Die Organisatoren Christoph Pietsch (li.), CMO Grey Germany, und  Dirk Krüssenberg, Präsident Marketing Club Düsseldorf
Die Organisatoren Christoph Pietsch (li.), CMO Grey Germany, und Dirk Krüssenberg, Präsident Marketing Club Düsseldorf © Foto:Marketing Club Düsseldorf

Night of Creativity, Düsseldorf | | von Paolo Anania

Wie Kreativität zu "Freude im Becher" führt

Der Treibstoff für Kreativität schlechthin ist Inspiration – und davon gab es unglaublich viel bei der 2. Night of Creativity, die 1.200 Besucher am vergangenen Freitag in das Auditorium des Düsseldorfer Congress Centers gelockt hat. Nach dem diesjährigen Erfolg soll die 3. Night of Creativity in 2017 weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Während es bei der ersten Veranstaltung im vergangenen Jahr eher noch etwas enger um Kreativität im Kontext von Marketing und Werbung ging, war der Kreativitätsbegriff dieses Mal deutlich weiter gefasst. Das spiegelte sich in der Auswahl der Speaker wider, wie auch in den Gesprächen eines inspirierten Publikums in der Pause und der nachfolgenden Aftershow-Party. Die erweiterte Ausrichtung der Veranstaltung folgt damit dem großen Trend (und lebt ihn ein Stück weit vor), dass die Werbetreibenden verstärkt ein neues, weiteres Verständnis ihres Berufs und des Begriffs von Kreativität entwickeln.

Zu danken ist diese Weiterentwicklung der Night of Creativity vor allem auch dem Zweierteam aus Dirk Krüssenberg, dem Präsidenten des Marketing-Clubs Düsseldorf, sowie Grey-CMO Christoph Pietsch. Sie erarbeiteten das Konzept der Veranstaltung und führten als charmante, authentisch-selbstironische Gastgeber unterhaltsam durch den Abend. So kam den beiden auch die angenehme Aufgabe zu, die verschiedensten Speaker und Interviewpartner anzukündigen, von denen jeder einzelne auf seine Art mitriss und inspirierte.

Den Anfang machte Keynote-Speaker Jack Ramsay, der als Senior Managing Director für Global Digital Delivery bei Accenture die Tatsache sich exponentiell weiter entwickelnder Technologien mit den größer werdenden Anforderungen an Kreativität verknüpfte: Denn nur wenn es große Ideen gibt, lassen sich die unzähligen möglichen Anwendungsfälle von Technologien erst nutzbar machen.

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Das Machen ist mindestens so wichtig wie das Ideen haben

"Machen" war generell ein wichtiges Schlagwort in dieser Nacht: Jeder auf der Bühne unterstrich die Bedeutung einer exzellenten Umsetzungskompetenz, um gute Ideen und Kreativität auch tatsächlich zum Erfolg zu führen.

So auch Leon Löwentraut, der gerade 18-jährige Maler und Jungstar der Kunstwelt, der seinem Interviewer Christoph Pietsch den Job recht einfach machte, weil er einfach alles von sich aus erzählte – auf eine absolut mitreißende und authentische Art. Wie zum Beispiel die Geschichte, wie er mit seinem Vater (und Manager) einfach während eines Londoner Kurzurlaubs in eine Galerie ging und den Galeristen "überredete", eine Ausstellung zu machen. Wiederum ein Beispiel für die angstfreie Hartnäckigkeit von Leon Löwentraut: Authentizität und Hartnäckigkeit als Quell für Kreativität und Erfolg bringende Brillanz in der Umsetzung.

Matthias Rombey erzählte, wie er dazu kam, sein sich heute zu einem kleinen Imperium entwickelndes Frozen-Yoghurt-Unternehmen Yomaro zu gründen. Schon an sich ist das eine interessante Story. Aber das tolle am Yomaro-Beispiel war vor allem, das hier deutlich wurde, wie wichtig es ist, authentische, relevante und kreative Daseinsberechtigungen (den "Brand Purpose") für eine Marke zu entwickeln. Er verkauft kein gefrorenes Joghurt – er verkauft "Freude in Bechern". Das ist eine erfolgreiche Umsetzung des "Golden Circle" Prinzips des US-Marketing-Gurus Simon Senek: "It’s not what you buy, it’s what you buy into". Das kann jeder nachempfinden, der bei Yomaro schon mal einen Becher gekauft hat.

Eine andere Perspektive auf dasselbe Prinzip gab Berndt Dicks. Der zeigte als Mitgründer des mit Blick auf die Besucherzahlen geradezu explodierenden Festivals Parookaville Einblick in die von den Gründern geschaffene Parallelwelt, in die sich Marken authentisch und relevant integrieren können. Wie etwa Warsteiner dort eine Kirche namensponsert, in der man tatsächlich heiraten kann. Oder Deichmann, die nicht etwa ein Schuhgeschäft in Parookaville betreiben, sondern eine Beautyfarm. Im Prinzip sieht man hier, dass eine Marke wie eine Person zu sehen ist, die auf eine Party eingeladen ist: Sie soll natürlich angemessen gekleidet kommen und verhalten, aber sich nicht verbiegen, sondern authentisch bleiben.

Klar, dass die diesjährigen Highlights der Cannes Lions auch vorkamen. Das übernahmen zwei Top-Kreative von Grey, Neil Elliot und Mark Hendy. Bezeichnenderweise aber ihrerseits anhand von Beispielen, die zeigten, wie sehr Kreativität und Design für Werbung sich heute anders ausprägen und so umgesetzt werden, dass das Ergebnis im Grunde nicht mehr wie Werbung wirkt und oft sogar wirklich keine Werbung im klassischen Sinne mehr ist – sondern eher schon im Bereich Business Modelling anzusiedeln ist.

Paolo Anania, Chef der Digitalagentur und Strategieberatung Granpasso, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

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