Interview | | von Annette Mattgey

Arbeitsmarkt-Forscher: "Akademiker stehen deutlich besser da"

Akademiker sind zwar seltener arbeitslos als andere. Aber ob sich ein Hochschulstudium finanziell auszahlt, hängt vom Studiengang und der Branche ab, räumt der Wirtschaftswissenschaftler Heiko Stüber im Interview mit LEAD digital ein. Er ist einer der Autoren der Studie "Bildung lohnt sich ein Leben lang" des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Ihre Erkenntnis, dass sich ein Studium mit 1,25 Millionen Euro Zusatzverdienst auszahlt, wird im Netz heiß diskutiert (etwa im Blog "Aktuelle Sozialpolitik" des VWL-Professors Stefan Selle). Schon jetzt gibt es Fachrichtungen, für die sich ein Studium "rein monetär betrachtet kaum auszahlt", so Stüber.

Dass sich eine Ausbildung lohnt, wird jeder unterschreiben. Aber trifft es auch für das Studium der aktuellen Mittzwanziger und -dreißiger zu ?

Ich denke, dass sich ein Studium meistens lohnt. Dass es in einigen Bereichen für Akademiker schwer ist, eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle zu „ergattern“, ist sicher richtig. Wenn man sich jedoch (Fach-) Hochschulabsolventen insgesamt anguckt, stehen sie deutlich besser da als Personen ohne abgeschlossenes Studium:

Die Arbeitslosenquote von Personen mit (Fach-) Hochschulabschluss lag 2012 bei 2,5 Prozent während sie bei Personen mit Lehre/Fachschule bei fünf Prozent und bei Personen ohne Berufsabschluss bei 19 Prozent lag. (IAB-Berechnung auf Basis Mikrozensus und Strukturerhebung der BA)

Auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verlief deutlich positiver als für andere Beschäftigte (siehe S. 11 der Broschüre "Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker, Download hier).

Außerdem muss man auch berücksichtigen, dass für viele Berufe ein Studium einfach Pflicht ist und viele Personen ein Studium nicht wegen des späteren Einkommens wählen, sondern weil sie in einem bestimmten Bereich oder Beruf arbeiten möchten.

Erhöht der demografische Wandel nicht die Bereitschaft der Unternehmen, sich auch mit anderen Qualifikationen als dem Studium zufrieden zu geben und stattdessen auf betriebliche Weiterbildung zu setzen?

Der demografische Wandel wird sicher dazu führen, dass Unternehmen eher bereit sind, auch Personen ohne Studium einzustellen, um diese dann weiterzubilden. Ich gehe aber davon aus, dass dadurch die Bildungsprämien nicht unbedingt sinken müssen. Auch würde ich erwarten, dass in vielen Bereichen die Firmen zuerst versuchen werden, benötigtes Personal aus dem Ausland anzuwerben. Des Weiteren muss man berücksichtigen, dass in einigen Berufen das Studium einfach unabdingbar ist!

Welche Faktoren bestimmen Ihrer Meinung nach, ob sich die Bildungsprämie für einen heute Jugendlichen in Zukunft so realisieren lässt wie für die heutigen Akademiker?

Ich denke die Bildungsprämien hängen stark von Angebot und Nachfrage ab. In Bereichen, in denen ein Überangebot von Absolventen existiert, sind die Bildungsprämien sicher heute schon deutlich geringer als in anderen Bereichen. Auch hängt die Bildungsprämie sicher stark vom Wirtschaftszeig ab. Gerade in sozialen Berufen und im Bereich Kunst/Kultur sind die Einkommen oft so niedrig, dass sich rein monetär betrachtet ein Studium kaum lohnt.

Wie sich die Bildungsprämien entwickelt, wird aber sicher auch stark vom Fachkräftemangel abhängig sein. Es ist davon auszugehen, dass in Berufen mit hohem Fachkräftemangel die Löhne mittelfristig ansteigen werden. Das kann dazu führen, dass der Abstand der Bildungsprämie von Personen mit Ausbildung und Personen mit Studium sinkt, während gleichzeitig die Personen ganz ohne Ausbildung weiter zurückfallen.

Grundsätzlich denke ich, ist es schwer pauschale Aussagen zu treffen. Wenn sich Jugendliche überlegen, ob sie nach dem Abitur eine Ausbildung machen oder studieren wollen, hängt die Bildungsprämie für den Jugendlichen stark davon ab für welche Berufe, welches Studium er sich interessiert.

Wie schätzen Sie die Aussichten im Medien-Bereich ein?

Da die Datenlage hierzu nicht ausreicht, kann ich ihnen leider keine näheren Angaben für die Medienbranche bieten. Einige Zahlen bietet jedoch die Broschüre der Bundesagentur für Arbeit:

  • So hat sich der Jahresdurchschnittsbestand von Arbeitslosen in der akademischen Berufsgruppe „Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit“ von 2011 auf 2012 um 5,9 Prozent reduziert. (Broschüre, S. 22)
  • Allerdings zeigt die Broschüre auch (S. 29), dass die durchschnittliche Vakanzzeit von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen in diesem Bereich deutlich geringer ist als in anderen akademischen Berufsgruppen. Dies spricht dafür, dass in dem Bereich „Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit“ kein Fachkräfteengpass herrscht.
  • Auf den Seiten 84 – 86 beschäftigt sich die Broschüre speziell mit dem Arbeitsmarktbedingungen und -entwicklungen im Bereich „Redaktion, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit!

Heiko Stüber arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das der Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Kaiserslautern. Im November 2012 schloss er seine Promotion (Dr. oec.) an der Universität Hohenheim erfolgreich ab.

Arbeitsmarkt-Forscher: "Akademiker stehen deutlich besser da"

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