Weg mit der Filterblase: Wie Sie Datenkraken ein Schnippchen schlagen
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Kampagne | | von Annette Mattgey

Weg mit der Filterblase: Wie Sie Datenkraken ein Schnippchen schlagen

Haben Sie Angst, Sie bekommen nur noch die Hälfte mit? Ihr Blick auf die Wirklichkeit verengt sich? Dann hat die Düsseldorfer Agentur Grey das Passende für Sie: den "Data Corrupter". Mit diesem Tool schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie entkommen Ihrer Filterblase und führen die Datensammler im Netz an der Nase herum.

Damit will Grey - im Auftrag des Newsportals Orange by Handelsblatt - der Gefahr politischer Manipulation über soziale Netzwerke entgegenwirken. Ihr Mittel: ein Browser-Plugin, das für Verwirrung sorgt und dadurch die digitale Filterblase platzen lässt. Sein Name: "The Data Corrupter". Der Hintergrund: Auf Facebook sorgen Algorithmen dafür, dass in den Timelines der User nur solche News angezeigt werden, die Facebook aufgrund des bisherigen Onlineverhaltens als interessant für den Nutzer erachtet. So entsteht eine selbsterschaffene Filterblase, die die eigene bestehende Meinung bestärkt und kontroverse Sichtweisen ausblendet.

Datenanalysten können zudem anhand von gesetzten Likes ein psychologisches Profil jedes Nutzers erstellen. Dieses wird dazu verwendet, um Dark Posts auszuspielen. Dabei handelt es sich um Facebook-Posts, die gezielt die Erwartungshaltung des Nutzers bedienen und ihn so empfänglicher für die Botschaft machen. Diesen Mechanismus, die sogenannte datengetriebene Verhaltensänderung, könnten sich – wie in den USA und Großbritannien nach Aussage von Datenanalyse-Firmen bereits geschehen – auch Parteien in Deutschland zu nutzen machen. Ein Thema, das auch beim W&V Data Marketing Day heiß diskutiert wurde.

Der "Data Corrupter" will diese Art der Infiltration verhindern. Jedes Mal, wenn ein Nutzer auf Facebook einen Post liked, addiert der "Corrupter" automatisch eine Vielzahl weiterer, zufällig ausgewählter Likes. Dem Nutzer selbst und seinem sozialen Netzwerk werden diese nicht angezeigt, für Analysten sind die Daten damit jedoch unbrauchbar.

"Micro-Targeting ist kein neues Thema. Wenn es jedoch mit psychometrischen Systemen angereichert wird und so zum "Werkzeug" für politische und manipulatorische Botschaften wird, verstößt das gegen unser Grundverständnis", so Frank Dopheide, Geschäftsführer und verantwortlich für Orange by Handelsblatt. Der Wirtschaftsverlag will damit insbesondere die junge Generation für diese Form der Beeinflussung sensibilisieren. 

"Wir möchten mit der Kampagne auf zwei zentrale Probleme – die Existenz der Filterblase sowie die gezielte Manipulation für politische Zwecke – nicht nur aufmerksam machen, sondern auch eine wirkliche Lösung anbieten. Uns ist natürlich klar, dass man mit den Programmierern von Google, Facebook und Co. nicht einfach so mithalten kann. Daher wird das gesamte Projekt später in ein Open-Source-Thema verwandelt. Es ist also der erste Stein, der ins Wasser geworfen wird und Wellen schlägt," so Fabian Kirner, CCO bei Grey Germany.

Der "Data Corrupter" steht ab sofort im Chrome-Web-Store sowie über die Website TheDataCorrupter.org zum Download bereit.

Das Video zum "Data Corrupter":

Verantwortlich bei Grey:

Fabian Kirner, Chief Creative Officer
Kim Florio, Chief Strategy Officer
Martin Steinorth, Technical Director

Verantwortlich bei Orange:

Frank Dopheide, Geschäftsführer Verlagsgruppe Handelsblatt
Sebastian Kaiser, Creative Director Verlagsgruppe Handelsblatt
Michael Moersch, Head of Corporate Marketing & Sales Verlagsgruppe Handelsblatt
Andreas Dörnfelder, Chefredakteur Orange by Handelsblatt

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