André Limmer (Mitte) mit seinen Kolelgen Jochen Matzer (li.) und Markus Stolz.
André Limmer (Mitte) mit seinen Kolelgen Jochen Matzer (li.) und Markus Stolz. © Foto:Red Rabbit

Interview | | von Annette Mattgey

André Limmer plädiert für eine "Kultur des Experimentierens"

André Limmer steht vor einem Neustart. Ab sofort soll er sich bei Red Rabbit Innovations vor allem um digitale Geschäftsmodelle kümmern und seine Mitgeschäftsführer Jochen Matzer und Markus Stolz unterstützen. Im Oktober 2015 reaktivierte Ex-Leagas-Delaney-Geschäftsführer Matzer die Marke Red Rabbit und legte den Schwerpunkt der Agentur auf die Entwicklung ganzheitlicher Lösungen, auf Usability und Design. 

Seiner neuen Aufgabe kann sich Limmer mit voller Kraft und frischen Ideen widmen. Denn er hat ein Sabbatical von einem Dreivierteljahr hinter sich. Zuvor war er CEO bei Isobar, verließ die Agentur aber im Herbst 2015.

Inwiefern er nun von seinem Sabbatical profitiert, erzählt Limmer im Interview:

Ihr Sabbatical dauerte ein Dreivierteljahr. Was können Sie aus dieser Zeit mitnehmen, wenn Sie jetzt bei Red Rabbit Innovation starten?

Insgesamt war die kurze Pause für mich wichtig, um herauszufinden, welche digitalen Themen mich besonders begeistern. Ich habe mich in dieser Zeit vor allem im Startup-Kosmos bewegt, in Bereichen wie Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und "Communal Interfaces", und dabei experimentelle Produkte entwickelt und so für mich viele neue Impulse gesammelt. Die Entwicklung neuer digitaler Produkte und Services hat mich dabei am meisten fasziniert. Darauf basierend habe ich die Entscheidung getroffen, ein Netzwerk zu suchen, das sich dem Bereich der Innovation verschreibt. Das ist Red Rabbit Innovation.

Wie verändert Ihr Einstieg das Geschäft von Red Rabbit Innovation?

Es ist unser gemeinsames Ziel, Unternehmen in der Entwicklung neuer Marken, Produkte und Services zu unterstützen, um Wachstum zu fördern. Dazu haben wir ein 3-stufiges Modell entwickelt, das Potentialanalyse, Ideenentwicklung und Testing, d.h. Verifikation der Ideen, vereint.

Durch meinen Einstieg legen wir 2017 einen Schwerpunkt auf die Entwicklung digitaler Anwendungen und denken dabei trotzdem immer ganzheitlich, d.h. wir streben nach nutzerzentrisch-relevanten Lösungen, die einen Unterschied entlang der Customer Journey machen – egal ob die Idee on- oder offline oder beides ist.

Sie sagen, Sie wollen Research und Testing auf neue Art und Weise verbinden. Was meinen Sie damit?

Durch den Anstieg der technisch-kreativen Möglichkeiten herrscht kein Mangel an guten Ideen, sondern es geht darum, die richtige Idee zu identifizieren und auf eine effiziente Art und Weise auf die Straße zu bringen.

Hier bieten wir künftig eine Lösung, die es u.a. durch Rapid-Prototyping- und Growth-Hacking-Methoden ermöglicht, Produkte und Services mit "realen" Zielgruppen zu testen, deren Potential einzuschätzen und weiterzuentwickeln. Im Prinzip geht es darum, bekannte Methoden und Tools aus der Startup-Welt etablierten Unternehmen zugänglich zu machen und so über Marktforschung und Usability-Testing hinauszugehen.

In welchem Bereich brauchen etablierte Unternehmen besonders digitale Nachhilfe?

Da die Digitalisierung längst alle Bereiche eines Unternehmens umfasst, sind die Möglichkeiten sich als Unternehmen weiterzuentwickeln und seinen Kunden ein neues Angebot zu bieten, vielfältig geworden. Da gibt es keine allgemeingültigen Zauberformeln oder Regeln, sondern es geht primär um eine individuelle und stetige Neuerfindung entlang der eigenen Geschichte und Werte.

Das setzt eine Kultur des Experimentierens voraus, die es möglich macht, Erfahrung zu sammeln und einen eigenen Weg kreiert. An dieser Stelle wollen wir Unternehmen unterstützen, auf die richtige Mischung aus Bewährtem und Neuen zu setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Welcher Hype aus 2016 ist vorbei, welcher digitale Trend bleibt?

Meine Lieblings-Hypes 2016 waren AR, u.a. bedingt durch den Erfolg der Pokémon-Go-App, und Künstliche Intelligenz (KI), das durch Chatbots wie beispielsweise die Facebook-Messenger-Plattform an Bedeutung gewonnen hat. Beides sind gute Beispiele, wie einzelne Applikationen für einen großen Hype um Themen sorgen können und schnell wieder abkühlen.

Die Zeit zwischen "Yeah, das ist das nächste Ding" und "What’s next?" nimmt ab. Dabei haben AR und KI ihre große Zukunft unbestritten vor sich und sind zwei der Megatrends der nächsten fünf Jahre.

Für 2017 bin ich gespannt auf weitere neue Impulse, wodurch die reale Welt mit dem digitalen Raum fusioniert. Insbesondere das Thema Connected Retail ist spannend. Ansonsten wünsche ich mir vor allem mehr politische Strömungen im Netz, die demokratische Werte fördern und dabei als Gegenpol zu rechten Propaganda-Chatbots für Vielfalt sorgen.

André Limmer plädiert für eine "Kultur des Experimentierens"

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