Kinderbesuch im Büro: für arbeitende Eltern in Bayern am Buß- und Bettag oft alternativlos.
Kinderbesuch im Büro: für arbeitende Eltern in Bayern am Buß- und Bettag oft alternativlos. © Foto:Foto: Getty Images/Vetta

Glosse | | von Christian Meitinger

Buckeln, Büßen und Beten

Ach, was war das für ein toller Mittwoch in München. Ein Buß- und Bettag wie aus dem Bilderbuch.

Die Sonne schien, die Büros erschallten von fröhlichen Kinderstimmen (bis Mittag, dann schlug die Stimmung um). Die Stadt war voll von glücklichen, total erschöpften Großeltern, die professionell mit teilweise mehreren Kinderwägen durch den wie immer perfekt überlasteten Nahverkehr navigierten und versuchten, nicht mit shoppenden (ebenfalls schulfreien) Teenies zu kollidieren. 

Welcher Freigeist hat sich diese religiöse Prüfung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgedacht? Wer lässt an einem regulären Arbeitstag sämtliche Schulen und Kindergärten schließen? So kurz nach den Herbstferien? Wer war so sternhagelglücklich, als er diese Idee gebar? Vermutlich war es unser Digitalminister. Weil wir können ja von überall arbeiten. Und gleichzeitig auch noch Kinder kindgerecht bespaßen: Ausmalen von Flipcharts, Daddeln auf dem Tablet, Schmökern in der neuen Datenschutzgrundverordnung.

Vermutlich ging „Wer auch immer sich das ausgedacht hat“ , davon aus, dass wir alle eine Ausflug zum Work Lab Fancy Ski Slope Space auf der Zugspitze machen? WLAN garantiert.Also wer war‘s? Die Arbeitsagentur für Babysitter? Keiner? Dann bleibt in Bayern nur einer: der Söder.

Zehn Vaterunser, dass wir es auch 2018 wieder irgendwie gewuppt kriegen. 

Buckeln, Büßen und Beten

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