Studie | | von Raoul Fischer

Bewerbungspraxis 2015: Bewerbung muss einfacher werden

"Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler", heißt es so schön. Nicht so bei den Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen. Die richten Bewerbungsverfahren eher nach ihren eigenen Bedürfnissen aus – und weniger an den Einstellungen ihrer potenziellen Bewerber. Diese bevorzugen nämlich zu 79,5 Prozent die unkomplizierte Bewerbung per E-Mail, während so genannte Formular-Bewerbungen nur von 8,9 Prozent und die klassische Papierbewerbung von 8,7 Prozent bevorzugt werden. Dieses eindeutige Votum geht aus der aktuellen Studie "Bewerbungspraxis 2015" hervor, die die Jobbörse Monster am Montag gemeinsam mit dem Center of Human Resources Information Systems – kurz Chris – gemeinsam vorgestellt hat. Die zeitgleich vorgestellte Studie "Recruitingtrends 2015" zeigt jedoch: Großunternehmen bevorzugen Formularbewerbungen mit 72,3 Prozent. E-Mail-Bewerbung (22,2 Prozent) und die gute alte Bewerbungsmappe (2,2 Prozent) fallen demgegenüber ab. Wieder anders sehen das mittelständische Unternehmen: Die präferieren mit 57,4 Prozent die E-Mail-Bewerbung. 21,3 Prozent bevorzugen eine papierbasierte Bewerbungsmappe und nur 6,6 Prozent der befragten Mittelständler wollen die Formularbewerbung.

Die Formularbewerbung erleichtert Unternehmen, die über die entsprechenden technischen Lösungen verfügen die Vorauswahl geeigneter Kandidaten. Damit lassen sich Prozesse  im internen Reruitierungsmanagement effizienter gestalten. In dem Kontext ist auch eine andere Einschätzung der 1000 größten Unternehmen Deutschlands zu verstehen, die Chris 2014 befragt hat: Diese sehen die Computer-gestützte Selektion von Kandidaten, das so genannte "Robo-Recruiting" mehrheitlich positiv. Für 29 Prozent vereinfacht es den Prozess, für 43 Prozent ist es fairer und fördert die diskriminierungsfreie Vorauswahl und für 52 Prozent beschleunigt es die Bewerberauswahl. "Die Studien zeigen, in welchen Bereichen Unternehmen und Bewerber unterschiedlicher Meinung sind und wo Kommunikationsbedarf besteht", erklärt Professor Tim Weitzel von der Universität Bamberg, der die Studienprojekte seit 2003 betreut. Auf Basis der aktuellen Zahlen und der Entwicklung der vergangenen Jahre liege der Schluss nahe, dass automatisierte Bewerbungsprozesse in Zukunft weiter zunähmen. 

Die drei Studien liefern darüber hinaus Informationen zum geschätzten Personalbedarf, zur Besetzbarkeit der Stellen sowie zur Entwicklung bei den Recruiting-Kanälen. Hier bestimmen seit Jahren die Karriere-Website der Unternehmen sowie OnlineStellenbörsen das Bild. Allerdings kommen auch Social Media und Mobile langsam bei den Unternehmen an: Mit einem Sprung von mehr als sieben Prozentpunkten stehen Social Media mit 28,1 Prozent inzwischen auf Platz vier der Kanäle für Stellenanzeigen, vor Mitarbeiterempfehlungen (22,4 Prozent) und Printmedien (11,9 Prozent). Auch beim Ergebnis liegen Social Media inzwischen auf Platz vier: so kommen 5,1 Prozent der Neueinstellungen über Xing, LinkedIn, Facebook & Co.  Auch das matcht durchaus mit Einstellungen der Bewerber: 55 Prozent finden Social-Media-Aktivitäten seitens der Unternehmen gut. Beim Thema mobile Bewerbung gibt es Fortschritte: So haben inzwischen 44 Prozent der Großunternehmen ihre Karriere-Seite mobil optimiert (2014: 24 Prozent) und 31 Prozent ihre Stellenanzeigen (2014: 22 Prozent). Bei den Bewerbern nutzen immerhin schon 40 Prozent mobile Geräte für die Stellensuche und jeder Zwölfte hat sich sogar schon einmal mobil beworben. Allerdings sagen nur 25 Prozent, dass die Anzeige von Karriereseiten und Stellenanzeigen auf mobilen Endgeräten problemlos funktioniert. Da ist also noch Luft nach oben.  

Die Studienreihe "Recruitingtrends" gibt es bereits seit 2002, die Reihe "Bewerberpraxis" seit 2003. Darüber hinaus bieten die Studien verschiedene Fallstudien und Branchenauswertungen. Weitere Ergebnisse gibt es in der nächsten Print-Ausgabe von LEAD digital und unter unter der Rubrik Studien auf der Website von Monster.

Bewerbungspraxis 2015: Bewerbung muss einfacher werden

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht