Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Zukunftsmusik, das Rätsel um Heftig und das Bären-Orakel

Das Rätselraten ist beendet, die Macher der Website Heftig.co haben sich zu erkennen gegeben. Es handelt sich um Michael Glöß und Peter Schilling, die hinter der Potsdamer DS Ventures GmbH stehen. Die sucht nun Mitarbeiter, Vermarktungspartner und Büroräume, weil sie „ihr Angebot professionalisieren“ will, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Ob sie in diesem Zusammenhang auch mal ihr eher lockeres Verhältnis zum Urheberrecht überdenken wird? Immerhin haben sie mit ihrer bestmöglich auf virale Verbreitung optimierten Website innerhalb weniger Wochen mehr als 760.000 Facebook-Fans gefunden und man wundert sich, dass auch Menschen in der eigenen Timeline, denen man das eher nicht zugetraut hätte, die Inhalte munter teilen… irgendwas muss also dran sein an den Listen und Bildersammlungen, auch wenn berechtigte Zweifel über die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells „Bullshit-Content“ aufkommen. Und wir verzichten an dieser Stelle auf launige Formulierungen im Heftig.co-Stil – denn alle Gags in dieser Hinsicht sind bereits mehr als einmal gemacht worden und ein bisschen Originalität wollen wir uns ja schließlich bewahren.

Mit heftig-krassen Kopfhörern können sich jetzt die Fans der Marke Apple ausstatten. Das Unternehmen aus Cupertino hat – die Gerüchte gab’s ja schon vor drei Wochen – die Kopfhörerschmiede Beats für stolze 3 Milliarden Dollar übernommen, die auf eher basslastige, klobige Kopfhörer spezialisiert ist, die so gar nichts mit den filigranen weißen Apple-Ohrstöpseln gemein haben. Und auch wenn einige Marktbeobachter verständnislos den Kopf schütteln, passen die beiden Unternehmen ziemlich gut zusammen: Produkte in der höheren Preisklasse, die die Kunden entweder mit Verve verteidigen oder eben aufgrund der technischen Features ablehnen und als zu teuer klassifizieren – und ein Image, das beiden Partnern Vorteile vom jeweils anderen bringt. Abgesehen von der starken Marke, die vor allem bei jüngeren Zielgruppen angesagt ist (und davon kann Apple sicherlich profitieren), geht’s Tim Cook und Apple aber auch um den Streamingdienst, der hinter Beats steht. Der hat zwar nur 250.000 Nutzer (im Gegensatz zu 800 Millionen iTunes-Nutzern), ist aber durch Firmengründer Dr. Dre bestens in die Musikbranche vernetzt und somit ein guter Türöffner für Apples Radiodienst und viele andere Projekte, die das Unternehmen noch in der Pipeline hat.

So ganz langsam führt auch das Panda-4.0-Update zu ersten Veränderungen in der deutschen Website-Szene. Die ersten Zahlen von Sistrix gab’s ja bereits letzte Woche und jetzt haben sich noch die Experten von Searchmetrics mit ersten Erkenntnissen zu Wort gemeldet.Deutlich wird immer mehr, dass eigener Content dabei gut wegkommt und die Aggregatoren nicht mehr so gern gesehen werden – aus Lesersicht ja durchaus eine gute Entwicklung. Am härtesten getroffen hat es offenbar Seiten wie Webutation.info oder  Aceshowbiz.com, aber auch Branchengrößen wie Ebay, Softonic oder Idealo mussten Einbußen von um die 20 Prozent hinnehmen, wie Searchmetrics ermittelt hat. Besser weg kommen dagegen viele Portale, die zuvor wohl zu hart abgestraft worden waren wie Billiger.de, krankenkassen.de, Gutscheine.de oder Fitforfun. Sicher ist, dass das Rennen zwischen dem Suchmaschinenbetreiber und der SEO-Szene nur in die nächste Runde gegangen ist und auch in den nächsten Wochen noch einige Überraschungen auf die Websitebetreiber zukommen werden, wenn sie ihre Zugriffsstatistiken auswerten. Einige Hintergründe verrät auch LEAD-digital-Blogger Eric Kubitz in seinem Blog-Beitrag von dieser Woche.

Xing hat unterdessen den Lebenslauf-Generator Lebenslauf.com übernommen, eine Website, die es Nutzern ermöglicht, einen grafisch ansprechenden Lebenslauf aus Word- und PDF-Dateien und anderen Datensammlungen zu erstellen. Der Dienst steht Xing-Nutzern ab sofort kostenlos zur Verfügung, bislang wurden 6 Euro fällig. Man wolle den Dienst weiter ausbauen und um Funktionen ergänzen, mit denen sich Bewerber ganze Bewerbungsmappen zusammenklicken können. Derweil weht Xing trotz weiterhin guter Zahlen der Wind ins Gesicht – durch den Konkurrenten Linkedin, der Anfang Mai sein fünfmillionstes Mitglied im DACH-Raum begrüßen konnte.

Zukunftsmusik, das Rätsel um Heftig und das Bären-Orakel

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