Recruiting | | von Annette Mattgey

Bewerber-Auswahl: Jeder vierte Akademiker erkennt Diskriminierung

Dass es mit einer objektiven Personalauswahl nicht weit her ist, glaubt ein Viertel der deutschsprachigen Studierenden. Sie haben Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Geschlecht selbst erlebt oder im engsten Freundeskreis beobachtet. 77 Prozent denken daher, dass anonyme Bewerbungen für mehr Fairness bei der Stellenvergabe sorgen würden. Auch wer selbst keine bitteren Erfahrungen gemacht hat, geht meist davon aus, dass es bei der Jobvergabe nicht fair zugeht. Dass Stellenbesetzungen vorurteilsfrei ablaufen, glauben nur zwölf Prozent der angehenden Akademiker. Dies ergab eine Befragung der Stellenvermittlungsplattform Talerio unter mehr als 1000 deutschsprachigen Studierenden.

Die Suche nach dem Königsweg zu fairen Jobchancen beschäftigt die Arbeitsmarktpolitik seit vielen Jahren. Quotenregelungen, beispielsweise für einen festen Frauenanteil in der Belegschaft, werden nicht nur von der Wirtschaft abgelehnt, sondern auch von vielen Frauen: Sie wollen nicht wegen einer Quote, sondern wegen ihrer Fähigkeiten Karriere machen. Ähnliche Probleme haben Bewerber aus anderen Kulturkreisen: Sie werden allein wegen des fremd klingenden Namens seltener eingeladen, wie eine Studie mehrerer deutscher Stiftungen 2014 zeigte.

Junge Akademiker sprechen sich deshalb für anonymisierte Bewerbungen ohne Foto, Namen und Angaben zu Geschlecht und Herkunft aus: 77 Prozent der Studierenden in der Befragung gaben an, dass dieses Verfahren ihrer Ansicht nach fairer ist. Dabei wird die anonyme Bewerbung je nach Studienrichtung durchaus unterschiedlich beurteilt. Mehr als die Hälfte der Geisteswissenschaftler hält sie für den richtigen Weg, um eine faire Geschlechterverteilung zu erreichen. Bei den traditionell wirtschaftsnäheren Studiengängen Jura und den Wirtschaftswissenschaften sind es nur 38 Prozent.

42 Prozent der Juristen hingegen vertreten die Ansicht, dass Unternehmen es durch anonyme Bewerbungen schwerer hätten, passende Kandidaten zu finden. Bei den Gesellschaftswissenschaften denken dies nur 22 Prozent der Befragten. Die Juristen gehen allerdings am ehesten davon aus, dass die anonyme Bewerbung irgendwann gesetzlich vorgeschrieben wird: Jeder Vierte aus diesem Studiengang ist dieser Ansicht.

Aus Sicht von Talerio-Gründer und Geschäftsführer Marlon Litz-Rosenzweig hat das Verfahren durchaus Vorteile für Unternehmen: "In der Vorauswahl erhalten dadurch Bewerber eine Chance, die hervorragend passen, aber im normalen Verfahren möglicherweise durchs Raster fielen. Zudem garantiert das anonyme Verfahren Rechtssicherheit, denn dadurch werden Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ausgeschlossen."

Bewerber-Auswahl: Jeder vierte Akademiker erkennt Diskriminierung

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