Berufliche Auszeit: Sehr begehrt, aber selten verwirklicht
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Fittkau & Maaß-Umfrage | | von Annette Mattgey

Berufliche Auszeit: Sehr begehrt, aber selten verwirklicht

Die Sehnsucht ist meist größer als die Umsetzung: 43 Prozent der Deutschen wünschen sich eine längere Auszeit vom Job, neudeutsch auch Sabbatical genannt. Das Meinungsforschungsinstitut Fittkau & Maaß befragte im Auftrag von Wimdu.de deutsche Online-Nutzer. Warum sind viele Menschen hierzulande reif für eine Pause und was treibt sie dazu? Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Warum sehen Männer und Frauen das Thema Sabbatical ganz unterschiedlich? Und was sind die Gründe, dass viele Deutsche den Wunsch nach der großen Pause trotzdem nicht in die Tat umsetzen? Darauf suchte das Onlineportal für Ferien-Appartements Antworten.

Was die angestrebte Dauer des Sabbaticals angeht, gibt es zwei Trends. Knapp weniger als die Hälfte der Auszeit-Aspiranten (43 Prozent) wollen zwischen drei und 6 Monaten Pause vom Job nehmen. Fast ein Drittel tendiert mit zehn bis zwölf Monaten sogar zum ganzen Sabbatjahr. Immerhin noch 11 Prozent können sich eine  Zeitspanne von bis zu zwei Jahren vorstellen.

Motivation: Reisen, Selbstfindung, Burnout-Prävention und Neustart

Gleichermaßen ausgeprägt sind die Sehnsucht, in die Ferne zu fahren, und das Bedürfnis, mehr Zeit für sich und seine Interessen zu haben (beide 57 Prozent). Knapp dahinter wollen viele neue Perspektiven und zu sich selbst finden (54 Prozent). Eher bedenklich: Die Hälfte der Befragten will mit der Auszeit ein Burnout überwinden oder einem vorbeugen. Mit Abstand folgen dann Sprachen lernen (30 Prozent), das Leben grundlegend zu verändern (21 Prozent), die Unzufriedenheit mit dem Job (20 Prozent) oder der privaten Situation (13 Prozent). 12 Prozent wollen diese Zeit für die berufliche Weiterbildung nutzen.

Drei Viertel wollen neue Kulturen kennenlernen, ein Viertel will auswandern

Sabbatical heißt für die große Mehrheit der Deutschen reisen und fremde Länder kennenlernen: Fast drei Viertel (72 Prozent) der Befragten wollen ein Sabbatical primär antreten, um den Alltag und die Kultur anderer Länder kennenzulernen. Weit mehr als die Hälfte (58 Prozent) braucht die längst fällige Verschnaufpause vom Leben. Immerhin mehr als ein Drittel hat Sehnsucht nach konstant warmen Temperaturen. Exakt ein Viertel kann sich vorstellen, nach der Auszeit gleich ganz auszuwandern und immerhin noch 19 Prozent der Deutschen reizt es, während des Sabbatical im Ausland zu arbeiten.

Frauen nehmen Auszeit öfter bei Beziehungs- & Jobproblemen oder um ihr Leben drastisch zu ändern

Bei den Beweggründen für eine Auszeit unterscheiden sich Frauen klar von Männern. Deutlich öfter haben sie den Drang, ein Sabbatical in Anspruch zu nehmen, um ihr Leben grundlegend zu ändern. Diejenigen die einen Neustart suchen, sind zu 68 Prozent weiblich und nur zu 32 Prozent männlich. Auch sehen Frauen eine berufliche Auszeit viel öfter als Ausweg, wenn die private Situation schwierig ist  (62 Prozent zu 38 Prozent) oder sie mit dem Job unzufrieden sind (58 Prozent zu 42 Prozent). Auch die Burnout-Prävention liegt ihnen mehr am Herzen (53 Prozent zu 47 Prozent).

Für die Auszeit wird das Sparbuch geplündert

Keine Antwort der ganzen Studie fiel derart eindeutig aus. Drei von vier Deutschen, die eine Auszeit im Auge haben, rechnen damit, zumindest teilweise auf Ersparnisse oder Rücklagen zurückgreifen zu müssen. Rund ein Fünftel der potentiellen Auszeit-Aspiranten hofft auf finanzielle Unterstützung vom Partner oder der Familie. Etwa gleich viele können sich vorstellen, auch während der Reise im Ausland (21 Prozent) und freiberuflich (16 Prozent) zu jobben. Weitere potentielle Einnahmequellen für einen Langzeittrip: Untervermietung von Wohnung oder Haus (12 Prozent), Erbschaft (10 Prozent), Verkauf von Wertgegenständen wie dem Auto (8 Prozent) oder ein Kredit (5 Prozent).

Frauen sind für ihren Traum eines Sabbaticals sehr viel öfter bereit als Männer, ihre Wohnung zu vermieten  (64 Prozent zu 36 Prozent) oder auch im Ausland zu jobben (58 Prozent zu 42 Prozent). Work and Travel ist zudem für die jüngere Generationen (63 Prozent zu 37 Prozent unter bzw. über 40 Jahren) eine gebräuchlichere Option.

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Männer zieht es in den Wilden Westen

Was die Art der Auszeit im Ausland betrifft, so gibt es gerade, was die Geschlechts-Präferenz angeht, gehörige Unterschiede. Wer eine Weltreise anstrebt, ist mit 60 Prozent deutlich öfter weiblich als männlich (40 Prozent). Männer dagegen konzentrieren sich öfter (57 Prozent zu 43 Prozent) auf eine oder wenige Reisedestinationen. Die Herren der Schöpfung sind es übrigens auch, die es mit 61 zu 39 Prozent weitaus öfter in den "Wilden Westen", also in die USA und nach Kanada zieht.

Top-Ziele: Frankreich, Skandinavien, Nordamerika, Argentinien, Japan, Thailand und Südafrika

Das sind die beliebtesten Sabbatical-Reiseziele der Deutschen: In Europa ist Frankreich die Nummer eins, gefolgt vom wärmeren Süden rund um Spanien, Italien und Portugal. Auch Skandinavien landet im Spitzenfeld. In Nordamerika halten sich USA und Kanada die Waage, in Südamerika liegt Argentinien in der Beliebtheit der Deutschen ganz vorn. Japan und Thailand konkurrieren in Asien um die Top-Position, in Afrika liegt Südafrika meilenweit vor dem ersten Verfolger, der deutschen Ex-Kolonie Namibia. Ebenfalls sehr beliebt: Australien und Neuseeland.

Wenn es um die Frage geht, mit wem man denn seinen Sabbatical-Trip antreten will, dann gibt es eine deutliche Tendenz. Nur ein Viertel der Studienteilnehmer würde alleine reisen wollen, drei Viertel dagegen in Begleitung. Beliebtester Reisbegleiter ist der eigene Partner mit 60 Prozent. Auf Abstand folgt dann die Familie inklusive Kindern (21 Prozent) oder ein bzw. mehrere Freunde (19 Prozent).

Persönliche Hindernisse für die Auszeit: Finanzierung, Arbeitgeber, Familie oder Karriereängste

Spannende Frage zum Schluss: Was hindert Deutsche daran tatsächlich eine berufliche Auszeit zu nehmen und den Wunsch in die Tat umzusetzen? Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) nennt hier die Finanzierung. Ihnen fehlt das Geld. Mehr als ein Viertel gibt an, dass dieser Wunsch am Einspruch des Arbeitgebers scheitern würde. Jeweils knapp 17 Prozent sehen einerseits die familiäre Situation und andererseits die Angst vor einem Karriereknick als entscheidende Hindernisse. Männer haben hier gegenüber Frauen mit 67 zu 33 Prozent deutlich mehr Angst, ihre berufliche Zukunft durch ein Sabbatical zu gefährden. Jeder Zehnte Studienteilnehmer ist schlich zu faul, den Aufwand für die Planung in Kauf zu nehmen, fünf Prozent fehlt die Courage solch ein Projekt durchzuziehen und zwei Prozent scheitern noch daran, dass andere ihre berufliche Auszeit nicht gut finden würden.

Wer selbst überprüfen will, wie reif er für den Ausstieg ist, kann das hier testen:

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