Keine andere Fluglinie steht so für hervorragende Servicequalität wie Emirates. Doch die arabische Airline demontiert dieses Image gerade selbst.
Keine andere Fluglinie steht so für hervorragende Servicequalität wie Emirates. Doch die arabische Airline demontiert dieses Image gerade selbst. © Foto:Emirates

Kommentar | | von Lena Herrmann

Zusatzgebühr bei Emirates: Die Image-Bruchlandung

Die Zeit der kostenlosen Serviceleistungen ist schon lange vorbei. Längst haben sich die Fluglinien beim Thema Preisgestaltung in der Economy-Klasse an die Low-Cost-Carrier angenähert. Wer mehr als ein kleines Handgepäck mitnehmen will, muss zahlen. Umbuchen? Nur gegen Aufpreis möglich. Essen auf der Kurz- und Mittelstrecke? Abgeschafft. Sitzplatzreservierung: kostet. Einzige Ausnahme, leuchtender Servicestern am Flugzeughimmel: Emirates. Die Airline mit ihrer Heimatbasis Dubai drängte massiv in den europäischen Markt. Und schaffte das mit fairen Preisen und vor allem: gutem Service.

Niemand, der sich nicht über die freundlichen und hilfsbereiten Stewardessen, das leckere Essen, die moderne Ausstattung der Flugzeuge, Extras wie Zahnpasta und Socken auf Langstreckenflügen und ähnliches freute. Das gesamte Marketing, die Positionierung des Unternehmens basiert auf der ausgezeichneten Servicequalität. Ende 2014 ergab eine Studie des "Focus", dass Emirates die zufriedensten Kunden aller Airlines hat.

Doch das wird sich jetzt ändern. Emirates führt eine Gebühr für Sitzplatzreservierungen ein. Und schadet damit massiv seinem Image. Bei einem Hin- und Rückflug auf der Langstrecke kann eine Reservierung schnell mal um die 100 Euro teurer werden, hat das Reisemagazin "fvw" vorgerechnet. Offenbar will Emirates mit den Zusatzgebühren seine Zahlen aufbessern. Die Erlöse je geflogenem Kilometer gingen im Geschäftsjahr 2015/16 bei Emirates deutlich zurück. Unter anderem liege das an der inzwischen ebenfalls sehr aggressiven Preispolitik von Emirates, mit der die Airline mit Konkurrenten wie beispielsweise der Lufthansa mithalten will und muss.

Doch um das Geld geht es gar nicht. Es geht um das Gefühl, für sein Geld etwas zu bekommen, als Fluggast etwas wert zu ein. Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen dem Fliegen ein Hauch von Luxus anhing. Lediglich Emirates hat es geschafft, auch den Economy-Reisenden das weiterhin vorzugaukeln. Sicherlich gibt es genug Leute, die lieber einen Emirates-Flug besteigen, der ein bisschen mehr kostet, dafür aber ein angenehmeres Erlebnis bietet. Doch für einen günstigen Preis die Kunden zu ködern und dann für jedes noch so kleine Extra von ihnen Geld zu verlangen, ist viel mehr als ökonomisches Handeln. Es wirkt kleinlich, gierig und alles andere als kundenfreundlich.

Die Gefahr ist zu groß, dass die neue Strategie die Kunden dauerhaft verärgert. Emirates wird gut beraten sein, nicht noch weitere Zusatzgebühren einzuführen. Sonst ist das Image als kundenfreundliche und serviceorientierte Airline bald dahin.

Zusatzgebühr bei Emirates: Die Image-Bruchlandung

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(7) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht