10 ultimative Tipps, wie Sie Ihre Chancen als Bewerber verbessern
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Nico Rose | | von Nico Rose

10 ultimative Tipps, wie Sie Ihre Chancen als Bewerber verbessern

Vor kurzem zählte LEAD-digital-Blogger Nico Rose 20 Gründe auf, warum sich der Personaler nicht bei Ihnen meldet. Hier erläutert er, weshalb das so ist und wie es besser geht. Um lästiges Hin- und Herswitchen zu vermeiden, wiederholen wir die Punkte aus dem Ursprungsartikel nochmal. Der Blog-Beitrag erscheint in mehreren Teilen.

Warum ist das so und wie geht es besser?

1. Deine Mail hat uns nie erreicht, weil das Datenvolumen Deiner Anhänge kurz vor dem Terabyte-Bereich liegt.

Auch im Zeitalter von Breitbandinternet ist es so, dass viele Unternehmensserver externe Mails oberhalb eines bestimmten Datenvolumens (häufig: 10 MB) einfach nicht durchlassen. Theoretisch bekommst Du dann eine Bounce-Mail, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Wenn Du also eine größere Menge an Anlagen hast (eingescannte Zeugnisse etc.), bitte auf jeden Fall die Dateigröße verringern – das geht z.B. mit Powerpoint oder mit frei verfügbaren PDF-Makern.

2. Du hast ein extrem unübliches Format für Deinen Lebenslauf verwendet

Ich habe in meinem ersten Job für einen bekannten Hersteller von Kosmetik gearbeitet. Neben einigen Bewerbungen mit Fotos von mehr oder minder bekleideten Damen, die sich uns als Model andienen wollten, kamen regelmäßig auch sehr aufwändig gestaltete Bewerbungen, zum Beispiel in der Art einer Umverpackung für eines der Produkte des Hauses. Das ist lobenswert und "gut gemeint", hilft aber meist nicht wirklich weiter. Bewerbungen müssen intern möglichst leicht weiterverarbeitet werden können: Es wird immer noch viel gescannt, von Ansprechpartner zu Ansprechpartner per Mail weitergeleitet usw. Das geht am besten mit einem klassischen Lebenslauf auf Papier. Aus demselben Grund rate ich auch von farblichen Hervorhebungen, Infografiken und ähnlichem ab. Mit dem Qualitätsverlust beim Duplizieren geht meist auch der dadurch avisierte Informationsgehalt verloren.

3. Du hast Deine Zeugnisse und Unterlagen als 18 verschiedene Anlagen geschickt.

Das Stichwort lautet hier: Serviceorientierung. Mach es dem Recruiter so einfach wie möglich, "Dich" zu verstehen und zu "bearbeiten". Füge alle Deine Unterlagen zu einem Dokument zusammen (und dann beachte nochmal Punkt 1).

4. Du hast eine Top-Bewerbung verfasst, die an ein anderes Unternehmen adressiert ist.

Viele (eigentliche) Top-Kandidaten kegeln sich durch Schlampigkeit aus dem Prozess. Wer Copy/Paste-Fehler macht, insbesondere beim Unternehmensnamen oder der Adresse, dem unterstellen Personaler gerne Nachlässigkeit – das ist kein guter Türöffner. Also lieber ein zweites oder drittes Mal lesen, bevor Du auf Senden klickst.

5. Wir würden uns gerne melden, aber Du hast falsche Kontaktdaten angegeben.

Klingt komisch, kommt aber des Öfteren vor. Abhilfe siehe Punkt 4.

6. Deine E-Mail-Adresse lautet zuckerschnute87@gmx.de oder ähnlich.

Streng genommen sollte uns Deine E-Mail-Adresse nicht interessieren, solange die Nachricht ankommt. Trotzdem kommen wir nicht umhin, von solchen Merkmalen auf die spätere Professionalität zu schließen. Von daher: lieber eine seriöse Mail-Adresse besorgen, am besten irgendeine nachvollziehbare Kombination aus dem Vor- und Nachnamen.

7. Dein Bewerbungsfoto entstammt dem letzten Goa-Urlaub und nicht einer Session mit einem professionalen Fotografen.

Vorab: Es ist eine Besonderheit im deutschen Sprachraum, dass die Bewerbung überhaupt ein Bild enthält, in den USA ist dies beispielsweise ein großes No-No. Wenn man aber nun schon die Gelegenheit hat, sich mit einem Bild zu präsentieren, dann sollte man diese Gelegenheit auch bestmöglich ausschöpfen. Meine Erfahrung zeigt allerdings: Bei der Qualität von Bewerbungsfotos gibt es eine wunderhübsche Gaußsche Normalverteilung: Nicht wenige Bilder sind der "wahrgenommenen Kompetenz" eher abträglich, das Gros ist "ganz OK", einige wenige Fotos sind wirklich gewinnbringend.

Meine Empfehlung: ein guter Bewerbungsfotograf nimmt sich mindestens eine Stunde Zeit für Eure Fotos (was letztlich auch seinen Preis hat). Er wird sich erstmal mindestens 20 Minuten nehmen, um zu verstehen, wer Du bist (ein bisschen Lebensgeschichte, ein bisschen Persönlichkeit etc.). Dann wird er genauestens verstehen wollen, für welche Positionen Du Dich bewirbst (Branche, Funktion, Hierarchieebene etc.). Daraufhin wird er verschiedene Vorschläge machen für ein Fotokonzept (Kleidung, Farbe oder S/W, sitzend oder stehend, mit Anschnitt oder ohne, etc.). Erst nach all diesen Abstimmungen wird er zum Fotoapparat greifen. Wenn der Dienstleister diese Vorabschritte auslassen will, solltest Du das Weite suchen – denn dann tut es auch der Passbildautomat am Bahnhof.

8. Du steckst voller Kreativität – vor allem was Orthographie und Interpunktion betrifft.

Ist im Grunde selbsterklärend, aber aus Spaß an der Freud sage ich es hier nochmal: Spell-checken, spell-checken, spell-checken. Und ganz am Ende die Mama drübergucken lassen, die findet meist auch noch was.

9. Deine Mathe- und oder Deutschnoten sind zum Fürchten.

Wenn die Rechtschreibfehler in Deiner Bewerbung nicht der Schlampigkeit geschuldet sind, sondern auf einem echten Defizit beruhen, dann hast Du – das muss ich so deutlich sagen – ein Problem. Jedenfalls, was den Zugang zu bestimmten höher bezahlten Jobs angeht. Der überwiegende Teil dessen, was Menschen heutzutage in Organisationen tun, ist: kommunizieren, in Wort und Schrift. Gespräche, Meetings, E-Mails, Präsentationen – und das Ganze wieder von vorn.

Und auch, wenn heute jedes Handy einen Taschenrechner als App eingebaut hat, der gegen meinen "Texas Instrument Mega-1001" aus der Oberstufe wie der Superrechner "Deep Blue" anmutet, so steht es einem in der Wirtschaft gut zu Gesicht, auch mal schnell einen Dreisatz o.ä. im Kopf ausrechnen zu können. Wenn es also wirklich am Grundsätzlichen hapert, gibt es keinen Umweg: Gehe nicht über Los, sondern direkt zurück auf die Schulbank. Gottseidank muss man dafür heute nicht mehr sein Haus verlassen: Google und Youtube sind Dein Freund! Von der Rechtschreibung über sämtliche Spielarten der Mathematik, Präsentationserstellung, Tabellenkalkulation und Programmiersprachen, bis hin zur Ikebana-basierten Herstellung von nuklear betriebenen Unterseebooten wirst Du – mit ein bisschen Suchen – für alles gut gemachte und komplett kostenfreie Anleitungen im Netz finden.

10. Du hast außer einem Wochenpraktikum in der 8. Klasse in der Anwaltskanzlei des Tennispartners von Deinem Papa noch keinerlei praktische Erfahrung erworben.

Dieser Punkt ist für Berufseinsteiger wirklich wichtig. Die meisten Unternehmen erwarten heute ein gerüttelt Maß an Praxiserfahrung durch Praktika oder Nebentätigkeiten, um Bewerber überhaupt für Einstiegsjobs in Betracht zu ziehen. Gute Noten in Schule und Uni sind für viele Unternehmen ein klares Plus, aber ohne relevante Praxiserfahrung kommt man in der Regel nicht weiter.

Da es in Zeiten durchreglementierter Bachelor- und Masterstudiengänge immer schwieriger wird, Zeit hierfür zu finden, lautet meine Empfehlung: Ein praktisches Gap Year zwischen den Studienabschnitten machen. Die meisten Menschen sind beim Studienabschluss heute so jung, dass es auf ein Jahr mehr überhaupt nicht ankommt. Fehlende Praxiserfahrung wird zum Einstieg jedoch immer ein großer Hemmschuh bleiben.

P.S.

Der gesamte, mehrteilige Text ist als Service-Artikel für Menschen gedacht, die sich demnächst (wieder) bewerben wollen. Ich sage ausdrücklich nicht, dass ich all die genannten Vorgehensweisen auf Seiten der Personalabteilungen für "gut" befinde. Meine Schilderungen geben jedoch ein recht realistisches Bild davon ab, womit Bewerber nach Sachlage einfach rechnen sollten – um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Persönlich gehe ich davon aus, dass sich im Recruiting in den nächsten Jahren sehr viel tun muss und wird. Wir müssen vor allem viel "digitaler" werden und generell offener im Denken. Einige Anregungen dazu finden sich in meinen zweiteiligen Artikel auf "Gruenderszene.de" (hier und hier).

Die weiteren Erläuterungen zu den Dos und Dont's beim Bewerben finden Sie im Lauf der kommenden Tage hier bei LEAD digital.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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