Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Wenn bei sozialen Netzwerken der Mehrwert schwindet

Von Apps wird oft gesagt, sie müssten einen echten Mehrwert bieten, damit der User sie regelmäßig aufruft, hat er sie erstmal installiert. Das gleiche lässt sich auch von sozialen Plattformen sagen. Den ganz Großen sogar: Mangels erkennbarem Mehrwert hat Digital Leader Christian Faltin neulich sogar seine Foursquare-App gelöscht. Riskant für einen Digital-Experten, möchte man meinen, der doch alle Entwicklungen im Auge behalten muss. Doch scheinbar tut sich in seinen Augen auf der Check-in-Plattform nichts mehr, genauso wenig wie auf Pinterest, wie Faltin nörgelt. Nach dem sozialen Tabula rasa übrig geblieben sind in seinem persönlichen Relevant Set die üblichen Verdächtigen: Facebook, Youtube, Twitter und Google+. Letzeres Netzwerk ist laut Mobilegeeks-Gründer Sascha Pallenberg übrigens keine Geisterstadt.

In Bedrängnis gerät dagegen immer mehr der hippe Kurznachrichtendienst Twitter, seitdem er im November an die Börse gegangen ist. Nachdem das Unternehmen diese Woche seine Quartalszahlen veröffentlicht hatte, rutschte die Aktie um zehn Prozent ab. Obwohl Twitter den Quartalsumsatz mehr als verdoppelt hat und die Verluste sich in Grenzen hielten. Das Problem: Insgesamt hatten sich Investoren einfach mehr vom 140-Zeichen-Dienst erwartet. Doch nichts deutet darauf hin, dass es Twitter gelingt, neben VIPs, Werbern, Journalisten und sonstigen Aktivisten und Selbstdarstellern bei den Normalos zu punkten.

Auch wenn Facebook inzwischen gut 1,2 Milliarden Nutzer weltweit zählt: Marketer bringt es regelmäßig zum Verzweifeln. Ständig bekommt das Netzwerk neue Features und neue Regeln, an die sie sich anpassen müssen. Nachdem Mark Zuckerberg die organische Reichweite für Unternehmensposts zurückgefahren hat, stand diese Woche ein neues Privacy-Feature in den Schlagzeilen: Bislang konnten User nicht selbst bestimmen, welche Daten sie Drittanbietern über den Social Login geben wollen. Das soll sich innerhalb des nächsten Jahres ändern: Die User können dann selbst ankreuzen, welche Infos sie preisgeben möchten, und welche nicht. "Wir wissen, dass Menschen sich unwohl dabei fühlen, den blauen Knopf zu drücken. Wenn man eine App nutzen möchte, der man nicht komplett vertraut - dann will man ihr auch nicht uneingeschränkte Erlaubnis bieten", wird CEO Mark Zuckerberg vom Wall Street Journal zitiert.

Auch der Launch des Facebook Audience Network wurde diese Woche auf der unternehmenseigenen f8 Global Developer Conference verkündet. Der Clou: Anstatt ihre eigenen Werbeformate zu verkaufen, können Entwickler auf die Native Ads inklusive Targeting und Tracking von Facebook zurückgreifen.

Ein wenig weiter östlich des Silicon Valleys finden in New York indes die Newfronts statt. Dort stellen Netflix, Yahoo, Hulu, AOL, YouTube und andere Web-TV-Ambionierte ihre neuen Programme vor: mit dem Ziel dem TV-Markt Werbegelder abzuluchsen. Dafür werden hohe VIP-Geschütze aufgefahren, wie etwa Bryan Cranston, Hauptdarsteller aus der Emmy-prämierten AMC-Serie "Breaking Bad". Sonys On-demand-Streaming Service Crackle hat ihn als Produzenten für sein neues Programm "Tightrope" vorgestellt.

Ganz groß war eigentlich auch der Merger von Publicis und Omnicom angedacht. Mit der Fusion streckten beiden Werbeagenturen die Hände nach der Relevanz von Facebook und Googles im digitalen Werbemarkt aus. Nun sieht es allerdings ganz danach aus, als ob die Pläne der beiden nicht aufgehen werden: Nicht nur die Steuerbehörden Englands legen dem Zusammenschluss einige Steine in den Weg, auch die beiden Agenturkonzerne selbst machen sich das Leben schwer.

Wenn bei sozialen Netzwerken der Mehrwert schwindet

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