Nico Rose | | von Nico Rose

42 – oder: Sind unsere Computer demnächst so schlau, dass wir nix mehr kapieren?

In Douglas Adams' Kultbuch "Per Anhalter durch die Galaxis" gibt es diese Szene, wo ein eigens gebauter Supercomputer namens "Deep Thought" die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" beantworten soll. Nach einer Rechenzeit von nur 7,5 Millionen Jahren verkündet er vor einer riesigen Gruppe von gespannten Zuhörern das Ergebnis. Es lautet "zweiundvierzig" – was das Publikum entsprechend ratlos und unbefriedigt zurücklässt. Der Computer bestätigt daraufhin, dass das Ergebnis korrekt sei und weißt die enttäuschte Zuhörerschaft noch darauf hin, dass das Problem vermutlich darin liege, dass diese die Frage leider niemals wirklich verstanden hätten.

Ich habe mich wieder an diese Episode erinnert, nachdem ich in den vergangenen Wochen viel dazu gelesen hatte, wie "intelligente" Algorithmen und selbstlernende Maschinen unsere Arbeitswelt in den kommenden Jahren (mutmaßlich) verändern werden (meinen Senf zu diesem Thema habe ich hier dazugegeben). Für viele von uns stellt sich ja gar nicht mehr die Frage, ob wir mit Robotern zusammenarbeiten werden, sondern nur noch, wer wem dann in naher Zukunft sagt, was zu tun und zu lassen ist.

Heute beschäftigt mich allerdings eine andere Idee – und die liegt recht nah bei der eingangs erzählten Geschichte:

Was, wenn Computer irgendwann einmal so intelligent sind, dass wir einfach nicht mehr in der Lage sind, die Antworten zu verstehen, die sie uns auf unsere Fragen geben werden?

Wenn man gängigen Intelligenztests glauben mag, sind wir im Laufe der letzten 100 Jahre immer klüger geworden, unser IQ steigt im Mittel, und zwar recht konstant. Dass man das in Zeiten von Facebook & Co. nicht immer sofort merkt, steht auf einem anderen Blatt. Gleichzeitig lässt sich sagen, dass diese Fortschritte im niedrigen Prozentbereich liegen, während sich die Prozessor-Kapazität unserer Rechner seit Jahrzehnten etwa alle 20 Monate verdoppelt. Der Artificial-Intelligence-Guru Ray Kurzweil prophezeit auf Basis dieser Entwicklung die sogenannte Singularität für das Jahr 2029. Gemeint ist damit der Punkt, an dem Computer endgültig schlauer sind als Menschen, wenn sie möglicherweise beginnen, eine Art Eigenleben zu zeigen. In der Terminator-Dystopie ist das der Moment, in dem das Computersystem Skynet Bewusstsein entwickelt und seine Schöpfer unmittelbar mit Atomraketen angreift, weil es diese als Bedrohung erachtet.

Ich möchte hier jedoch keinesfalls den Teufel an die Wand malen – ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Mich beschäftigt tatsächlich mehr die Nummer mit der Zahl 42. Wenn unsere Intelligenz nur langsam wächst, die der Rechner sich aber weiterhin stetig verdoppelt: Kommt dann nicht irgendwann einmal der Punkt, an dem wir notwendigerweise nichts mehr kapieren – selbst wenn die Maschinen uns an sich wohlgesonnen sind? Und sollte es so kommen:

  • Vertrauen wir dann unseren Maschinen, so wie manche Menschen heute Gott vertrauen – dessen Wege bekanntlich auch "unergründlich" sind?
  • Und wie werden wir damit umgehen, wenn über die Maßen intelligente Computer, genau wie "Deep Thought", auf die Idee kommen, dass wir einfach nicht schlau genug sind, die richtigen Fragen zu stellen?
  • Was ist, wenn die Maschinen dann lieber unter sich bleiben wollen, weil "diese Menschen einfach zu wenig Kultur haben"?

Ich muss zugeben, dass ich einfach zu wenig Ahnung von AI habe, um zu verstehen, wie es weitergehen wird. Aber ich finde es einigermaßen erheiternd, darüber nachzudenken. Und wahrscheinlich wird es dann doch eher so enden, wie mit dem anderen sehr liebevoll gezeichneten Protagonisten im "Anhalter". Der Roboter Marvin ist laut eigener Aussage das klügste Wesen im Universum, wird von seinen menschlichen Besitzern aber ständig nur für Routine-Tätigkeiten benutzt – worüber er schließlich eine Depression entwickelt: "Seht mich an, ein Gehirn von der Größe eines Planeten, und man verlangt von mir, euch in die Kommandozentrale zu bringen. Nennt man das vielleicht berufliche Erfüllung?" Wir werden es erleben. Auf (in) die Zukunft!

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

42 – oder: Sind unsere Computer demnächst so schlau, dass wir nix mehr kapieren?

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