Arbeiten 4.0.: Lebenslanges Lernen wird Standard
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Digitale Arbeitswelten | | von Anja Janotta

Arbeiten 4.0.: Lebenslanges Lernen wird Standard

Die Digitalisierung der Arbeitswelt trifft nahezu alle Branchen. Nicht nur Arbeitsministerin Andrea Nahles hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt - sie stellte an diesem Dienstag einen Abschlussbericht zum Weißbuch 4.0 vor, in dem es um neue Arbeitskonzepte geht und u.a. auch um die Lockerung der Arbeitszeiten.  Ebenso hat sich der BVDW über die neue Arbeitswelt Gedanken gemacht. Der Verband hat ebenfalls einen Leitfaden veröffentlicht: "Arbeiten 4.0" heißt dieser und fasst zusammen, was den Arbeitsmarkt in der digitalen Welt derzeit bewegt, wo Handlungsbedarf besteht und was selbstbewusste Arbeitnehmer heute ganz selbstverständlich voraussetzen.

Das Zeugnis, das der BVDW darin der Branche ausstellt, ist nicht unbedingt schmeichelhaft. Denn vieles liegt im Argen. Wie groß beispielsweise der Nachholbedarf in Sachen digitale Kompetenzen ist, habe die diesjährige Talent-Revolution-Umfrage gezeigt, die der BVDW gemeinsam mit der Boston Consulting Group und der Google Digital Academy durchgeführt hat. Demnach liegen Weiterbildungsprogramme im Bereich Digitales Marketing weit hinter den Anforderungen zurück. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer hatten ihrer Meinung nach keinen Zugang zu einem entsprechend qualifizierendem Weiterbildungsprogramm.

Der nun veröffentlichte Leitfaden empfiehlt eine nachhaltige Problemlösung: Digitale Kompetenzen müssen vor allem in den Schulen und Hochschulen flächendeckend vermittelt werden", fordert nun Harald Fortmann, Arbeitswelt-Botschafter des BVDW und für den Personalberaters D-Level tätig. "Die Floskel 'lebenslanges Lernen' wird aus Mitarbeiter- wie auch aus Unternehmenssicht zur zwingenden Realität."
 
Berufsbilder wandeln sich oder fallen weg, der Arbeitsalltag wird immer komplexer - "darauf müssen wir uns jetzt vorbereiten und die entsprechenden Kompetenzen vermitteln", sagt Fortmann. Die Unternehmen müssten ebenso entsprechende Organisationsstrukturen aufsetzen. So seien zum Beispiel immer mehr Raumkonzepte Usus, "die nicht mehr für alle Mitarbeiter gleichzeitig Platz bieten und in denen man auch nicht jeden Tag am gleichen Tisch sitzt." Gleichzeitig verändern sich auch die Ansprüche der Arbeitnehmer. Gehalt und Sicherheit hätten nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Für die nachrückende Generation sind hingegen die persönliche Weiterentwicklung, Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Sabbaticals immer wichtiger.

Ins gleiche Horn wie der BVDW bläst auch der Verband Bitkom, der zwar das Weißbuch der Arbeitsministerin begrüßt, dem aber die vorgeschlagenen Flexibilisierungen nicht weit genug gehen, um den Arbeitgeber-Anforderungen der Branche gerecht zu werden. "So sollte die Digitalwirtschaft, in der gute Löhne gezahlt werden und sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzt, grundsätzlich von den Einschränkungen bei Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen ausgenommen werden. Zudem sollten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf neue Formen der Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung rechtlich ermöglicht werden," heißt es in einer Stellungnahme. Insbesondere das Arbeitszeitgesetz müsse flexibler ausgestaltet werden. Die gesetzlich vorgeschriebene elfstündige Ruhepause sei beispielsweise nicht mehr zeitgemäß und steht dem Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten entgegen. Auch die betriebliche Mitbestimmung müsse dem digitalen Wandel der Arbeit Rechnung tragen.

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