Plan.Net | | von Christina Rose

Wichtigste Lektion im Silicon Valley: Ein Hoch auf das Scheitern

Einmal Mäuschen spielen bei Google, Facebook und Youtube – den Wunsch haben wohl viele. Ein Team von Plan.Net hat sich diesen erfüllt und die Unternehmen in Kalifornien besucht. Was sie dort erlebt haben, hat Geschäftsführer Dominik Terruhn heute in München erzählt.

Es ist schon eine Welt für sich: Der Facebook-Campus im kalifornischen Palo Alto erinnert auf Terruhns mitgebrachten Bildern ein bisschen an Disneyland. In der Zentrale des weltweit größten Sozialen Netzwerks benutzt man Rutschen, keine Treppen. Und die Herren Brin und Page haben in Mountain View den benachbarten Nasa-Flughafen mal eben für 1, 2 Milliarden Dollar für die nächsten 60 Jahre angemietet, (nicht nur) um mit ihren Privatjets direkt neben dem Google-Headquarter landen zu können. Das Silicon Valley scheint zu wissen, wie es seinen Ruf als Forschungsenklave und Geburtsstätte der "next big things" zu verteidigen hat.

Die Ver- und Bewunderung dieser Mentalität und Arbeitsweise springt förmlich aus Dominik Terruhns Schilderungen über seinen fünftägigen Besuch bei den großen Drei des Webs: bei Google, Youtube und Facebook. Denn vieles mutet dem deutschen Ohr einfach fremd an, Googles Devise für "Moonshot Thinking" beispielsweise, sprich: Wie werde ich zehn Mal besser als jetzt und nicht nur zehn Prozent?

Think big – darunter macht man es nicht in Mountain View. Schließlich müsse man an Dinge denken, die absurd sind. Nur so entstünden Innovationen, haben die Münchner als Learning mitgebracht. Und deshalb sei dort auch völlig normal, was hierzulande undenkbar wäre, schildert Terruhn: "Ein Großteil der Google-Mitarbeiter arbeitet im Trial-and-Error-Modus. Es wird geforscht und einfach ausprobiert. Das macht den Enthusiasmus der Mitarbeiter aus." Klar. Wo sonst bekommt ein Forscher eine derart große Spielwiese für seine Ideen und Entwicklungen und am Ende sogar noch einen Schulterklopfer, wenn es nicht geklappt hat? Terruhn: "Scheitern ist dort heroischer, als es gar nicht erst zu machen."

Entsprechend riesig ist Googles Forschungslabor "Google X": Von der Diabetiker-Kontaktlinse ("Iris") über Internet für die entlegensten Regionen der Welt per Stratosphären-Ballon ("Loon") bis hin zu Indoor-3D-Mapping ("Tango") scheint nichts unmöglich. Jedes Jahr gibt Google etwa 17 Mrd. Dollar allein für Forschung, Entwicklung und den Zukauf im Bereich künstlicher Intelligenz aus. Und auch der "People-Faktor" ist bemerkenswert. So stehen die Google-Gründer jeden Donnerstagabend vor ihren 5.000 Headquarter-Mitarbeitern auf der Bühne in der Kantine, um ihnen jede erdenkliche Frage zu beantworten. Das reicht von der jüngsten Firmenübernahme bis hin zum Grund, warum sich Sergey Brin einen Bart wachsen lässt. Die Video-Aufzeichnung davon bekommen dann freitags alle weltweit 52.000 Google-Mitarbeiter unter dem Motto "Thank God, it’s friday" zu sehen.

Google-Tochter Youtube vermittelt noch stärker als die große Konzernmutter das New-Economy-Feeling. "Wie auf einem großen Spielplatz" habe man sich mitunter gefühlt, erzählt Terruhn von Laptop-Arbeitsplätzen mit Laufband. Weniger neidisch ist man als deutscher Arbeitnehmer dann doch, wenn man einen Blick in ein Facebook-Großraumbüro wirft. Die Bildschirme stehen dicht an dicht, die Mitarbeiter sitzen Schulter an Schulter. Berührungsängste darf man hier nicht haben. Überhaupt müsse man sein ur-deutsches Denken und seine Bedenken in dieser Umgebung relativieren, lautet sein Fazit: "Im Silicon Valley denkt man in großen Schritten. In Deutschland watschelt man."

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