Alexander Krapp, Geschäftsführer von Soulsurf: Sport als Ausgleich muss sein.
Alexander Krapp, Geschäftsführer von Soulsurf: Sport als Ausgleich muss sein. © Foto:Soulsurf

Alexander Krapp | | von Alexander Krapp

10 Tipps für die Work-Life-Balance (nicht) nur für Chefs

Holger Jung und Jean-Remy von Matt haben mal  - so oder so ähnlich - gesagt: "Erst gehört Dir die Firma, dann gehörst Du der Firma." Da ist was dran. Doch nicht jeder Unternehmer will mit Haut und Haar der Selbständigkeit verfallen. Für mich ist dies zumindest kein Lebensmodell. Doch Balance halten zwischen Job und Privatleben ist gerade für Chefs nicht immer ganz einfach. Zehn Tipps, damit es dennoch klappt.

1.      Feste Arbeitszeit-Kontingente auch für den Chef

Pitch-Termine, Kundenpräsentationen, Neugeschäfts-Anbahnung und, und, und. Als Unternehmer nimmt man doch recht häufig Abend-Termine wahr oder ist tagsüber unterwegs. Das kann schnell zur Zeitfalle werden. Ich habe mir dafür ein Limit gesetzt: 40 Stunden. On top kommen die Zeiten für An- und Abreise. Auch die werden schließlich für den Job genutzt. Konzepte schreiben, Mails beantworten, Ideen-Scribbles – das geht auch in der Bahn. Doch in Summe mehr Stunden sollte sich keiner aufhalsen – auch kein Chef.

2.      Arbeiten am Wochenende ist tabu

Arbeiten am Wochenende – also ich finde, das geht gar nicht. Unsere Branche lebt von Kreativität. Inspiration ist dafür die Grundlage. Doch dafür wiederum ist ein gehöriges Maß an Erholung notwendig. Und außerdem - machen wir uns nichts vor. Was in fünf Tagen nicht geschafft wird, klappt auch in sechs oder sieben Tagen nicht. Deshalb kommt für mich auch Arbeiten am späten Abend von Zuhause nicht in Frage.  

3.      Urlaub so wie Angestellte

Unseren Mitarbeitern gestehen wir 28, teils 30 Tage Urlaub zu. Richtig so. Doch auch die Geschäftsführer müssen ihre Batterien aufladen – um langfristig leistungsfähig zu bleiben. Aber auch um den Mitarbeitern klar zu zeigen, dass es da draußen eben noch das echte Leben gibt. Jeder sollte dafür den für ihn richtigen Rhythmus finden. Mal drei Wochen am Stück die Seele baumeln lassen oder mehrere Kurztrips. Mir zum Beispiel reicht oftmals ein verlängertes Wochenende - für eine tolle Mountainbike-Tour oder einen Familien-Ausflug.

4.      Balance finden – Unternehmer sein ist keine Lebensaufgabe

Die Selbständigkeit ist  ein toller  Weg, berufliche Träume zu verwirklichen und in einem Team etwas zu schaffen, das alleine oder in einer Anstellung nicht möglich ist. So etwas motiviert und macht einfach Spaß. Es  sollte aber nicht das Leben komplett bestimmen. Wer seine Firma als alleinigen Lebensinhalt sieht und sich als Mensch darüber definiert, verkümmert. Und wer einen solch traurigen Zustand erreicht hat, kann kein guter Leader sein.

5.      Dicke Haut bei Rückschlägen

Unvorhergesehene Dinge passieren, ebenso wie Fehler im Tagesgeschäft: Projekte, die vergeigt werden; Etats, die verloren gehen; Mitarbeiter, die von dannen ziehen. Shit happens. Je länger ich als Unternehmer arbeite, desto klarer wird mir: Man kann nicht auf jede Eventualität und jede Situation vorbereitet sein. Nicht alles im (Berufs)leben lässt sich antizipieren oder 100 Prozent perfekt lösen. Was zählt ist die Devise von Olli Kahn: "Weitermachen, immer weitermachen!".

6.      Dem Fatalismus eine Chance

Strategie. Umsetzung. Erfolg. So lesen sich viele Cases in Wirtschafts- und Fachpresse. Bullshit! Erfolg im Berufsleben ist eben immer auch eine große Portion Glück und Intuition: der entscheidende Geistesblitz, die richtige Team-Konstellation, das richtige Geschäftsmodell – alles natürlich genau zur richtigen Zeit. Das lässt sich nicht vollständig planen. Geben wir dem Fatalismus also eine Chance.

7.      Mehr Demut

Jeder von uns kennt Beispiele: Unternehmer die nicht rechtzeitig loslassen können, oder in Allmachtsphantasien meinen, alles selbst regeln und entscheiden zu müssen. Meist ist das der Anfang vom Ende. Machen wir uns also auch als Chef nichts vor: Wir sind selbst nur ein kleines Rädchen im Getriebe.

8.      Erfolgsgeheimnis Mitarbeiter

Je mehr Entscheidungsfreiheit wir unseren Mitarbeitern lassen, desto besser: Agilen, nicht von Hierarchien getriebenen Teams gehört die Zukunft. Sie sind schneller, näher am Markt und Zeitgeist und häufig  in der Ideenfindung auch origineller. Wer also loyale, top motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter hat, sollte die auch an der langen Leine lassen. Das motiviert und spornt an. Es ermöglicht Chefs im Gegenzug, sich ein Stück weiter aus dem Tagesgeschäft zurück zu ziehen.

9.      Hobbies als Ausgleich

Egal ob Musik, Sport oder Gartenarbeit – ohne Hobbies als Ausgleich geht es nicht. Damit man weder in den Bore- noch in den Burn-Out fällt. Bei mir ist es  Sport und das heißt wirkliche Bewegung. Berge besteigen. Mountain-Bike fahren, Ski fahren. Hier können die angestauten Emotionen und der Stress raus. Danach ist der stressige Alltag gleich wieder entspannter.

10.  Ohne soziale Kontakte ist alles nichts

Das soziale Umfeld schafft einen Ausgleich und häufig auch eine andere Sicht auf die Arbeitswelt. Zumindest wenn man sein berufliches Netzwerk nicht als Freundeskreis definiert – eine Versuchung, der man angesichts der kumpelhaften Atmosphäre der Branche und den vielen Branchentreffs nur allzu leicht erlegen ist. Deshalb: Ich trenne klar zwischen Job und Freundeskreis.

Alexander Krapp ist Gründer und Geschäftsführer von Soulsurf. Das digitale Beratungsunternehmen mit Sitz in München entwickelt und implementiert seit 2009 digitale Geschäftsmodelle für Unternehmen wie Deloitte, Moët & Chandon und die NFON. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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