Ausschnitte aus dem Reiseblog von André Gebel.
Ausschnitte aus dem Reiseblog von André Gebel. © Foto:A. Gebel

André Gebel | | von André Gebel

Zwischen Vollrausch und Kater – 5 Tipps für künftige Blogger und Werbungtreibende

Vor exakt einem Jahr habe ich mein Experiment gestartet. Vollmundig stand ich vor der versammelten Agenturmannschaft mit der Aufforderung, doch diesen ganzen Social-Media-, Influencer-, beliebiges Buzz-Word-, Content-Marketing-Wahnsinn selbst zu leben.

"Taucht ein, macht was Eigenes, gründet zum Beispiel euren eigenen Blog", waren meine Worte. "Und was machst du?", schienen mir die ratlosen Gesichter entgegenzuwerfen. Hat sich "der Alte" mal wieder was einfallen lassen und wir müssen es ausbaden. Klassiker!

Doch das wollte und durfte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Also ran ans technische Korsett, was im Prinzip auf dem CMS für Dummies namens "WordPress" basiert. Damit kannst du deine Oma auf nen Hackathon schicken. Noch drei, vier Plug-ins, ein nettes Logo und fertig war der Blog. Danach noch die obligatorische Seite bei Facebook, immerhin das einzige Social Network, das dich auch mit über 40 noch nimmt und so musste nur noch diese riesige weiße Wüste mit inspirierenden Inhalten gefüllt werden. Und wenn ich eins kann, beherrsche, ja sogar dominiere, dann ist es das Reisen. Doch schnell musste ich feststellen, dass ich in der Königskategorie der Bloggemeinschaft nicht alleine unterwegs bin. Alle hatten deutlich mehr Fans, waren jünger, fotogener und verfügten über eine erstaunliche Bikinifigur.

Und da greift Learning Nummer 1: Bloß nicht entmutigen lassen. Am besten die Konkurrenz gänzlich ignorieren und sein eigenes Ding durchziehen. Problem nur: Es ist Ende Januar, das Land versinkt in Depression und Urlaub ist nicht annähernd in Sicht. Helfen also nur ein paar aufgefrischte Konserven aus den letzten Jahren. Und so tippe ich mir meine zwei Finger an Stories über Alaska, Chile und die wunderbare Amalfiküste wund. Alles ganz nett, doch irgendwie fehlte "dat Jeföhl", wie der Kölner sagen würde.

Und da sind wir auch direkt bei Learning Nummer 2: Wärme niemals alte Tütensuppe auf. Schreibe alles sofort nieder, wenn du deine Leser tief im Herz berühren willst. Die Krux an der Geschichte. Ich musste mein Leben umstellen. Von jetzt an gab es keine Netflix-Wochenenden mehr, sondern es ging auf Tour. Valencia, Meran, Madrid, Alicante, Alta Badia, Austin. So in etwa sah der Frühling aus. Aber hey, gute Vorbereitung auf den Sommer in Panama, Ecuador, Peru und Brasilien. Was wie Urlaub und Spaß klingt, wurde schnell zum stressigen Alltag. Und führt unweigerlich zu Learning Nummer 3: Schreiben, und ja, auch knipsen und filmen, ist echte Arbeit und versaut dir mindestens den Abend im Hotel. Von daher liebe Blogger, lasst euch ordentlich entlohnen für euren Einsatz.

Gesagt, getan. Da ich nebenbei ja immer noch im Agenturgeschäft umherstreife, waren Geldspritzen aus Industrie und Wirtschaft von Anfang an tabu. Aber wer kann echte Gastfreundschaft und Mitfahrgelegenheiten schon abschlagen? Doch auch hier war es mir wichtig, dass ich den Daumen auf der Fernbedienung habe. Deshalb Learning Nummer 4: Lasst euch nicht kaufen. Macht nur die Dinge, zu denen ihr stehen könnt. Schlaft in den Hotels, die ihr auch sonst wählen würdet. Tragt die Klamotten, die zu euch passen und steigt in den Flieger, dem ihr vertraut.

Fehlt jetzt nur noch ein bisschen Suspense. Denn seien wir mal ehrlich: Für Strandurlaub in Magaluf oder die Busfahrt durch den Schwarzwald brauche ich wohl keinen Vorturner. Wenn schon Influencer, dann bitteschön auch raus aus der Komfortzone. Was nach Learning Nummer 5 klingt, habe ich dann im September beherzt umgesetzt. Auf den Angels Landing trotz Schwindeltrauma, B2Run in Valencia und Grand Canyon Durchwanderung in 7 Stunden. Man muss sich halt was einfallen lassen.

Mein Fazit nach 12 Monaten:

-          Es ist echte Arbeit, auch wenn es nicht so klingt.

-          Das Jahr hat zu wenige Wochenenden und Urlaubstage.

-          Facebook ist der perfekte Teaser-Kanal für eure Blogbeiträge. Dabei sticht Video immer die liebgewonnene Bildergalerie (organisch wie bezahlt).

-          Instagram bringt (internationale) Fans und Awareness, aber kaum Zugriffe auf den Blog.

-          Und Search sollte man niemals unterschätzen. Gerade was Verweildauer und Zugriffszahlen angeht. Also Bilder richtig taggen, Dateigrößen anpassen und Texte auf Keywords optimieren, aber bitte nicht kastrieren!

Und schnell noch 5 Tipps, die ich Marken an die Hand geben möchte:

  1. Schaut euch euren Influencer genau an. Lebt er für die Sache oder nur für alle möglichen Produkte. Dann ist sie/er nicht mehr als eine Litfaßsäule mit 20 kreischenden Plakaten. Und entsprechend sollte man verhandeln.
  2. Achtet auf die Markenanpassung. Braucht ihr jung und hip? Dann sch… auf gute Zeilen, sondern achtet auf die Instagram- und Snapchat-Performance. Soll es etwas gediegener und erfahrener zur Sache gehen, analysiert den Facebook-Account und lest euch mal die Sachen durch.
  3. Entwickelt gemeinsam etwas Originelles. Nur authentische Stories finden ihre Leser und entsprechend auch ihr Portemonnaie. Reines Product Placement konterkariert nur die Idee vom Influencer Marketing.
  4. Weniger ist manchmal mehr. Nicht immer muss es das große Bloggertreffen sein, da es unmöglich ist, die Performance großer Blog-Events zu lenken. Setzt lieber auf gezielte und individuelle Maßnahmen und einigt euch im Vorfeld über den gewünschten Output.
  5. Der Mix macht's. Die Stars sind meist gut für Reichweite und Publicity, dafür mangelt es leider oft an Content-Qualität und Exklusivität. Wer dagegen nach uniquen Geschichten trachtet, der sollte auch dem ein oder anderen Newcomer eine Chance geben.

So jetzt muss ich aber los. Ab nach Kanada zum Hundeschlittenlenken. Demnächst nachzulesen nur unter https://www.turnagain.de/.

André Gebel, Vorstand der Münchner Digitalagentur Coma, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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