Was Pokemon hat was Twitter nicht hat
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Was Pokemon hat was Twitter nicht hat

Weltweit mehr als drei Millionen Tweets. Beeindruckende 75 Millionen Downloads. Das Zauberwort lautet Pokemon Go. Dahinter verbirgt sich ein Hype, den es so zuletzt eigentlich nur bei Second Live gab. Second Live? Genau. Man erinnert sich kaum. Daher heißt es für alle Marketer: möglichst jetzt und möglichst schnell auf den Zug aufspringen. Muss ich das Spielprinzip noch erklären? Es geht darum, möglichst viele Pokémons zu fangen. Damit die Spieler der Aufgabe gewachsen sind, gibt es die "PokéStops". Dort können nützliche Goodies eingesammelt werden. Das ist wie Butter bei de Fische. Und wo es was zu holen gibt, werden natürlich zahlreiche Spieler magisch angezogen. Shop- oder Restaurantbetreiber können sich jetzt die Hände reiben ob der günstigen und effektiven Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Marketingtechnisch gesehen ebenfalls nützlich sind  die "Lockmodule": Wie Bier die Wespen, so ziehen die Lockmodule dreißig Minuten lang wilde Pokémons an. Da bleiben die Spieler natürlich nicht aus. Ein schlauer Händler weiß das für sich zu nutzen, personalisiert das Lockmodul und kurbelt den Kauf mit Promo-Codes an.

Wie lange der Hype anhält - hier scheiden sich die Geister. Trendforscher Peter Wippermann glaubt, dass Pokemon ein Dauerbrenner wird, weil die Industrie viel Geld für Werbung in das Spiel steckt. Alles steht und fällt also damit, ob sich das Spiel weiterentwickelt. Niantic, die Macher von Pokemon Go haben jedenfalls noch jede Menge Ideen in der Hinterhand. Man denkt über Tauschmöglichkeiten der Figuren nach und auch Monster züchten ist eine Option.

Ist neben dem Pokemon-Fieber überhaupt noch Platz für andere Interessen, zum Beispiel Olympia? Adobe behauptet ja und hat nachgezählt: Turmspringer Tom Daley ist mit rund 20.000 Erwähnungen in knapp 120 Tagen der meistgefragte Sportler im europäischen Social Web. Sein Twittter-Account zählt 2,5 Millionen Follower. Da können die einzelnen Pokemon-Kanäle noch davon träumen.

Prominente aus Sport, Medien und Politik schwören ja bekanntlich auf Twitter. Und trotzdem will der Rubel nicht so recht rollen. Während Facebook seinen Umsatz um 59 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar steigern konnte, legten die Werbeeinnahmen bei Twitter nur um 18 Prozent auf 535 Millionen Dollar zu – und lagen damit unter den Erwartungen. Vielleicht stimmt etwas mit den Erwartungen nicht? Oder es liegt  doch an der Strategie. In Zukunft sollen auf jeden Fall die Live-Streaming-Werbeformen für Sprudel in der Kasse sorgen.

Bei Facebook klingelt die Kasse vor allem wegen der mobilen Werbeformate. Twitter will vor allem auf Live-Streaming-Werbeformen setzen. Wenn das funktionieren soll, muss Twitter vielleicht einfach mehr auf seine Nutzer schauen. Will ein ganz normaler Marketer eine junge Zielgruppe mit Inhalten erreichen, muss er deren Nutzungsverhalten folgen. Das gilt auch für Twitter. Dort muss man sich fragen, ob man ein attraktives Medium ist. Die Konkurrenz ist schließlich groß: Snapchat mit Ein-Tages-Video-Fliegen. Youtube mit etablierten Channels. Facebook mit VR-Realitäten. Sie alle futtern am großen Werbekuchen für modernes Bewegtbild. Vielleicht sollte Twitter versuchen, der Kanal für Influencer zu werden? Die Influencer-Marketing-Plattform Reachbird verrät, wie es mit den Engagementraten von Influencern bestellt ist. Ein USP für Twitter wäre sinnvoll. Influencer nutzen Twitter schon recht stark. Mit ein bisschen Fantasie ließe sich da sicher ein neues Modell schaffen.

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