die jetztige Darstellung bestimmt perfekt, doch wie nutzt ein typischer Anwender Xing? Nicht, um neue Mitarbeiter zu suchen, sondern um mit ehemaligen Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben. Meist wird es lapidar als Adressbuch in der Cloud abgetan. Doch mit der Gruppenfunktionalität und dem auch halbwegs vernünftigen Eventmanagement und einer umfangreichen Selbstdarstellungsmöglichkeit bietet Xing doch mehr als ein Adressbuch - auch und gerade mit dem neuen Profil.

Umständlich: Kontaktdaten und Social Media-Profile finden

Was ich sehr schade finde: auch die „Weiteren Profile im Netz“ haben ihren eigenen Bereich im neuen Xing-Profil erhalten. Kann man da nun auch bequem den eigenen Twitterfeed und RSS-Feeds von Blogs einbinden, wünschte ich mir oft einen schnelleren Zugang, um ein bestimmtes Profil eines Kontakts zu finden. Für mich als Social Media Specialist ist beruflich nicht immer ein telefonischer oder postalischer Kontakt wichtig sondern die Außendarstellung und Erreichbarkeit über ein Social Media Profil in einschlägigen Social Networks. Doch wie schon bei den eigentlichen Kontaktdaten ist auch dieser Bereich mit mehr Aufwand zu erreichen.

Vor allem als Selbständiger - besonders im Bereich Graphik oder Fotografie - kann man sich nun stärker präsentieren. Statt der „Über mich“-Seite gibt es nun ein „Portfolio“ (Bild unten). Aus Text-, Bild- und .pdf-Bausteinen kann man so in einem individuell gestalteten Bereich Arbeitsproben präsentieren. Für die Akquise und Selbstvermarktung bestimmt in vielen Gebieten sinnvoll.

 

Generell ist das neue Profil eine schöne und moderne Variante, wie man eine berufliche Laufbahn, seinen Lebenslauf darstellen kann. Doch für mich ist das leider nicht der ausschlaggebende Grund, bei Xing oder in einem anderen beruflichen Netzwerk aktiv zu sein. Brauche ich nur einen schönen Lebenslauf und Kontaktmöglichkeiten, dann nutze ich Dienste wie Zerply, die auch speziell auf das Social Web ausgelegt sind. Xing wagt hier eine Mischung und verpasst damit in meinen Augen, worauf es vielen Nutzern eigentlich ankommt: schnell an Kontaktdaten/-profile zum Austausch mit dem beruflichen Netzwerk zu kommen.

Außerdem halte ich eine Anpassung der Funktionalitäten der Apps (iPhone, iPad, etc.) an die Möglichkeiten des Businessnetzwerkes für dringend notwendig. Was nützt es einem, in Schönheit (eines neuen Profils) zu sterben, wenn der Großteil mittlerweile seine Netzwerke nur noch mobil nutzt und in den Apps wichtige Funktionalitäten wie Events einfach fehlen.

Das sind die Mängel des neuen Xing-Profils

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