Studie | | von Anja Janotta

Bewerberflut: Land unter bei den Personalabteilungen

Die Fluktuation nimmt zu und damit auch der Stress für die HR-Abteilungen in den großen deutschen Unternehmen. Denn zunehmend klagen die Unternehmen darüber, dass sie zu viel Bewerbungen für offene Stellen auf den Tisch bekommen, um sie ordentlich sichten und bewerten zu können. 63 Prozent haben in einer Untersuchung der Unternehmensberatung Hay Group angegeben, dass sie eher zu viel Bewerbungen erhalten und 33 Prozent klagten über zu wenig qualifizierte Bewerbungen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen.

Die ungewöhnlich hohe Mobilität der Mitarbeiter ist für viele Unternehmen ein Problem. Laut der Studie verlassen sechs Prozent der eingestellten Kandidaten den Betrieb bereits innerhalb der ersten 24 Monate Allerdings schwankt die Wechselwilligkeit stark – von 0 bis 40 Prozent.

"Eine hohe Mitarbeiterfluktuation ist negativ für alle Beteiligten. Denn damit steigen die Kosten im Recruiting, erhöht sich der Druck auf die Personalabteilung und wird die Moral des verbleibenden Personals geschädigt. Zudem schreiben die ehemaligen Mitarbeiter nicht selten über ihre Enttäuschung in sozialen Medien und schädigen so die Marke des Unternehmens", so Hay-Group-Geschäftsleiter Thomas Gruhle.

Noch setzen die Personalchefs eher auf traditionell Methoden, um einen geeigneten Bewerber zu finden. Strukturierte Interviews sind zu 95 Prozent das Mittel der Wahl, gefolgt vom Lebenslauf-Screening  (81 Prozent). Das Telefoninterview wird zu 68 Prozent angewandt. Arbeitsproben und Case-Studies kommen in späteren Phasen des Bewerbungsprozesses zum Einsatz, sind aber bei 37 Prozent gang und gäbe. Assessment-Center und psychometrische Verfahren sind bei je 30 Prozent der befragten Unternehmen ein Mittel der Wahl. Immerhin noch 14 Prozent setzen auf Assessment-Center und zehn Prozent auf  Killerfragen, die im Vorfeld gerne bei Online-Bewerbungen eingestreut werden.

Recruiting-Experte Thomas Gruhle empfiehlt, die Methodik dem Bewerberfluss anzupassen. "So bieten sich beispielsweise am Anfang automatisierte Methoden wie psychometrische Verfahren an. Sie gewährleisten eine schnelle Bearbeitung und sorgen so für einen effizienten und effektiven Prozess." Die Methode führe zudem zu positiven Bewerbererlebnissen, weil die Kandidaten ein schnelles Feedback erhielten und wüssten, dass alle Bewerber bei diesem Verfahren gleich behandelt würden. Durch die Kombination psychometrischer Verfahren mit strukturierten Interviews könnten zudem Recruiting-Prozesse verschlankt und deren Qualität optimiert werden.

Die Studie fußt auf einer Befragung von HR-Abteilung von über 100 Unternehmen, die insgesamt mehr als 1,1 Millionen Mitarbeiter repräsentieren und jährlich über 1,4 Millionen Bewerber im deutschsprachigen Raum haben. Unter den Befragten waren auch 30 Dax-Mitglieder sowie verschiedene größere Branchenunternehmen.

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