Die einzige Frau, die im Januar 2017 in einen Dax-Vorstand aufrückt: Angela Titzrath.
Die einzige Frau, die im Januar 2017 in einen Dax-Vorstand aufrückt: Angela Titzrath. © Foto:HHLA / Tina Axelsson

Kienbaum | | von Annette Mattgey

Bei neuen Vorständen kommt es auf die Digital-Erfahrung an

Für die Karriere zahlt es sich aus, in einem Digitalunternehmen zu arbeiten. Denn Deutschlands Konzerne setzen bei ihren jüngsten Personalentscheidungen vermehrt auf digital versierte Vorstände: Von den zum Jahreswechsel neu berufenen Vorständen hat knapp die Hälfte in der digitalen Wirtschaft gearbeitet; während nur einer von drei Vorständen mit aktueller Vertragsverlängerung Berufserfahrung im Digitalumfeld hat. Das zeigt sich auch daran, dass aktuell nur einer der Dax-Vorstände bei Twitter zu finden ist.

Insgesamt sind die Führungsgremien stark in Bewegung: In Dax30, MDax, TecDax und SDax haben zum Jahreswechsel rund 120 Vorstände das jeweilige Unternehmen verlassen, kamen neu ins Unternehmen, stiegen intern auf oder haben ihren Vertrag verlängert. Das zeigt eine Analyse der Personal- und Managementberatung Kienbaum.

"Um die Digitalisierung zu meistern, müssen die Unternehmen ihre Führungsgremien mit den richtigen Persönlichkeiten besetzen. Gefragt sind Manager mit Digital-Knowhow und Change-Management-Kompetenzen, die die digitale Transformation vorantreiben und dabei helfen, das Unternehmen noch wettbewerbsfähiger zu machen", sagt Fabian Kienbaum, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Beratung.

Die klassische "Schornsteinkarriere" scheint ein Auslaufmodell zu sein: Nur noch jeder vierte neue Dax-Vorstand ist im gleichen Unternehmen über viele Jahre die Karriereleiter nach oben gestiegen. Konzernerfahrung ist dagegen nach wie vor gern gesehen: Mehr als die Hälfte der Manager, die von außen neu in den Vorstand gekommen oder intern aufgestiegen sind, bringt Erfahrung aus anderen börsennotierten Unternehmen mit: Kasper Rorsted war zum Beispiel von April 2008 bis April 2016 Vorstandsvorsitzender von Henkel, bevor er im Oktober Vorstandvorsitzender von Adidas wurde, und Angela Titzrath hatte im Laufe ihrer Karriere unter anderem diverse Managerfunktionen im Daimler-Konzern inne, bevor sie ihr Vorstandsmandat bei der Hamburger Hafen und Logistik antrat. Hingegen kann nur jeder vierte Vorstand, der seinen Vertrag in diesem Jahr verlängert hat, eine solche umfassende Erfahrung aus einem anderen börsennotierten Unternehmen vorweisen.

"Die Dax-Konzerne rekrutieren geeignete Kandidaten für ihr Vorstandsgremium vermehrt von außerhalb statt aus den eigenen Reihen. Das war früher oft anders: Von den Vorständen, deren Verträge die Unternehmen zu 2017 hin verlängert haben, kamen 60 Prozent nach einer geradlinigen Schornsteinkarriere im selben Unternehmen an diese Position", sagt Fabian Kienbaum.

Nur eine Frau rückt neu in den Vorstand auf

Bei weiblichen Vorstandsmitgliedern gab es Stand Jahreswechsel insgesamt neun Neuigkeiten. Mit Angela Titzrath erhält nur eine Frau einen neuen Vorstandsvertrag in den deutschen Dax-Konzernen. Sie ist seit Oktober 2016 Vorstandsmitglied und seit Januar 2017 Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG. Außerdem verlängern drei Frauen ihr Vorstandsmandat, vier steigen innerhalb des Unternehmens auf und Margret Suckale von BASF legt ihr Vorstandsmandat nieder.

Bei neuen Vorständen kommt es auf die Digital-Erfahrung an

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