Personal Total | | von Annette Mattgey

Arbeitszeugnisse fallen zu positiv aus

Lobhudeleien statt ehrlicher Bilanz der Arbeitsergebnisse: Viele Arbeitszeugnisse, die eine Beurteilung des Mitarbeiters enthal­ten, fallen oft zu positiv aus und werden häufig von den Mitarbei­tern sogar selbst verfasst. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Personal Total. Dabei fanden die Forscher eine deutl­iche Diskrepanz zwischen dem immer noch hohen Stellenwert von qualifizierten Arbeits­zeug­nissen bei der Bewerberauswahl und ihrem tatsächlichen Informa­tions­­gehalt: So sind 87 Prozent der Teil­nehmer der Meinung, dass eine Bewerbung ohne qualifiziertes Arbeitszeugnis unvoll­ständig ist und 77 Prozent lehnen Be­wer­­bungen häufig oder zumindest gelegentlich auf­grund der vorge­legten Zeug­nisse ab. Gleichzeitig haben mehr als zwei Drittel der Befragten schon selbst eine aus ihrer Sicht eigentlich zu posi­tive Beurtei­lung ausgestellt, um mögliche Aus­einander­setzungen mit dem Arbeit­nehmer zu vermeiden. Weit verbreitet ist auch die Praxis, das Arbeits­zeugnis durch den Mit­arbeiter selbst verfassen zu lassen: Über 80 Prozent der Per­sonal­ver­ant­wort­lichen geben an, dass sie einige (63 Prozent) oder sogar zahlreiche (20 Prozent) Fälle kennen, in denen ein Zeugnis auf diese Weise entstanden ist.

Die schriftliche Beurteilung entspricht damit häufig nicht mehr der tat­säch­lichen Leistung und dem Engagement des Mitarbeiters, so dass das qualifizierte Arbeitszeugnis zukünftigen Arbeitgebern kaum noch Anhaltspunkte für eine realistische Einschätzung bietet. Dies spiegelt sich auch in der Unsicher­heit, die viele Per­sonaler bei der Zeug­nisbewer­tung haben: Nur knapp ein Viertel (24 Prozent) der Umfrage­teil­nehmer glaubt von sich, aus qualifizier­ten Arbeitszeug­nissen immer oder zumindest in den meisten Fällen eine korrekte Bewertung ableiten zu können.

„Unsere Expertenbefragung zeigt, dass das qualifizierte Arbeitszeugnis offensichtlich nicht mehr zeitgemäß ist“, erläutert Personal Total-Vorstand Armin Betz. „Es sorgt für hohen Aufwand bei den Personalab­tei­lungen, ist Ursache für Missverständnisse auf beiden Seiten und immer wieder auch Anlass für gerichtliche Auseinandersetzungen.Ar­beits­pro­ben, Referenzen und auch ausführliche Tätigkeits­beschrei­bungen sind heute deutlich objektivere und fairere Grundlagen für die Auswahl eines Mitarbeiters. Darauf sollten auch der Gesetzgeber und die Tarifpartner reagieren und eine Neuregelung angehen.“    

 

 

Arbeitszeugnisse fallen zu positiv aus

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