Gastbeitrag | | von Uli Busch

Wie Social Media die Sportberichterstattung verändert

Die WM-Fernsehsender feiern Rekordquoten, doch auch in den sozialen Medien wird geteilt und getwittert, was das Zeug hält. Aber wie verändert Social Media eigentlich generell die Sportberichterstattung? Und wie kann es auch kleineren Vereinen helfen, Bekanntheit zu erlangen? Darüber hat sich Naomi Owusu, Gründerin der Sport-Liveticker-App Tickaroo ihre Gedanken gemacht und einen Gastbeitrag verfasst.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien führt uns vor Augen: Die Welt des Sports ist in den sozialen Medien angekommen. Spielstände werden den Facebook-Freunden oder Twitter-Followern live mitgeteilt und kommentiert, witzige Bildercollagen der Spieler oder Videos der Trainer unzählige Male geteilt und Selfies der Spieler selbst von deren Social Media Kanälen über die Medien und ihr Publikum verbreitet.

Das Publikum ist nicht mehr darauf angewiesen, alle Neuigkeiten und Informationen über Spiele, Sportler und das Geschehen abseits des Rasens über offizielle Pressekonferenzen, Kommentatoren oder Klatschblätter zu erfahren. Wie in anderen Bereichen, gibt es auch im Sport einen neuen Zugang zu den Informationen. Durch Facebook und Twitter sind jetzt auch Realtime Informationen für den Sport, unabhängig von klassischen Massenmedien, für alle Ligen und Sportarten verfügbar. Um sich Aufmerksamkeit zu sichern, bedeutet das vor allem für große Vereine und bekannte Marken, verstärkt auf Medienpräsenz zu setzen, um eine Kundenbindung aufzubauen. Den Fans müssen regelmäßig Updates, News und Hinweise zu kommenden Ereignissen geliefert werden, um sie als treue Anhänger im Social Web zu halten und schließlich auch neue Fans zu begeistern.

Die großen Vereine wissen das natürlich und arbeiten aktiv an ihrer Online-Präsenz. Schaut man sich beispielsweise den FC Bayern München an: Allein auf Facebook hat der Verein 16 Millionen Fans. Insgesamt kommen die Bayern auf allen digitalen Kanälen auf 720 Millionen Kontakte, so genannte Touchpoints, pro Monat. Auch für die Athleten bietet Social Media neue Möglichkeiten sich zu präsentieren, wie man an den jeweiligen Accounts auf Facebook, Twitter oder Instagram der Athleten sieht. Da werden Fotos von den Spielen, dem Spielerlager, aus dem Urlaub oder halbnackt vor dem Spiegel geteilt, Hauptsache die Fans werden unterhalten. Die Fans nehmen den Content dankbar an und liken und sharen wiederum fleißig weiter. Das Selfie von Lukas Podolski mit Angela Merkel bekam fast 500.000 Likes und wurde von seiner Seite fast 30.000 Mal geteilt. Dabei wirken seine 5 Millionen Facebook Fans geradezu niedlich im Vergleich zu den Seiten anderer Fußball-Stars. Mesut Özil hat allein 20 Millionen Fans. David Beckham 42 Millionen und Cristiano Ronaldo sogar 89 Millionen Fans. Das sind mehr Menschen als Deutschland Einwohner hat. Um diese Reichweite zu erreichen und zu halten, müssen die Stars ihren Fans aber auch regelmäßig Neuigkeiten aus ihrem beruflichen Alltag, aber auch Einblicke in ihr Privatleben gewähren.

Warum aber dieser Aufwand? Ganz einfach: Um Social Media Reichweite aufzubauen, muss man bestehenden und zukünftigen Fans und Followern einen Grund geben, sich mit den Social Media Kanälen der Vereine und Sportlern zu verbinden. Nur trockene Informationen zum Verein ohne persönliche Note, möglichst noch werblich, bringen keinen Fan dazu, auf den Like-Button zu drücken. Im Gegenteil! Fans sind gelangweilt und im schlimmsten Falle vergrault man sie schneller, als sie auf die Seite gelangt sind. Es muss also immer ein Anreiz für die Fans geschaffen werden, um den Inhalten zu folgen und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Dieser Mehrwert ist im Sport klar gegeben und die Bekanntheit der Sportler wiederum bietet Werbetreibenden bzw. den Testimonials völlig neue Formen des Sponsorings. Die Marke erwähnt und gezeigt bei Facebook, Twitter oder Instagram erfährt mit einem Schlag eine enorme Reichweite bei der richtigen Zielgruppe und wird dank des beliebten Testimonials als äußerst glaubwürdig eingestuft.

Außerdem ermöglicht Social Media eine ganz neue Form des "Sporthelden". Ihn gibt es jetzt nicht nur im Fanmagazin des Vereins oder auf dem Platz zu bewundern, sondern eben ganz privat und zum Anfassen. Manche Sportler erreichen sogar Kult-Status via Social Media. Man denke nur an das Hans Sarpei-Phänomen. Um den ehemaligen Bundesliga-Fußballer und Ghana Black Stars Nationalspieler entwickelte sich nach seinem Wechsel zu Schalke vor allem auf Facebook ein von den Chuck Norris Facts inspirierter, ironischer Kult um seine Person a la "Hans Sarpei tippt nicht, er entscheidet wie das Spiel ausgeht." Mittlerweile ist Sarpei als Social Media Berater und Kolumnist tätig und hat beim Fernsehsender Tele5 seine eigene Sendung "Hans Sarpei - das T steht für Coach". Darin trainiert er für eine kurze Zeit eine unbekannte Amateurmannschaft.

Doch nicht nur die großen Vereine und bekannten Spieler, Sportarten und Ligen profitieren von der Echtzeit-Berichterstattung via Social Media. Gerade für kleinere Vereine, Teams und Nischensportarten bieten die neuen Medien eine große Chance, sich ihren Fans authentisch zu präsentieren, sowohl als Team wie auch als einzelner Athlet, um so ihre Bekanntheit und ihren Marktwert zu steigern. Durch Social Media können Vereine einerseits neue Mitglieder gewinnen und an sich binden, Zusatzkräfte akquirieren (je höher das regionale Standing ist, desto höher ist die Anzahl der Ehrenamtlichen, Vernetzung, Sponsoren, etc.) und andererseits attraktiv für potentielle Sponsoren werden. Je mehr Zeit und Geld in Social Media gesteckt wird, desto größer die Chance, als Verein Kultstatus zu erlangen und seine Zuschauer- und Mitgliederzahlen zu erhöhen. Das Regensburger Baseballteam Buchbinder Legionäre konnte beispielsweise durch konsequente Ankündigungen und Berichterstattungen ihrer Spiele, Events und sonstigen Aktionen rund um den Verein auf allen digitalen Kanälen die Bundesliga-Zuschauerzahlen im Stadium vor Ort von 2012 zu 2014 auf 56 Prozent erhöhen. Darüber hinaus werden sie nun auch von der lokalen Presse stärker wahrgenommen und der Verein sowie die Sportart an sich erhält mehr regionale Aufmerksamkeit.

Natürlich ist es klar, dass sich ein kleiner Verein keinen Social Media Manager für die Account-Pflege leisten kann, der eine Social Media Strategie für den Verein erstellt und verfolgt. Doch auch wenn es eine Challenge für untere Ligen und Nischensportarten ist, sich in den Social Networks erfolgreich zu präsentieren, so gibt es immer mehr Möglichkeiten für Teams und Vereine mit einfachen Mitteln eine regelmäßige Online-Präsenz mit Mehrwert zu schaffen. Eine kostenlose Sport-Liveticker-App ist nur eine Option. Vereine können dort zum Beispiel eine Aufstellung ihrer aktuellen Spieler erstellen und Bilder und Videos in ihre persönliche Berichterstattung einzubinden. Der Verein hat die Möglichkeit via Social Media die Lücken zu schließen, welche die herkömmliche Berichterstattung durch lokale Medien hinterlässt. Und die Aktivität der Hobbyreporter und die Diskussionsfreude der Leserschaft im Netz sind wiederum sehr hoch und schaffen eine ganz neue Form der Sportberichterstattung, die nicht weniger professionell, aber dafür viel authentischer ist.

Wie Social Media die Sportberichterstattung verändert

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