Salesforce-Chef Marc Benioff legt sich mit SAP und Oracle an.
Salesforce-Chef Marc Benioff legt sich mit SAP und Oracle an. © Foto:Jakub Mosur Photography

Firmen-Software | | von Annette Mattgey

Apple, Facebook und Salesforce machen SAP Konkurrenz

Vom Personalwesen über Vertrieb und Marketing bis zur Logistik: Software für Unternehmen, das ist ein genauso riesiger wie lukrativer Markt. Sie war bisher das Feld von Großkonzernen wie SAP und Oracle. Jetzt müssen sie sich neuen Konkurrenten mit Lösungen aus der Cloud stellen. Auch Apple will hier mitverdienen. Dazu hatte das Unternehmen eine Partnerschaft mit IBM geschlossen.

Eine ganze Reihe neuer Business-Anwendungen für Unternehmenskunden seien ab sofort verfügbar, teilten Apple und IBM jetzt mit. Die Apps sind für den Einsatz in Unternehmen gedacht, die das iPhone oder iPad von Apple verwenden. Über die iOS-Plattform von Apple wollen die Partner neuartige maßgeschneiderte Analytik-Funktionen für spezielle Einsatzbereiche in der Industrie anbieten. Zu den ersten Kunden zählen demnach der Finanzdienstleister Citi, Air Canada, der Telekommunikationskonzern Sprint und das mexikanische Kreditinstitut Banorte. Auch in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz sei man mit potenziellen Kunden im Gespräch, sagte IBM-Manager Urs Schollenberger der dpa.

Schollenberger betonte, es gehe bei der "einzigartigen Partnerschaft" zwischen Apple und IBM nicht darum, Anwendungen für den PC oder Laptop auf den kleineren Bildschirm eines Smartphones oder Tablets zu bringen, sondern um neue mobile Workflows, die beispielsweise auch die Sensoren der Mobilgeräte - etwa den GPS-Empfänger zur Ortsbestimmung - zu nutzen.

Die App "Plan Flight" etwa soll es Piloten erlauben, Flug- und Zeitpläne sowie Besatzungslisten mobil im Voraus zu sichten. Anhand des verfügbaren Treibstoffs sollen die Piloten dann bei Problemen fundierte Entscheidungen treffen und in Kontakt mit dem Bodenpersonal treten können.

Newcomer wie Apple greifen damit erfolgsverwöhnte Softwareriesen wie SAP und Oracle an. Die Verlockung auf das Geschäft mit Unternehmenssoftware ist groß. Laut SAP soll das für den deutschen Dax-Konzern zugängliche Marktvolumen für Unternehmenssoftware von 110 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 bis 2020 auf 350 Milliarden Dollar anschwellen - genug Anreiz für Konkurrenten, sich selbst um Krümel vom großen Kuchen zu bemühen.

Der heftigste Kampf zeichnet sich in dem schnell wachsenden Bereich mit sogenannter Cloud-Software ab. Gemeint ist damit Software, die online in Rechenzentren lagert und nicht mehr auf einzelnen Rechnern installiert wird. Abgerechnet wird über eine Miete für einen gewissen Zeitraum und nicht über einzelne, große Lizenzzahlungen. Das junge Geschäftsmodell gilt in der Branche als künftiger Status quo - wer hier nicht von Anfang an vorne mit dabei ist, droht den Anschluss zu verlieren.

Der große Trend 2015 scheint dabei die Vereinfachung zu werden. Der US-Vertriebsspezialist Salesforce will gar nicht mehr als Softwarehersteller wahrgenommen werden. Das Angebot des Konzerns aus dem Silicon Valley in Kalifornien soll komplett über den Webbrowser bedienbar sein. Komplexe und wartungsanfällige Software ist out. SAP-Chef Bill McDermott hat denn auch das Prinzip "Run simple" zur neuen Maxime erkoren. Zusammen mit einer schickeren grafischen Oberfläche wollen die Walldorfer ihre Anwendungen intuitiver machen und Kritikern Wind aus den Segeln nehmen.

Auch der US-Netzwerkgigant Facebook streckt seine Fühler aus, um die Welt der Geschäftskunden ins Visier zu nehmen. Insbesondere will Konzernchef Mark Zuckerberg wohl interne Kommunikationsprozesse in Unternehmen im Stil des bekannten Facebook-Newsfeeds vereinfachen.

Salesforce ist bereits ein paar Schritte weiter - und auf dem Weg an die Spitze. Als reiner Cloud-Anbieter peilt das 1999 gegründete Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr knapp 5,4 Milliarden Dollar Umsatz (4,4 Mrd Euro) an und ist damit der Primus in der Cloud. Das Unternehmen bietet Software zur Steuerung von Vertrieb, Marketing und Kundenkommunikation an. Zum Vergleich: SAP hat 2014 Erlöse von über einer Milliarde Euro in der Cloud eingeplant. Der Anbieter von Personalsoftware Workday und der Rundumanbieter Netsuite sind kleiner. Doch das Interesse von Kapitalmarkt und Analysten ist hoch, die kleinen Wachstumsfirmen werden verhältnismäßig scharf unter die Lupe genommen.

Der Kampf um die Vorherrschaft wird auch öffentlich geführt, die Töne klingen dabei zunehmend schrill. SAP-Chef Bill McDermott verweist gern auf die Verluste der versammelten Cloud-Rivalen. Netsuite-Chef Zach Nelson dagegen bezeichnet SAP-Programme als "antiquierte Software". Salesforce-Gründer Marc Benioff reizt mit der Ansage, die Walldorfer kurzfristig auch beim Gesamtumsatz (2013: 16,8 Mrd Euro) überholen zu wollen.

Große Worte gehören in der schnelllebigen Branche zum Handwerk - haben aber auch eine persönliche Komponente. Sowohl Benioff als auch Nelson entstammen der Kaderschmiede des SAP-Erzrivalen Oracle. Dessen Ex-Chef und Gründer Larry Ellison kultivierte eine leidenschaftliche Abneigung gegen SAP.

Die Schlagzahl in der Branche bleibt hoch. Unter anderem deswegen blättert SAP für den amerikanischen Anbieter von Reisekosten- und Spesenmanagement Concur mehr als 6 Milliarden Euro hin. Die Preise für passgenaue Zukäufe sind rasant gestiegen - laut Branchenkennern dauert das eigene Entwickeln neuer Produkte zu lange, die Zeit im Konkurrenzkampf aber drängt. Bei SAP muss sich die Strategie der milliardenschweren Zukäufe jetzt beweisen. Anfang 2015 will McDermott einen Mittelfristausblick geben. Mancher Analyst rechnet schon damit, dass die Investitionen in die Cloud die Gewinnziele weiter nach hinten rücken lassen.

(am/dpa, Marco Engemann)

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