Thomas Koch moderiert auf der Dmexco, und wir vermuten ganz stark: ein Besuch lohnt sich!
Thomas Koch moderiert auf der Dmexco, und wir vermuten ganz stark: ein Besuch lohnt sich! © Foto:Foto:Clap / Jens Bruchhaus / Michael Ingenweyen

Dmexco 2015 | | von Thomas Koch

Plötzlich ergibt Online einen Sinn

Eigentlich kennen wir unseren Blogger Thomas "Mr. Media" Koch* ja als scharfsinnigen Kritiker seelenloser, vollautomatischer Werbung. Als Nüchternen unter Digitalbesoffenen. Aber die bevorstehende Dmexco hat etwas in ihm verändert.....

Wenn man auf der weltgrößten Dmexco aller Zeiten zum wiederholten Mal die große Ehre hat, den National Summit zu moderieren, bereitet man sich gewissenhaft vor. Den Panelteilnehmern des Summit will man schließlich Fragen stellen, die von höchster Digitalkompetenz zeugen und dem tausendköpfigen Publikum Impulse und neue Erkenntnisse liefern. Das ist man ihnen, aber auch sich selbst schuldig. Also habe ich mich auf alle Themen eingelassen, die derzeit zum digitalen Standard zählen - und weit darüber hinaus: Auf die Prognosen, die Visionen, die Träume. Auf die Zukunft eben. Und nur um sie geht es.

Je tiefer ich einstieg, desto euphorischer wurden die Erscheinungen, die ich hatte. Ich spürte, wie sich tief in mir ein Wandel vollzog. Wie ich vom Internet regelrecht aufgesaugt wurde. Plötzlich wird man selbst digital, mobil und nativ. Man wird endlich eins…

Genau so ist es mir ergangen. Plötzlich ergibt alles einen Sinn. Alles Analoge, alles Händische, alles Nicht-Programmatische ist nicht nur von gestern, sondern von vorgestern. Die Welt wird nicht digital, sie ist digital. Aber natürlich nicht nur digital, sondern längst auch mobil. Wenn es nicht anklickbar oder wenigstens verlinkbar und share-bar ist, ist es nicht existent. "Or it didn’t happen…" - wie wir bei Twitter sagen.

Media muss sich dieser Zukunft endlich stellen. Es muss Schluss damit sein, dass Online und Mobile mit zehnprozentigigem Anteilen im Mediaplan als Alibi-Medien ihr tristes Dasein fristen. Medien, die nicht messbar sind, haben in Streuplänen einfach nichts mehr zu suchen. Weg mit Fernsehen und Print, die nur noch durch Reichweiten-, Auflagen- und Einfluss-Verlusten glänzen.

Alles Geld den digitalen Medien!

Media-Mix, Vernetzung und Synergien gehören heute den rechtmäßigen Eigentümern: Online und Mobile. Am besten im Verhältnis 50:50. Erste, ganz Mutige setzen bereits auf Mobile im Verhältnis 80:20.

Lassen Sie sich nicht verunsichern durch angebliche Online-Issues wie Adblocker, Robot Traffic, Sichtbarkeit und sonstige Absurditäten. Das alles sind Verschwörungstheorien ("Chemtrails") von Grumpy Old Men, die sich partout nicht daran gewöhnen wollen, dass ihre gewohnte, alte Mediawelt in Scherben liegt.

Der Nebel der Unsicherheit um die mediale Welt der Zukunft, nein der Gegenwart, lichtet sich wie von Geisterhand. Die Zukunft wird einem plötzlich glasklar. Robot-Journalism und Phänomene wie Buzzfeed, die selbst WPP anlocken, sind die Medien-Zukunft. Dem müssen und können wir nur mit Media-Algorithmen und Programmatic begegnen. Und wer’s unbedingt richtig kreativ haben möchte, greift halt zu Native Advertising: Eine herrliche Spielwiese für Leute, die auch an "Dieser Beitrag könnte Spuren von Werbung enthalten" glauben.

Jetzt kommt EBDA

Es wird wundervoll. EBDA (Enriched Big Data Advertising) löst endlich AIDA ab. Wir geben unsere Umsatz- und Werbeziele einfach oben in die Media-Box ein (Ähnlichkeiten mit neuen Media-Anbietern sind rein zufällig) - und unten kommt der fertige Digitalplan heraus. Planung ist überflüssig und obsolet. Es wird gleich optimiert und selbstverständlich real-time eingekauft.

Die Verbraucher wissen gar nicht, wie ihnen geschieht: Sie klicken und klick-through-en, was das Zeug hält. Und sie kaufen! - wie ihnen unsere Digitalpläne befehlen. Jedes Unternehmen, jede Marke kann digital und mobil jeden erwünschten Marktanteil und jedes Umsatzziel erreichen. Sie müssen es nur wollen. So hatte ich mir Media immer vorgestellt.

Ich halte kurz inne. Ich ärgere mich über die vielen Jahrzehnte, die ich völlig sinnlos mit Markenaufbau, Images, mit Mediaplanung, Mediaqualitäten, mit diesen überflüssigen TV- und Print-Medien verbracht und versäumt habe. Ja, es fällt schwer zuzugeben, dass diese vielen Jahre zwecklos und vergeudet waren. Dass ich zu lange am falschen Mediamodell festhielt. Es schmerzt.

Doch ich bin, wenn auch late adopted, heute geläutert. Ich fühle mich auch schon deutlich besser. Selbst mein Psychiater sagt, dass ich Fortschritte mache. Plötzlich ergibt alles einen Sinn.

Ich fühle mich jetzt bereit für die Dmexco 2015. Und freue mich darauf, Sie dort zu sehen.

* Thomas Koch, Agenturgründer, Ex-Starcom-Manager, Wirtschaftswoche-Kolumnist, Herausgeber von "Clap" und Media-Persönlichkeit des Jahres, bloggt für W&V. Er ist "Mr. Media".

Plötzlich ergibt Online einen Sinn

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