Recruiting-Studie | | von Raoul Fischer

Arbeitgeber finden Home Office problematisch

Unternehmen sehen nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten bei der Besetzung vakanter Stellen. Das geht aus der aktuellen Studie Recruiting Trends 2014 hervor, die Monster unlängst gemeinsam mit Professor Tim Weitzel von der Universität Bamberg vorgestellt hat. Grundsätzlich geht die Hälfte der deutschen Top-1000-Unternehmen davon aus, dass die Mitarbeiterzahlen in diesem Jahr steigen. Aber bei 35,8 Prozent der Stellen gehen sie davon aus, dass sie schwer zu besetzen sind, bei weiteren 5,8 Prozent, dass sie gar nicht besetzt werden können. Seit über zehn Jahren befragt das Center of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Karriereportal Monster die 1000 größten deutschen Unternehmen. Parallel dazu veröffentlichen die Partner die Studie Bewerberpraxis 2014, für die über 10.000 Bewerber zu Einstellungen, Erwartungen und  ihrem Verhalten bei der Jobsuche interviewt wurden.

Mit Blick auf die Recruiting-Kanäle bestätigen sich die Trends der letzten Jahre. Die Karriere-Website liegt vor Internet-Stellenbörsen, der Arbeitsagentur und Mitarbeiterempfehlungen. Allerdings: 64,8 Prozent der Arbeitgeber sehen Social Media inzwischen positiv, 56,1 Prozent der Bewerber goutieren es, wenn Unternehmen im Recruiting soziale Netzwerke nutzen. Auch das Thema Mobile Recruiting scheint angekommen zu sein. Immerhin erwarten zwei Drittel der befragten Unternehmen einen großen Einfluss auf die Rekrutierung. Allerdings hinkt die Umsetzung noch hinterher: Nur rund ein Viertel der befragten Stellensuchenden findet die mobile Darstellung von Karriere-Webseiten (25,2 Prozent), Stellenanzeigen auf Karriere-Webseiten (21,7 Prozent) und Internet-Stellenbörsen (26,4 Prozent) unproblematisch. Allerdings ein Fortschritt: Diese Werte lagen im vergangenen Jahr zum Teil deutlich unter 20 Prozent (18,9, 15,8 sowie 19,6 Prozent).

Als Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel setzen die Unternehmen vor allem auf eigene Ausbildungsaktivitäten (91,5 Prozent), flexible Arbeitszeitmodelle (83,8) und Telearbeit/Homeoffice (72,6), gefolgt von Umschulungsmaßnahmen und Rekrutierung von ausgewählten Zielgruppen wie Frauen, über 50-jährigen Arbeitnehmern sowie Kandidaten aus dem Ausland. Das Thema flexible Arbeitszeiten und Home Office bilden einen eigenen Schwerpunkt beider Studien. 94,1 Prozent der Unternehmen sehen daraus resultierend aber auch Probleme in der Zusammenarbeit.

Das bestätigt die Bewerber-Sicht: 55,6 Prozent der befragten Bewerber sagen, dass der Informationsaustausch zwischen Kollegen schlechter wird, 24,9 Prozent glauben, dass sie mehr arbeiten müssen, wenn sie im Home-Office sind, 16,5 Prozent gehen davon aus, dass sie mehr arbeiten müssen, wenn ihre Kollegen im Home-Office sind. Ein Blick auf die Bedürfnisse der Bewerber zeigt: Flexible Arbeitszeitmodelle sind gar nicht das wichtigste (siehe Grafik), sondern kommen erst an dritter Stelle. Das Gehalt (48,9 Prozent), die Produktmarke (40,8 Prozent) oder ein soziales Engagement des Arbeitgebers (43,9 Prozent) spielen für Bewerber eine weitaus geringere Rolle.

„Personalabteilungen müssen sich neu erfinden – die Änderungen gehen bis „in die DNA“ der Unternehmen. Angesichts der Ergebnisse rund um Besetzbarkeitsprobleme, gestiegenen Ansprüchen der Kandidaten und der technologischen Neuentwicklungen muss mehr geschehen als nur das Bild in einer Stellenanzeige auszutauschen. Die Personalabteilungen müssen sich ganz neu im Unternehmen positionieren und ihr Know-how in zahlreichen Bereichen stärken“, kommentiert Bernd Kraft, Vice President und General Manager Central Europe bei Monster. Und Professor Tim Weitzel von der Universität Bamberg bestätigt: „Unternehmen müssen heute neue Impulse geben, um Arbeitszeiten und Arbeitsumfelder attraktiver zu gestalten.“ Für die „Recruiting Trends 2014“ wurden 128 Unternehmen befragt, die repräsentativ für die Top-1000-Arbeitgeber in Deutschland sein sollen. Hinzu kamen dieses Jahr jeweils rund 30 Interviews aus Unternehmen der Schwerpunktbranchen IT, Health Care und Maschinenbau. Seit 2002 summierten sich 3428 ausgefüllte Unternehmensfragebogen und 64 Fallstudien auf. Für die Reihe Bewerbungspraxis wurden seit 2003 über 110 000 Bewerber befragt – allein für 2014 rund 10.000.

Weitere Informationen zu den Studien gibt es hier.

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