Juristen-Tipp | | von einem W&V Leserautor

Arbeitgeberbewertung im Internet: Diese Regeln sind wichtig

Auf Kununu.de und Glassdoor.de können Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber mittels eines Punktesystems bewerten und zudem Informationen zum Gehaltsgefüge weitergeben. Dabei müssen sich Arbeitnehmer an Regeln halten. Arbeitgeber müssen sich nicht alles gefallen lassen, erklärt Fachanwältin Caroline Hevert*.

Online-Portale wie Kununu.de und Glassdoor.de bringen Transparenz in die Arbeitswelt und schaffen Orientierungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer, insbesondere bei der Jobsuche. Die Bewertungsmöglichkeiten werden immer umfassender. Es locken Insider-Infos zu Jobs und Unternehmen. Für Arbeitnehmer also die Chance, den Chef  unter dem Schutzmantel der Anonymität "mal so richtig in die Pfanne zu hauen"  und Betriebsgeheimnisse ausplaudern und das auch noch für alle sichtbar?

Dürfen sich Arbeitnehmer im Internet wirklich alles erlauben und alles preisgeben? Die Antwort ist klar und deutlich: Nein.

Arbeitnehmer bewegen sich bei der Abgabe von Bewertungen und der Weitergabe von Informationen nicht in einem rechtsfreien Raum. Missachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen kann zur Aufhebung der Anonymität führen und Konsequenzen im Arbeitsverhältnis nach sich ziehen. Arbeitgebern ist zu empfehlen, sich regelmäßig durch Einsicht in die Bewertungsportale ein Bild von der Bewertungssituation zu ihrem Unternehmen und ihren Führungspositionen zu machen. Die Auswertung und Prüfung der erlangten Informationen kann Umstrukturierungsmaßnahmen oder Personalentscheidungen erforderlich machen.

Unabhängig von arbeitsrechtlichen Besonderheiten darf der informierende Arbeitnehmer lediglich wahre Tatsachen auf der jeweiligen Bewertungsplattform veröffentlichen. Die bewusste Vergabe unberechtigt niedriger Bewertungspunktzahlen dürfte hierbei als nicht gestattete falsche Tatsachenbehauptung einzustufen sein.

Bei der Kundgabe ihrer Meinung müssen sich Arbeitnehmer innerhalb der Grenzen der Erlaubten halten. Das durch das Grundgesetz geschützte Recht der freien Meinungsäußerung ist hierbei weit auszulegen. Die Grenzen der erlaubten Meinungsäußerung werden jedoch bei der Ausübung von Schmähkritik an Arbeitgebern überschritten.

Bei einer Äußerung handelt es sich dann um eine Schmähung, wenn nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht und sie jenseits auch polemischer und überspitzter Kritik in der Herabsetzung der Person besteht. Die Abgrenzung zwischen hartem (erlaubten) Werturteil und verbotener Schmähkritik kann im Einzelfall schwierig sein. Eine Schmähkritik liegt in jedem Fall bei einer Beleidung vor wie z.B. dieser Arbeitgeber ist ein "…" (beleidigendes Schimpfwort).  Ebenso sind Verleumdungen, üble Nachrede und Beleidigungen auch anonym im Internet nicht erlaubt. Bei Überschreitung dieser Grenzen drohen Strafverfahren, mit Verurteilung zu Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen bis zu mehreren Jahren.

Eine Überschreiten der Grenzen der freien Meinungsäußerung kann einerseits dazu führen, dass die entsprechende "Bewertung" vom Betreiber gelöscht wird oder der "Informierende" als Nutzer des Bewertungsportals gesperrt wird und andererseits kann die Anonymität des "Informierenden" aufgehoben werden. Der geschmähte Arbeitgeber kann vom Plattformbetreiber die Bekanntgabe der dem Pseudonym zugeordneten Nutzerdaten fordern. In der Regel werden die Gerichte einem entsprechenden Antrag stattgeben.

Unbedachter Informationswahn kann zudem arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Je nach Einzelfall sind vom Arbeitgeber ausgesprochene Abmahnungen oder sogar fristlose Kündigungen und Schadensersatzforderungen die berechtigte Folge. Bereits der begründete Verdacht einer Straftat kann zur wirksamen Kündigung ausreichen. Damit ein begründeter Verdacht vorliegt, darf die Begehung einer Straftat nicht zur vage vermutet werden, sondern es muss eine hohe Wahrscheinlichkeit der Begehung gegeben sein, die wiederum aus den jeweiligen Gesamtumständen zu beurteilen ist.

Eine weitere Grenze wird dem Informationsaustausch über Arbeitgeber und Arbeitsbedingungen durch die arbeitsvertragliche Treuepflicht gesetzt, nach welcher jeder Arbeitnehmer auf die Rechtsgüter des Arbeitgebers Rücksicht nehmen muss. Die arbeitsvertragliche Treuepflicht verbietet es dem Arbeitnehmer beispielsweise, Dritten Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu offenbaren – das gilt auch für Internetportale. Betriebliche Vorgänge, die nicht für alle offensichtlich sind, dürfen nicht gepostet werden, wenn der Betriebsinhaber einen "Geheimhaltungswillen" hat. Damit sollen die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens geschützt werden. Zudem dürfen keine ruf- oder kreditschädigenden Mitteilungen gemacht werden.

Vom Bewertungsportal Glassdoor wird insbesondere die Möglichkeit des Gehaltsvergleichs hervorgehoben. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Offenlegung des eigenen Gehalts gestattet ist, auch wenn eine entsprechende Verschwiegenheitsklausel im Vertrag festgeschrieben ist. Diese ist in der Regel unwirksam. Auch hier kommt es jedoch auf den jeweiligen Einzelfall an. Es bleibt abzuwarten, welche Linie die Rechtsprechung einschlagen wird. Bei Bekanntgabe des Gehaltsgefüges könnten im Ergebnis Rückschlüsse auf dessen Solvenz und wirtschaftliche Stellung damit seine Wettbewerbsfähigkeit gezogen werden. Spätestens dann ist zu erwarten, dass Unternehmen gegen eine zu starke Transparenz vorgehen.

Auch Fotos vom Arbeitsplatz sollten Arbeitnehmer nur online stellen, wenn darauf keine Kollegen ohne deren Einverständnis abgelichtet sind und der Arbeitgeber das Anfertigen von Fotos nicht verboten hat.

Arbeitnehmer sollten jedes Einstellen einer Bewertung vorab genau überdenken. Arbeitgeber müssen sich nicht mit jeder Bewertung abfinden.

* Caroline Hevert ist Fachanwältin für IT-Recht und arbeitet in der Kanzlei Zakrzewski – Turowski – Ilhan – Leberig & Kollegen.

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Die besten Agenturen der USA

von Kay Städele

Seit Januar gibt es die Arbeitgeberbewertungs-Plattform Glassdoor auch auf deutsch. Dort kann die die Belegschaft ihr Unternehmen, die Work-Life-Balance und ihre Chefs bewerten sowie auch angeben, was die Beschäftigten verdienen. Für W&V hat sich der Benotungs-Service die Bewertungen der Agenturlandschaft angeschaut. Bedingung: Sie müssen in den USA aktiv sein. Dabei gibt es tatsächlich ein paar Top-Agenturen aus der Sicht der Mitarbeiter. Diese müssen aber nicht unbedingt die besten Gehälter zahlen. Die nachfolgenden Zahlen beruhen auf den Angaben der Beschäftigten auf Glassdoor. Die Fallzahlen schwanken dabei allerdings beträchtlich, weshalb die Werte nicht repräsentativ sind, aber einen ersten Eindruck geben. Doch nicht alles ist bei der Arbeitgeber-Bewertung erlaubt, zeigt unser "Juristentipp".

Unternehmensbewertung allgemein – BBH liegt vorn

Nutzer von Glassdoor vergeben ihre Bewertungen auf einer Skala von 1 bis fünf. Den höchsten Wert bei den Agenturen in den USA erreicht Bartle Bogle Hegarty (BBH) mit einem Wert von 4,3. Es folgen TBWA (4,0), Leo Burnett (3,8), Grey (3,6), Publicis (3,5), Ogilvy & Mather (3,5) sowie BBDO (3,4) und McCann Erickson (3,3). Am Ende der Liste – Glassdoor untersuchte insgesamt 14 Agenturen – stehen JWT (3,0), Saatchi & Saatchi (2,9) und AKQA (2,7).

Karrieremöglichkeiten – TBWA an der Spitze

In Sachen Karrieremöglichkeiten zeigt sich ein anderes Bild: TBWA verzeichnet mit 3,7 den Spitzenwert. Dahinter reihen sich Leo Burnett (3,5), BBDO (3,3), Publicis (3,3) Ogilvy & Mather (3,2) sowie McCann Erickson (3,2) und BBH (3,1) ein. In dieser Kategorie erreichen JWT (2,9), Havas Worldwide (2,8) und Y&R (2,7) die schlechtesten Werte. Allerdings sind alle nah beieinander.

Kultur & Werte – TBWA auch hier vorne

Bewerten die Beschäftigten die Kultur und die Werte der Agentur findet sich TBWA mit einem Wert von 4,6 an der Spitze. Dahinter platzieren sich BBH (4,3), Leo Burnett (3,9), Grey (3,8) sowie McCann Erickson (3,8) und Ogilvy & Mather (3,7). Am Ende dieser Kategorie tauchen Y&R (2,9), Havas Worldwide (2,7) und Saatchi & Saatchi (2,7) auf.

Chefetage – BBH mit Bestwerten

Da freut sich CEO Simon Sherwood. Geht es um die Chefetage, erhält BBH mit 4,4 die beste Bewertung. Die nächsten Plätze belegen TBWA (3,3), Leo Burnett (3,2), Publicis (3,2) sowie BBDO und Grey mit jeweils 3,0. Am wenigsten unter den untersuchten Agenturen trauen die Beschäftigten dem Senior Mangement von JWT (2,4), Havas Worldwide (2,3) und AKQA (2,1) zu.

Work-Life-Balance – bei BBH top

Auch in der Kategorie Work-Life-Balance kann BBH seine Mitarbeiter überzeugen (3,6). Dicht dahinter folgen Leo Burnett (3,6), Y&R (3,5), Saatchi & Saatchi (3,5) sowie BBDO (3,3) und JWT, Ogilvy & Mather, Publicis und FCB mit jeweils 3,2. Am wenigsten Balance verspürte die Belegschaft bei Havas Worldwide (2,8), TBWA (2,6) und AKQA (2,3).

Bezahlung – am meisten bekommt der Art Direktor bei BBDO

Wem das alles egal ist und nur auf den Gehaltszettel schaut, sieht da bei BBDO am meisten – jedenfalls wenn es um die Stelle des Art Directors geht: 147,099 US-Dollar. Eine Menge bezahlen auch BBH (107,087 US-Dollar), AKQA (101,526), Publicis (89,666) sowie TBWA (84,954) und Grey (83,384). In der Glassdoor-Untersuchung überwiesen Leo Burnett (68,841), FCB (66,390) und Y&R (63,450) am wenigsten ihren Art Direktoren.

von Kay Städele - Kommentare Kommentar schreiben