Wikimedia Deutschland | | von Annette Mattgey

Wikipedia: Deshalb streiten Vorstand und Community

Der Wikimedia-Vorstand Pavel Richter muss gehen. Die Community wirft ihm vor, Projekte in den Sand gesetzt und die Organisation personell aufgebläht zu haben. Hauptsächlich ist Wikimedia Deutschland den Internet-Usern durch die Wissensplattform Wikipedia bekannt, aber das ist nicht der einzige Vereinszweck. Zu seinen Vereinszwecken zählt auch die "Förderung freien Wissens". Das sei einer der Zielkonflikte des Vereins, heißt es aus Insiderkreisen: Wie viele freie Bildungsmaßnahmen und offen zugängliches Material erstellt Wikimedia? Und wieviele Ressourcen fließen in Wikipedia? Die alljährlichen Spendenaufrufe (durch Banner auf der Startseite bei Wikipedia) sehen aus, als ginge es nur um Wikipedia. Alleine aus steuerrechtlichen Gründen - Stichwort Gemeinnützigkeit - darf der Geldfluß an die amerikanische Wikimedia Foundation aber nicht der alleinige Vereinszweck sein.

Zwei weitere Streitpunkte werden aus Insiderkreisen genannt: Die Zahl der Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren enorm gewachsen sei, aber nicht immer zu "signifikanten Veränderungen" geführt habe. Und erfolgreiche Projekte, die Richter torpediert hat. So habe es eine Initiative gegeben, dass Schulen und Universitäten Wikipedia-Autoren einladen und sie dort über Wissenssuche im Internet referieren. Diese Arbeit habe Richter eingestellt.

Auf der Open Source-Plattform tobt nun die Auseinandersetzung zwischen Vorstand, Präsidium und Community. Das Präsidium ist das ehrenamtliche Kontrollorgan, das den Vorstand einsetzt. Mit Richter habe man sich darauf geeinigt, "einen geordneten Übergang gemeinsam zu gestalten", so das Präsidium. Die Entscheidung ist umstritten: "Ich persönlich teile diesen Entschluss nicht und halte ihn für einen falschen Schritt für unseren Verein", schreibt der Präsidiums-Vorsitzende Nikolas Becker in einer öffentlichen Mailing-Liste. Unzählige Mails aus der Community gehen nun mit dem Präsidium und seiner mangelnden Kommunikationsstrategie hart ins Gericht. Die restlichen neun Mitglieder des Präsidiums stehen jedoch geschlossen hinter dem Beschluss, schreibt Schatzmeister Steffen Prößdorf in seiner offenen Mail, in der er versucht, einige Fakten gerade zu rücken. So sei der Entschluss nicht aus heiterem Himmel gekommen und es sei nicht geplant, die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Für Samstag ist eine Mitgliederversammlung angesetzt. Bislang stand die Absetzung des Vorstands nicht auf der Tagesordnung - das dürfte sich nun ändern.

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