Die wenigsten fühlen sich bei der Arbeit so wohl.
Die wenigsten fühlen sich bei der Arbeit so wohl. © Foto:Photo Alto

Gallup-Studie | | von LEAD digital

80,3 Mrd. Euro: So viel kosten unzufriedene Mitarbeiter

Sie sind nicht nur nervig für jedes Unternehmen, sondern kosten richtig Geld: unzufriedene Mitarbeiter. 70 Prozent machen Dienst nach Vorschrift, fühlen sich ihrer Arbeit aber nicht emotional verbunden. Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Meinungsforschungsinstituts Gallup. Bei den 80,3 Milliarden Euro Schaden handele es sich vor allem um Einbußen bei der Produktivität der Unternehmen, erklärte der Autor des jüngsten "Engagement-Index", Marco Nink. Die Berechnung beruhe auf Daten des Statistischen Bundesamts sowie zu den durchschnittlichen Jahresgehältern. 

Für den Index befragt Gallup jedes Jahr mehr als 1000 Arbeitnehmer zu ihrer Zufriedenheit im Job. 70 Prozent der Befragten gaben dabei an, emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden zu sein und hauptsächlich Dienst nach Vorschrift zu machen. 15 Prozent hätten innerlich sogar schon gekündigt.

Sie fehlten häufiger und schwiegen öfter bei schwerwiegenden Fehlentwicklungen im Betrieb. Grund für den Missmut dieser kleineren Gruppe sei vor allem eine mangelnde Führungsqualität der Vorgesetzten, heißt es in der Studie. Gerade einmal jeder fünfte Befragte fühlte sich durch das Verhalten seines Chefs motiviert, hervorragende Leistungen zu erbringen.

Die Führung lässt zu wünschen übrig

"In punkto Führungsqualität klaffen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen weit auseinander", heißt es in dem in Berlin präsentierten Papier. Es seien vor allem grundlegende Dinge, die sich Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten wünschten, sagt Studienautor Nink: "Habe ich Klarheit im Hinblick auf das, was erwartet wird? Sind Aufgaben und Prioritäten klar? Bekomme ich Wertschätzung und konstruktives Feedback?" Hier hätten viele Arbeitgeber große Defizite.

Gerade einmal jeder fünfte Arbeitnehmer gebe an, die Führung der Vorgesetzten motiviere, "hervorragende Arbeit zu leisten", schreibt Nink in der Studie. Leisten könnten sich die Unternehmen das nicht. "Fluktuation ist ein großes Thema, in vielen Branchen fehlen Fachkräfte." Die Betriebe müssten alles daran setzen, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Coole Räume sind zu wenig

Auch eine angesagte Einrichtung der Geschäftsräume hilft laut Gallup nicht. Große Internet-Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Twitter setzen gerne auf eine Wohlfühlatmosphäre. Sie bieten Beschäftigten Ruhe- und Rückzugsräume und Ablenkungsmöglichkeiten wie Tischtennis- oder Kickertische. "Das ist aber nicht der Hebel für die emotionale Bindung der Mitarbeiter", sagt Nink. "Damit jemand mit Hand und Herz dabei ist, müssen die Grundbedürfnisse befriedigt sein." Mitarbeiter suchten Klarheit über die Aufgaben im Job und Wertschätzung.

Vor allem bei der Beurteilung der Leistungen hätten die Betriebe in Deutschland Nachholbedarf. Mehr als die Hälfte der Befragten gab in der Studie an, im vergangenen Jahr ein Feedback-Gespräch mit dem Chef gehabt zu haben - zu wenig, befinden die Studienautoren.

Widerspruch kommt von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Die Befragung geht weit an der betrieblichen Realität hierzulande vorbei", sagt ein Sprecher. "Deutschland verzeichnet auch im internationalen Vergleich Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit."

Der Chef ist weniger wichtig als gedacht

Tatsächlich scheint es eine Frage der Wahrnehmung zu sein: Bei einer Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gaben 72 der Betriebe an, jährlich Feedback zu geben. Bei größeren Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten waren es sogar mehr als 80 Prozent. In kleinen Unternehmen ersetze zudem der kleine Dienstweg formalisierte Kommunikation wie Feedback-Gespräche, meint zudem die BDA.

Umstritten ist auch, welche Rolle der Chef überhaupt bei der Mitarbeiterzufriedenheit spielt. "Das ist nur ein Teil des Ganzen", sagt etwa Stefanie Wolter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Schaue man sich an, was wechselwilligen Beschäftigten wichtig ist, stünden andere Dinge ganz oben: "Bessere Bezahlung, Zusatzleistungen, veränderte Arbeitsinhalte, Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten und erst danach kommt der Chef", sagt Wolter.

Dennoch sei das Arbeitsumfeld in erheblichem Maße vom Führungsverhalten des Vorgesetzten geprägt, entgegnet Gallup-Autor Nink. "Und da fehlt es ganz eindeutig an Reflexion in der Thematik", sagt er. In der Umfrage gaben 97 Prozent der Befragten an, selbst über gute Führungsqualitäten zu verfügen. "Die meisten denken, sie machen in verantwortlicher Position alles richtig."

Matthias Arnold, dpa

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