Romy Mlinzk | | von Romy Mlinzk

Wie man sich als Blogger gegen unsittliche Avancen wehrt

Jeder kann heute rein technisch ganz einfach bloggen. Bleibt man am Ball und erarbeitet sich eine regelmäßige Leserschaft, so interessieren sich schnell auch diverse Agenturen und Unternehmen für einen. Dank der Impressumspflicht in Deutschland ist es für SEO-, PR- und Social Media-Agenturen oft ein Leichtes, an die Kontaktdaten des jeweiligen Bloggers zu kommen - und schon hat man das Desaster. Ungefragte Schreiben zu diversen Kooperationen landen im Posteingang des Bloggers.

Schwarze Schafe

Nun gibt es Blogger nicht erst seit gestern und ebenso wenig Kooperationen mit Bloggern - und es wurde schon viel darüber geschrieben und diskutiert. Viel Wasser floss die Elbe hinab und trotzdem sind wir immer noch nicht weiter in der Diskussion. Noch immer gibt es viel Misstrauen, Unbehagen, Unwissenheit und auch Dreistigkeit im Umgang miteinander. Die deutsche Rechtsprechung und diverse Änderungen bei Google machen es auch nicht immer leicht, auf dem Pfad der Tugend und Rechtschaffenheit zu wandeln. Manche Firmen, aber auch Blogger wollen dies auch gar nicht oder verschließen (un-)wissentlich die Augen.

So kann es durchaus ein Geschäftsmodell sein, mehr als ein Blog zu betreiben, verschiedene Themengebiete abzudecken und mit diesen fünf bis zehn Blogs durch Linkverkäufe, Adsense, usw. gutes Geld zu verdienen. Wird dann ein Blog durch Google abgestraft, dann macht man das betroffene Blog dicht und ein neues auf. Man hat ja außerdem auch noch die anderen Blogs, die weiterhin Verdienste einbringen.*

Verärgerung der Weiße-Weste-Blogger

Doch die meisten Blogger, die ich kenne, betreiben ihr Blog aus Leidenschaft und mit vollem Elan. Da steckt viel Arbeit, Zeit und Herzblut in den Posts, im Design und auch in den Fotos sowie Videos. Viele schreiben um des Schreibens willen oder das Design ist z.B. wichtiger als ein paar Euro Einnahmen über Google Displaywerbung. Ihnen sind zumeist das Risiko der Abstrafung durch Google bzw. auch die rechtlichen Konsequenzen bewusst und sie achten daher penibel darauf, keine „zwielichtigen“ Kooperationsangebote anzunehmen. Daher ärgert es Blogger oft, wenn SEO-, PR- und/oder Social-Media-Agenturen mit unsittlichen Anfragen auf sie zukommen. Schwarze Schafe gibt es bekanntlich in jeder Branche. Hätten wir eine gesunde und gut vernetzte Blogosphäre in Deutschland, dann könnte man sich leicht untereinander im Vertrauen austauschen und schwarze Schafe und deren Kooperationen meiden.

Was bringt ein „Onlinepranger“?

Leider sind wir nicht so gut vernetzt und so kommt immer wieder mal die Idee auf, schwarze Listen zu veröffentlichen oder gar einen „Onlinepranger“ zu errichten. Für alle zugänglich und öffentlich, so dass neue und schlechter vernetzte Blogger eine Anlaufstelle haben. Statt die guten Kooperationen hervorzuheben, zu loben oder darauf hinzuweisen, wird der Ruf nach Anprangern an manchen Ecken der Blogosphäre gefühlt immer lauter - typisch deutsch?

„Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ (Goethe)

Doch das Negative zu sehen, fällt oft leichter. Aber denunzieren, jemanden anzuschwärzen und an den Pranger zu stellen, ging in der Geschichte schon mehrfach schief. So zog Lord Byron am Pranger stehend nur noch mehr Fans seiner Dichtkunst an und wurde vom Volk mit Blumen statt mit faulem Obst bedacht. Ein Pranger kann also schnell das völlige Gegenteil erreichen. Wer hat denn Gewissheit, dass der Großteil der deutschen „Blogosphäre“ nicht doch aus schwarzen Schafen besteht? Vielleicht ist das Beschweren über unfähige Blogger Relations eher nur der Kampf Don Quijotes und seiner Rosinante gegen Windmühlen? Wer hat in der Anfangszeit seines Blogs nicht vielleicht auch mal Fehler gemacht und noch den ein oder anderen gekauften Link im Blog?

„Wer von euch frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“  (Johannes 8,7)

Oftmals agieren Agenturen bei Blogger Relations auch ohne das konkrete Wissen einer Firma oder mehrere Dienstleister suchen gleichzeitig Blogger für ein- und dieselbe Firma. Wie will man da konkret wissen, wo der Fehler im System ist? Unwissenheit, Kommunikationsprobleme, Eigeninitiative und viele andere Gründe können zu einem Versagen geführt haben. Dann stellt man womöglich die falsche Firma oder Person an den Pranger, zerstört vielleicht die Jobaussichten eines übereifrigen Praktikanten oder Volontärs schon, bevor dessen Karriere überhaupt angefangen hat.

Mal ganz davon abgesehen, dass man als Arbeitgeber Praktikanten möglichst nicht an solche Aufgaben lassen sollte, kann das auch schon der Fehler im System sein. Hat man vielleicht keine Ressourcen oder schlichtweg keine Ahnung von Social Web und der Praktikant ist der Einzige mit Ahnung im kleinen, mittelständischen Betrieb? Wer ist also der Schuldige? Wo liegt die Schuld? Dann hat man eine Liste, die berühmt berüchtigt ist. So manches Unternehmen wird vor Schreck in Schockstarre verfallen und sich erst recht nicht an Blogger heran trauen. Das kann doch nicht die Lösung sein!

Wen schreibt man also auf solch eine öffentliche „Black List“? Am Besten niemanden - man petzt nicht. Auch wenn das Gegenüber nicht mit glänzenden Manieren auftritt, heißt das noch lange nicht, dass man alttestamentarisch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ handeln sollte. Möchte man sich wirklich auf das gleiche Niveau herablassen? Wozu überhaupt die Energie aufbringen, sich immer und immer wieder darüber zu beschweren, dass jemand etwas falsch macht? Manche werden und wollen es auch nicht lernen. Das gilt es zu akzeptieren. Gibt es nicht auch viel Wichtigeres im Leben eines jeden Einzelnen?

Anleitung zum „Glücklich sein“

Eine E-Mail kann man lesen und ignorieren, dankend ablehnen oder mit einem Gegenangebot beantworten. Dabei können kurz die Punkte angesprochen werden, die einen stören, somit aufklären und mit einem entsprechenden Angebot für einen Beitrag doch noch ein Geschäft abwickeln.

Generell sind Blogger Relations für beide Seiten in Deutschland rechtlich schwierig. Es gibt diverse Fallstricke, nicht nur die sog. do-/nofollow-Link-Problematik und das Markieren als „bezahlt“. Am Besten berät man sich mit einem Anwalt, der sich in Medien- und vor allem Social-Media-Recht auskennt.
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*Zur Erklärung: Es besteht die Pflicht der Trennung und Kennzeichnung von redaktionellen und werblichen Angeboten. Gekaufte Beiträge, also Werbung oder Advertorials, Sponsored Posts, wie auch immer man es nennen mag, müssen nach der deutschen Gesetzeslage gekennzeichnet werden. Ist ein Beitrag gekauft, so sollten Blogger die Links auf „nofollow“ setzen. Dies verlangen die Google-Richtlinien, so dass ein ausgewogenes Linkbuilding mit „dofollow“ (Empfehlung, zählt fürs Ranking) und „nofollow“ (neutraler Link) entsteht. Sollte dies nicht der Fall sein und man auffällig werden, wird die Seite aus dem Index und damit aus der Suche gefiltert.

Romy Mlinzk ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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