Recruiting | | von Annette Mattgey

Agentur-Chef Liehr: "Kununu ist ein Must-have-Medium"

Empfehlungen durch die eigenen Mitarbeiter sind immer noch das beste Rezept, Neue zu finden. Kununu ist daher ein "Must-have-Medium", findet Andreas Liehr, Geschäftsführer von Huth + Wenzel. Die Frankfurter Agentur berät Kunden wie Suzuki Europe, die Sparda-Banken, Commerzbank und Merck unter anderem in Sachen Personalmarketing. Warum für ihn Kununu sogar wichtiger als Facebook ist, erzählt er im LEAD digital-Interview.

Inwieweit müssen Sie bei Ihren Kunden für das Thema Digital Employer Branding werben? Oder rennen Sie da offene Türen ein?

Das Thema Digital Employer Branding hat bei unseren Kunden aktuell eine sehr hohe Relevanz: Bewerber informieren sich heute überwiegend online über Unternehmens-Websites, Xing, Linkedin, Kununu, Facebook & Co.  Somit müssen wir Kunden nicht mehr überzeugen, dass digitales Employer Branding ein wichtiges Thema ist. Aufgrund unseres guten Rufs in diesem Bereich kommen einige Kunden erfreulicherweise von sich aus auf uns zu, wenn sie Beratung wünschen oder eine entsprechende Kampagne planen.

Welche Maßnahmen werden aus Ihrer Sicht über-, welche unterschätzt?

Eine stark unterschätzte Maßnahme ist das Job-Crowdsourcing im eigenen Unternehmen: Mitarbeiter werden zu Multiplikatoren und empfehlen relevante Jobs aktiv in ihren privaten und beruflichen Netzwerken beispielsweise über Xing, Facebook oder Linkedin. Unternehmen sollten deshalb verstärkt eigene Mitarbeiter in das Recruiting einbeziehen. Das stärkt das Wir-Gefühl im Unternehmen – und: Empfehlungen sind der beste Wege zu neuen Mitarbeitern.

Auch internes Employer Branding und die damit verbundene Kommunikation zu den bestehenden Mitarbeitern gewinnt an Bedeutung. Künftig werden Mitarbeiter ihre (Un-) Zufriedenheit vermehrt in sozialen Netzwerken wie Kununu oder Xing zum Ausdruck bringen. Das wirkt sich natürlich auf die Wahrnehmung bei potenziellen Bewerbern aus.

Überschätzte Maßnahmen kenne ich keine. Oft legen Unternehmen oder HR-Experten noch einen zu großen Fokus auf lang etablierte Maßnahmen, anstatt neue Wege zu gehen. Aber das sind eher Einzelfälle und kein generelles Thema.

Viele Online-Kontakte sind ja Mitmach-Medien (Facebook-Page, Xing, Kununu). Wie gewährleisten Sie hier für den Kunden einen konsistenten Auftritt und eine stabile Marke?

Wir stehen den Kunden beratend zur Seite und empfehlen ihnen – bevor sie Social Media-Maßnahmen in Angriff nehmen wollen – gemeinsam mit uns eine Social Media-Strategie und geeignete Guidelines zu entwickeln. Die Umsetzung und die tägliche Pflege wie regelmäßige Postings, Monitoring etc. liegen dabei häufig in der Hand des Kunden.

Wie sollten Unternehmen an das Thema Kununu rangehen?

Wenn die Hausaufgaben gemacht wurden und das Employer Branding strukturell sowie konzeptionell steht, sollten Unternehmen Kununu fest in ihre Kommunikationsmaßnahmen integrieren. Kununu ist zu einem ‚Must-have-Medium’ herangewachsen und ermöglicht es Unternehmen, sich glaubwürdig und transparant darzustellen. Die Bewertungen runden das Gesamtbild ab und helfen Unternehmen dabei, gegebenenfalls Optimierungsansätze für die Bereiche zu entwickeln, die nicht besonders gut bewertet wurden.

Dabei ist es hilfreich, wenn ein Unternehmen eine unverwechselbare Employer Branding- Kampagne mit eigenständiger Bildwelt vorzeigen kann. Das schafft einen Wiedererkennungswert und sorgt für einen einheitlichen Arbeitgeberauftritt.

Daneben sollte der Kununu-Auftritt mit authentischen sowie hochwertigen Bildern und Videos angereichert werden. So kann der Interessent einen ersten Einblick in das Unternehmen werfen und schauen, ob es zu ihm passt.

Haben Sie für einen Kunden schon mal ein Porträt in Kununu erstellt?

Bis jetzt haben wir noch kein Kununu-Porträt für einen Kunden erstellt, aber wir beraten gerne regelmäßig dabei. Meistens empfehlen wir unseren Kunden, selbst ein professionelles Kununu-Profil anzulegen. Viele Unternehmen haben jedoch nach wie vor Bedenken bei diesem Thema. Oft kommt die Frage auf „Was machen wir, wenn wir von Mitarbeitern oder ehemaligen Mitarbeitern schlecht bewertet werden?“. Diese Bedenken gilt es in Gesprächen abzubauen.

Braucht die Personalabteilung eigene Social Media-Kanäle für ihre Botschaften?

Das hängt vom Unternehmen ab. Nicht jedes Unternehmen hat die Inhalte, die Kapazität oder das Budget, um Social Media-Kanäle professionell zu führen. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Produkt, das Unternehmen oder den Arbeitgeber handelt.
 
Wurde das Thema Employer Branding im Vorfeld ordentlich aufgestellt, lassen sich die verschiedenen Social Media-Kanäle anhand zuvor festgelegter Kennzahlen entsprechend bewerten und die Strategie kann gegebenenfalls angepasst werden.

Fakt ist: Eine Facebook-Page ist beispielsweise schnell erstellt. Genauso schnell macht sich jedoch die Frage breit, wer was auf dieser teilen darf und soll oder wie man in den Dialog mit der Zielgruppe tritt. So ist ein professionelles Kununu-Profil im Vergleich zur Facebook-Page wahrscheinlich geeigneter und sinnvoller. Denn das Kununu-Profil gestattet einen guten Einblick in ein Unternehmen. Facebook kann das zwar auch, muss aber zusätzlich und hauptsächlich den Dialog mit den Usern suchen und führen. Das sollten Unternehmen sich vorher gut überlegen.

In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Unten sehen Sie die bereits erschienenen Artikel.

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